SEUCHENTIERE AUS HEFENHOFEN?: "Hätte die Pferde nicht so schnell weiterverkauft"

Haben Tiere aus dem früheren Bestand von Pferdequäler Ulrich K. Schweizer Armeepferde mit Druse angesteckt? Für Thomas Giger, ehemaliger Kantonstierarzt von St.Gallen, steht fest: Die Erkrankung ist halb so schlimm. Es hätte aber gar nicht so weit kommen müssen.

Drucken
Teilen
Noch ist nicht sicher, wo sich die Armee-Tiere angesteckt haben. (Bild: Keystone)

Noch ist nicht sicher, wo sich die Armee-Tiere angesteckt haben. (Bild: Keystone)

Thomas Giger, wie gefährlich ist die Krankheit für Pferde?

Bei der Druse handelt es sich um eine bakterielle Infektion mit Streptokokken, die etwa gleich ansteckend ist wie Scharlach bei Menschen. Sie kann im Anfangsstadium erfolgreich mit Penicillin behandelt werden. Es gibt gefährlichere Erreger für ein Pferd.

Das Ganze ist also halb so schlimm.

Wenn die Tiere jetzt untersucht und richtig behandelt werden, ist es wirklich nur halb so schlimm. Es hätte einfach nicht sein müssen.

Thomas Giger, ehemaliger Kantonstierarzt Kanton St.Gallen (Bild: Archiv)

Thomas Giger, ehemaliger Kantonstierarzt Kanton St.Gallen (Bild: Archiv)

Wie meinen Sie das?

Ich hätte die Pferde nicht so schnell weiterverkauft. Dann hätten sie länger untersucht und entsprechend behandelt werden können - sofern der Erreger überhaupt von den Tieren aus Hefenhofen stammt. Gleichzeitig verstehe ich die Behörden, dass sie die Tiere so schnell wie möglich los haben wollten. Ich hätte das Ganze aber sicher nicht mit einer Quasi-Auktion gelöst.

Sondern?

Wie bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit hätten die Tiere an einen oder mehrere private Grosshändler abgegeben werden können, welche die Pferde anschliessend an interessierte Kunden weiterverkauft hätten.

Dann hätten aber nicht alle Tiere einen Abnehmer gefunden.

In der Tat. Dann hätte es aber immer noch den Schlachthof gegeben. Hätte es sich um Rinder gehandelt, wäre dies kein Problem gewesen. Denn aus tierethischer Sicht ist es nicht gerechtfertigt, wenn in einer solchen Situation Unterschiede gemacht werden zwischen einzelnen Tierarten.

Nun besteht aber die Möglichkeit, dass alle 93 Hefenhofen-Pferde Druse in der ganzen Schweiz weiterverbreitet haben.

Das wäre sicher die unvorteilhafteste Situation. Dennoch, Druse lässt sich gut behandeln. Wenn die Infektion nicht in Zusammenhang mit Hefenhofen stehen würde, würde das mediale Echo gegen Null tendieren.

Was ist Druse?

Die Druse ist eine Pferdekrankheit und wird auch als Coryza contagiosa equorum oder Adenitis equorum bezeichnet. Diese ansteckende Infektionskrankheit befällt die oberen Luftwege beim Pferd. Verursacht wird die Druse durch das Bakterium Streptococcus equi. Da es sich um eine bakterielle Erkrankung handelt, lassen sich Antibiotika einsetzen. Auch eine vorbeugende Impfung ist möglich.