Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Sexualpädagogin Prisca Walliser: «Die Gefahrenpädagogik ist der falsche Weg»

Prisca Walliser ist Dozentin für Sexualpädagogik an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG). Die Sexualtherapeutin mit eigener Praxis unterrichtet angehende Lehrerinnen und Lehrer darin, wie Sexualkunde in der Schule alters- und stufengemäss vermittelt werden kann.
Odilia Hiller
Prisca Walliser, Dozentin für Sexualpädagogik, an der PHSG. (Bild: pd)

Prisca Walliser, Dozentin für Sexualpädagogik, an der PHSG. (Bild: pd)

Reine «Gefahrenpädagogik» sei der falsche Weg, um Kinder und Jugendliche an das Thema Sexualität und Fortpflanzung heranzuführen, sagt Prisca Walliser. Der Ausbildungsblock in Sexualpädagogik ist an der PHSG auf Sekundarstufe I obligatorisch.

Wie unterrichten Sie angehende Lehrpersonen in Sexualpädagogik?

Prisca Walliser: Da der Themenbereich für viele Lehrpersonen eine besondere Herausforderung ist, setzen wir an der Pädagogischen Hochschule stark auf Sensibilisierung und Selbstreflexion. Die Studierenden sollen sich klar werden, wie es ihnen mit dem Thema geht, und wie schwierig es allenfalls für sie ist, mit ihren Schülerinnen und Schülern über Themen wie Sexualität und Liebe zu sprechen.

Warum kann es schwierig sein?

Das Thema Sexualität und Aufklärung bleibt ein Thema von Werten und Normen. Hier spielen auch kulturelle Aspekte eine Rolle. Es ist wichtig, dass künftige Lehrpersonen sich bewusst sind, wo sie selber stehen.

Was gehört für Sie zu einem guten Sexualkundeunterricht?

Grundlage ist eine vertrauensvolle Lernatmosphäre. Es geht um eine alters- und stufengerechte Wissens- und Informationsvermittlung. Eine reine Gefahrenpädagogik – also nur davor warnen, was alles schieflaufen kann – ist zu einseitig. Es gilt auch zu vermitteln, dass Sexualität etwas Schönes ist. Dabei muss sich die Lehrperson über ihre Rolle jedoch sehr im Klaren sein. Selbstoffenbarung beispielsweise ist fehl am Platz. Ausserdem sollen sich die Schülerinnen und Schüler eine eigene Meinung bilden können.

Wie gehen Sie in der Ausbildung mit dem Thema Abtreibung um?

Selbstbestimmung ist ein zentrales Element in unserer Gesellschaft. Dazu ist auch das Schweizer Gesetz klar: Die Frau darf im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen selber entscheiden. Dieses Wissen gilt es, den Jugendlichen mit auf den Weg zu geben. Und sehr wichtig: Sie müssen wissen, welche Beratungsmöglichkeiten sie haben, sollten sie in diese schwierige Lage geraten. Noch wichtiger ist aber, dass die Jugendlichen Fragen stellen dürfen und eine offene Diskussion entstehen kann.

Der Lehrplan bietet viel Interpretationsspielraum. Ein Problem?

Der Lehrplan stellt Grobstrukturen auf. Deren Ausgestaltung im Detail bedeutet viel Arbeit. Wichtig ist, dass Lehrpersonen sich im Team Gedanken machen: Was ist unsere Kultur an dieser Schule? Wie machen wir das? Das Ziel ist eine Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Beschämung darf keinen Platz haben. Mit dem Teamgedanken können Schulen auch Lehrerinnen und Lehrer abholen, die unsicher sind. Hier sind vor allem die Schulleitungen gefragt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.