Setzt Hanselmann Kritiker unter Druck?

ST.GALLEN. Seit der Fall der verstorbenen Mutter im Spital Wil publik wurde und seit über eine angeblich vergessene Krebsdiagnose diskutiert wird, hält sich das Gerücht, die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann übe Druck auf Kritiker aus.

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Heidi Hanselmann (Bild: Ralph Ribi)

Heidi Hanselmann (Bild: Ralph Ribi)

Die Zürcher «Weltwoche» hat, kurz nachdem das Kreisgericht den Todesfall am Spital Wil verhandelt hatte, einen zweiten Fall aufgegriffen. Die Chefärztin Gynäkologie soll vergessen haben, einer Patientin eine Krebsdiagnose mitzuteilen. «Ich distanziere mich in aller Form von dieser Darstellung. Der geschilderte Sachverhalt ist eine spekulative, provozierende Phantasie-Darstellung.» So zitierte Gesundheitschefin Heidi Hanselmann wenig später an einer Medienkonferenz die betroffene Frau.

«Haltlos»

Das sei nicht mit rechten Dingen zu- und hergegangen. Die Frau sei unter Druck gesetzt worden von der Gesundheitschefin. Heidi Hanselmann habe ihr mehrmals telefoniert. Nur damit sei das Dementi der Frau zu erklären.

So wird aus dem Umfeld der Frau kolportiert, das Gesundheitsdepartement habe die Frau zu dieser Darstellung «gezwungen». Wie stellt sich Heidi Hanselmann zu den Vorwürfen? «Sie sind haltlos», sagt die Regierungsrätin. «Ich habe nie Druck auf die Frau ausgeübt. Ich bin eine volksnahe Politikerin, die den Kontakt zu den Menschen bewusst sucht und pflegt. Das entspricht meiner Philosophie und bewährten Praxis.»

Heidi Hanselmann dementiert nicht, dass sie mit der Frau Kontakt gehabt und mit ihr telefoniert habe. «Die Frau hat aus freien Stücken erzählt.» Sie sei ziemlich empört darüber gewesen, wie ihre Geschichte in die Öffentlichkeit getragen worden sei. Es bestehe eine massive Diskrepanz zwischen dem dargestellten und dem wahren Sachverhalt.

Das habe ihr die Frau am Telefon erzählt, sagt Heidi Hanselmann. Daraufhin habe sie die Frau gefragt, ob sie bereit sei, das Geschilderte schriftlich festzuhalten. «Nur eine schriftliche Aussage ist eine verlässliche Aussage», sagt die Gesundheitschefin. Die Frau habe ihr daraufhin jene Zeilen geschickt, die sie an der Medienkonferenz vorgelesen habe. «Die Frau war auch darüber informiert. Dieses Vorgehen entsprach ihrem Willen.»

Korrekt abklären

Weshalb nahm die Gesundheitschefin überhaupt Kontakt mit der Frau auf? Das Gesundheitsdepartement habe vom Vorwurf der vergessenen Krebsdiagnose erst kurz vor der Medienkonferenz Kenntnis erhalten. «Wir wollten rasch herausfinden, was an der Darstellung zutreffend ist. Eins zu eins konnte mir das nur die betroffene Frau schildern», sagt Heidi Hanselmann.

Und was ist daran, dass die Frau später zu einem mehrstündigen Gespräch ins Gesundheitsdepartement eingeladen war? «Das trifft zu. Es ging darum, den Fall sachlich korrekt abzuklären.» Der Leiter Rechtsdienst des Gesundheitsdepartements sei damit beauftragt worden. Er habe die Befragung der Frau als Auskunftsperson durchgeführt. «Wir wussten zu jenem Zeitpunkt lediglich, dass der Fall haftpflichtrechtlich nicht relevant gewesen war.»

Heidi Hanselmann wiederholt: «Es wurde zu keinem Zeitpunkt Druck ausgeübt. Es war der Frau selber ein Anliegen, die falschen Schilderungen ins richtige Licht zu rücken.» Regula Weik

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