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Sex auf der Motorhaube

Sie stritten oft und heftig. Als die Beziehung am Ende war, soll der Mann seine Freundin in der Tiefgarage vergewaltigt haben. Weil er zu 36 Monaten verurteilt wurde, ging er in Berufung.
Christof Lampart

Das Thurgauer Obergericht hatte am Montagnachmittag einen nicht alltäglichen Fall zu beurteilen. Der Berufungskläger, welcher im November 2015 wegen mehrfacher Vergewaltigung (davon einmal versucht) und mehrfacher Drohung gegenüber seiner langjährigen Freundin vom Bezirksgericht Münchwilen zu 36 Monaten Haft verurteilt worden war, forderte Freispruch in allen Punkten. Zur komplett gegenteiligen Ansicht gelangte die Staatsanwaltschaft. Die Anklage verlangte eine Erhöhung der Haftstrafe auf 42 Monate und die Opferanwältin eine Erhöhung der Genugtuung von 8000 auf 12 000 Franken. Zugleich lehnte das Opfer jedoch eine Erhöhung der Haftstrafe ab.

Auch vor dem Obergericht in Frauenfeld blieb unbestritten, dass es am 25. September 2013 zwischen dem Opfer und dem Täter zum Sex auf der Motorhaube des Autos in der Tiefgarage der gemeinsamen Wohnung in Eschlikon gekommen war. Doch in der Frage, ob dieser Sex einvernehmlich erfolgte oder nicht, schieden sich die Geister. Der Verteidiger des Berufungsklägers gab zu bedenken, dass das Opfer den Tag nach der Vergewaltigung ganz normal mit dem Täter verbracht habe – ein solches Verhalten lege man wohl nicht an den Tag, wenn man gerade von dieser Person vergewaltigt worden sei. Ganz egal, ob die Beziehung nun schon lange bestanden habe oder nicht. Sie habe den Mann sogar bei einer Wohnungsbesichtigung – er wollte aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen – begleitet.

Der Kraft des Manns nichts entgegenzusetzen

Demgegenüber hielt der Staatsanwalt fest, dass wohl kaum von Freiwilligkeit die Rede sein könne, wenn man aus dem Auto gezerrt, auf die Kühlerhaube gedrückt, an den Handgelenken festgehalten und dabei zum Geschlechtsverkehr gezwungen werde. Dies, obwohl man ständig den Täter anflehe, es nicht zu tun.

Dass das Opfer in den Tagen danach ein gewisses Mass an Normalität angestrebt habe, sei zum einen darauf zurückzuführen, dass der viel stärkere Mann es schon viel früher – ab dem Jahr 2005 – regelmässig vergewaltigt habe und es dabei seiner physischen Kraft nichts entgegenzusetzen gehabt habe.

Die Frau habe auch versucht, Ruhe zu bewahren, weil sie an das Wohl ihres Sohnes dachte, der in dem Täter eine Art Vaterersatz sah. Zudem habe sie mit ihrem alten Freund einfach so rasch wie möglich abschliessen wollen, um mit ihrem neuen Partner baldmöglichst eine neue Beziehung aufbauen zu können, erklärte der Staatsanwalt.

Nachts auf dem Balkon

Tatsächlich kam es erst zwei Tage nach dem Sex auf der Motorhaube zur Anklage. Dann nämlich, als die Polizei den Mann verhaftete, weil er um zwei Uhr nachts auf dem Balkon vor dem Schlafzimmer stand und der Frau drohte, das Fenster einzuschlagen, falls sie nicht sofort öffne. Die Frau alarmierte die Polizei. Dieser eröffnete sie, dass ihr Freund sie vor zwei Tagen vergewaltigt habe – erst daraufhin geriet der Fall ins Rollen und begannen die Mühlen der Justiz zu mahlen.

Heute, so der Anwalt des Berufungsopfers, hätten die Ex-Partner eine gute Beziehung, was auch daran liege, dass beiden am Wohlergehen des Sohnes der Frau gelegen sei. Auch hätten sie sich im Januar dieses Jahres über Nacht getroffen – wie einem Eintrag in den sozialen Medien zu entnehmen sei. Das Obergericht wird den Parteien das Urteil schriftlich eröffnen.

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