Seuchenhof weiter gesperrt

1900 Schweine mussten in Innerrhoden wegen des PRRS-Virus geschlachtet oder eingeschläfert werden – der Betrieb ist nach wie vor gesperrt. Die Frage, ob auch Dritte haften, ist offen.

David Scarano
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Schwein

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APPENZELL. Ruhe ist eingekehrt – oder fast. Anfang Dezember brach auf einem Innerrhoder Zuchtbetrieb eine Schweineseuche aus. Einige Tiere hatten sich mit dem PRRS-Virus infiziert. Der hochansteckende Erreger kann Tot- und Frühgeburten auslösen. 1900 Ferkel, Eber und Sauen mussten schliesslich eingeschläfert oder geschlachtet werden. Das öffentliche Interesse war gross. Zwei Monate später ist der Appenzeller Seuchenfall aus den Schlagzeilen verschwunden, die Behörden beschäftigt er aber nach wie vor.

Der betroffene Hof im Inneren Land ist immer noch gesperrt – aus Sicherheitsgründen. «Die Stallungen wurden zwar gereinigt und desinfiziert, es besteht jedoch ein kleines Restrisiko, dass noch allfällig vorhandene Viren in der Gülle nicht abgetötet werden konnten», sagt Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell. Die Schutzfrist läuft bis Ende Februar. Die Hofbesitzer wollten sich zu den Vorkommnissen der vergangenen Monate nicht äussern. Sie sagten nur so viel: Für sie gelte es, vorwärtszuschauen. «Wir starten mit Jungsauen neu.»

Grosser Schaden

Nur vorwärts schauen kann das kantonale Veterinäramt nicht: Es muss den Seuchenfall aufarbeiten. Es werde sicherlich ein juristisches Nachspiel geben, hiess es im Dezember. Heute sagt Sascha Quaile: «Die Frage, ob der entstandene Schaden allenfalls auf Dritte überwälzt werden kann, ist nach wie vor unbeantwortet.» Die Abklärungen durch den Rechtsdienst stehen noch aus. Zurzeit werden Fakten gesammelt und ausgewertet. Klar ist: «Der Schaden ist gross», so der Kantonstierarzt. Allein der Verlust der Tiere belaufe sich auf 300 000 bis 400 000 Franken. Hinzu kommen Kosten für Tierärzte und Laboruntersuchungen. Die Rechnungen würden erst eintreffen. Für den Schaden steht vorläufig die kantonale Tierseuchenkasse gerade. Diese wird durch Beiträge der Tierhalter, des Kantons sowie der Bezirke gespeist.

Trotz der hohen Schadensumme und der 1900 toten Tiere sagt Sascha Quaile rückblickend: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Nur ein Hof war von einer Infektion betroffen.»

26 potenzielle Seuchenbetriebe

Das verseuchte Sperma war aus Deutschland eingeführt worden. Ende November schlug die Eberstation Alarm. Der Schweizer Importeur hatte in dem Zeitraum 26 Zuchtbetriebe beliefert. Aufgrund von Analysen bei vorsorglich geschlachteten Schweinen wurden drei Stallungen in der Folge als «Seuchenbetriebe» behandelt – in einem davon, dem Innerrhoder Hof, musste der Bestand wegen der Infektion dann ausgemerzt werden.

Des Risikos bewusst

Zur Frage, welche Lehren aus dem Seuchenfall gezogen werden, kann Kantonstierarzt Sascha Quaile noch nicht abschliessend Stellung nehmen. Die Abläufe zwischen den involvierten Veterinärämtern, dem Bund und den kantonalen Krisenstäben hätten gut funktioniert. «Wir waren uns des Risikos stets bewusst, dass PRRS-verseuchtes Sperma importiert werden könnte – trotz der Sicherheitsmassnahmen.» Die Schweiz war und ist nun wieder eine virusfreie Insel. In Europa ist PRRS weit verbreitet.

Ob die Sicherheitsmassnahmen beim Samenimport genügen, wurde schon vor dem Seuchenfall untersucht. Praktisch zeitgleich mit dem Ausbruch in Innerrhoden lag der Bericht einer Arbeitsgruppe vor. Gemäss Quaile schlug diese damals keine wesentlichen Verschärfungen vor. Die Sicherheitsmassnahmen werden nun nochmals überprüft.