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«Sie fassen dir immer wieder an den Hintern» - was Frauen in den Feststuben der Olma erleben

Steigt der Alkoholpegel, sinkt die Hemmschwelle: In den Feststuben der Olma wird immer wieder gegrapscht. Frauen erzählen von ihren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen an der Messe.
Linda Müntener
Sexuelle Belästigung an der Olma: Angezeigt werden die Vorfälle selten. (Symbolbild: Urs Bucher)

Sexuelle Belästigung an der Olma: Angezeigt werden die Vorfälle selten. (Symbolbild: Urs Bucher)

«So darfst du da auf keinen Fall hin», sagt die Schwester und schüttelt den Kopf. Kurzer Rock, Strümpfe, Schuhe mit Absatz? «In der Moststube geht das nicht. Die werden dich nicht in Ruhe lassen.» Ist bei einem Olma-Besuch als Frau tatsächlich Vorsicht geboten? Und beginnt die schon bei der Kleiderwahl?

Die Debatte um #MeToo, sexuelle Übergriffe und das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau sind seit einem Jahr Thema in den Medien. Zahlreiche Frauen haben von ihren Erlebnissen berichtet. Auch, um anderen Mut zu machen, sich zu wehren. Nicht selten geschehen die Vorfälle im Nachtleben. Dann, wenn der Alkoholpegel steigt und die Hemmschwelle sinkt. Das gilt auch für die Olma.

In den Degustationshallen oder in und rund um die Festzelte der St.Galler Herbstmesse wird viel getrunken. Und dabei wird viel gegrapscht, wie Messebesucherinnen erzählen. Eine Antwort kommt immer wieder:

«In der Menschenmenge fassen sie dir immer wieder ‹zufällig› an den Hintern. Da ist schwer auszumachen, wer's gewesen ist. Die meisten wissen wohl, dass sie in der Menge anonym bleiben und damit davon kommen.» Lisa, 23

«Du kannst nichts machen, wenn dich einer in der Masse betatscht. Du weisst zwar ganz genau, dass es mit Absicht war, aber es ist schier unmöglich herauszufinden, wer's war. Da sind einfach zu viele Leute.» Sophia, 22

«Und wenn du mal einen erwischst und zur Rede stellt, dann heisst es, das passiere nun mal in der Menschenmenge. Sei keine Absicht gewesen. Oder, dass er sich nur einen Weg durch die Masse gebahnt habe.» Nina, 23

«Als ob es keine anderen Körperstellen gäbe, um jemanden wegzuschieben, als die Hüfte.» Lisa, 23

Die Namen der Frauen wurden zu ihrem Schutz geändert.

Nicht immer bleibt es bei vermeintlich zufälligen Berührungen. Frauen erzählen auch von offensiven Übergriffen:

«Ich war 17, er zwischen 30 und 35. Ich stand mit meiner Cousine und ihren Freunden ausserhalb eines Festzelts. Es war unter den Anwesenden offenbar bekannt, dass der Mann seiner Frau fremdgeht. Er hat mit mir geflirtet. Als ich nicht darauf einging, packte er mich am Arm und versuchte, mich zu küssen. Ich sagte ihm, er soll mich loslassen. Doch er hat noch fester zugepackt. Und mich zu sich hingezogen. Ich habe mich mit aller Kraft losgerissen und bin weggelaufen. Er und seine Freunde lachten nur, die Frauen schauten betroffen weg. Später wurde mir gesagt, ich solle das nicht so ernst nehmen. Das sei halt so an der Olma.» Lisa, 23

«Ich stand mit ein paar Kollegen in der Menschenmenge. Mein Freund war auch dabei, direkt neben mir. Dann kam irgendein wildfremder Typ auf mich zu und wollte mich küssen. Ich habe ihn weggestossen.» Sarah, 21

«Ich lief aus der Moststube, durch eine Gruppe von etwa fünf jungen Männern hindurch. Sie waren vielleicht 16 oder 17, nicht älter. Einer von ihnen klatschte mir auf den Hintern. Einfach so. Ich habe mich umgedreht und ihm eine Ohrfeige gegeben.» Paula, 21

Andere Frauen berichten von Sprüchen, die unter die Gürtellinie gehen.

«Neulich fragte einer an der Bar, ob ich mit ihm aufs WC zum Bumsen komme.» Sophia, 22

«Am ersten Olma-Freitag fragte mich einer im Festzelt, ob ich ihm einen Blowjob geben könne. Ein anderer fragte meine Freundin und mich, ob wir nicht Lust auf einen Dreier hätten.» Paula, 21

«Das sind zwar keine Übergriffe, aber ich fühle mich in solchen Situationen unwohl und belästigt.» Sophia, 22

«Es gibt Typen, die meinen sie seien die Geilsten, wenn sie betrunken sind. Die machen in ihrem Zustand jede an. Sagt eine Nein, werden sie aggressiv.» Stefanie, 20

«Ich würde niemals mit einem Minirock in die Moststube.» Nina, 23

Keine Anzeigen bei der Kantonspolizei

Angezeigt werden solche Vorfälle an der Herbstmesse selten. Bei den offiziellen Stellen waren im vergangenen Jahr keine Fälle von sexuellen Übergriffen bekannt. Das ist dieses Jahr nicht anders: Im Zusammenhang mit der Olma seien bisher keine Anzeigen wegen sexueller Belästigung eingegangen, heisst es auf Anfrage bei der Kantonspolizei St.Gallen. Auch seitens Stadtpolizei St.Gallen laufen der Herbstjahrmarkt und die Olma im Rahmen der Vorjahre. «Bis anhin haben wir keine speziellen Zwischenfälle zu verzeichnen», sagt Mediensprecher Dionys Widmer.

Wieso melden sich die Frauen nicht? Die befragten Messebesucherinnen in den Festzelten antworten unterschiedlich. Die einen sagen, sie würden sich nicht trauen, andere glauben nicht an den Erfolg einer Anzeige: «Bringt doch sowieso nichts.» Die offiziellen Stellen raten indes zur Vorsicht - nicht nur an der Olma. Vor allem Frauen sollten nachts nicht alleine unterwegs sein, und dunkle, einsame Plätze wie etwa Pärke meiden. Kommt es zu einem sexuellen Übergriff, sollte das Opfer auf sich aufmerksam machen - und etwa laut schreien.

-> Zu allen Olma-Inhalten

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