SERVICE PUBLIC: «Der Postkunde soll nicht überlegen müssen, wo er hingeht»

Immer mehr Poststellen werden durch Agenturen ersetzt. Diese seien fähig, die Grundversorgung zu gewährleisten, sagt Felix Bischofberger, Präsident des Postagenturenverbands. Dafür müsse ihnen die Post jedoch zusätzliche Angebote erlauben.

Tobias Hänni
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In der Ostschweiz dürfte in den nächsten Jahren über ein Drittel der traditionellen Poststellen verschwinden. In vielen Ortschaften sollen sie durch eine Agentur, beispielsweise im Dorfladen, ersetzt werden. Felix Bischofberger will sich als Präsident des Verbands der Postagenturen Schweiz dafür einsetzen, dass diese die Grundversorgung gewährleisten können. Der St. Galler CVP-Kantonsrat führt in Altenrhein selber eine Agentur.

Felix Bischofberger, der Post wird vorgeworfen, mit dem Ersatz traditioneller Poststellen durch Agenturen den Service public abzubauen. Trifft dieser Vorwurf zu?

Postagenturen sind grundsätzlich durchaus in der Lage, den Service-public-Auftrag der Post zu erfüllen. Die Kritiker haben aber insofern Recht, als das Dienstleistungsangebot der Agenturen kleiner ist als jenes der Poststellen. Daher fordern wir von der Post diverse Verbesserungen. Der Kunde sollte nicht überlegen müssen, ob er für alltägliche Erledigungen auf eine Agentur oder eine herkömmliche Poststelle gehen muss.

Welche zusätzlichen Dienstleistungen müssten Agenturen anbieten können, damit der Kunde sich diese Gedanken nicht machen muss?

Wir fordern, dass auch Postagenturen Bareinzahlungen entgegennehmen können. Das müssen keine grossen Beträge sein; diese werden ohnehin in den meisten Fällen elektronisch überwiesen. Aber bis zu etwa 500 Franken sollte dies möglich sein. Auch die Aufgabe von Sperrgutpaketen oder den Kauf von vorfrankierten, eingeschriebenen Briefen würden wir gerne anbieten.

Die Post argumentiert mit fehlenden Sicherheitsvorkehrungen bei den Agenturen gegen die Bareinzahlungen. Ist das nicht ein berechtigter Einwand?

Das schon. Aber deshalb wollen wir in den Agenturen ja auch bloss kleinere Bareinzahlungen anbieten. Bares gibt es bereits auf den Agenturen, da Kunden Geld beziehen können. Und weil sie solches zwar auszahlen, aber nicht entgegennehmen können, gehen den Agenturen heute schnell einmal die Nötli aus. Liesse die Post auch Einzahlungen zu, würde dies das Bargeldmanagement der Agenturbetreiber erheblich erleichtern.

Teilen Sie die Bedenken der Post, dass ein Angebotsausbau höhere Anforderungen an die Agenturbetreiber stellt, was die Suche nach potenziellen Partnern erschwere?

Nein, der zusätzliche Aufwand dürfte sich in engen Grenzen halten. So können neue Dienstleistungen ziemlich unkompliziert in die bestehende Software integriert werden, die den Agenturen derzeit zur Verfügung steht und die Schritt für Schritt durch den Verkaufsprozess führt. Ausserdem planen wir als Verband, künftig Ausbildungskurse und einen Support für das Agenturpersonal anzubieten.

Bei der Gründung des Agenturverbands 2015 war die Zusammenarbeit mit privaten Lieferdiensten wie DHL ein Thema. Ist eine solche Kooperation noch in Planung?

Ja, daran sind wir weiterhin interessiert. Auch die privaten Anbieter würden es begrüssen, wenn sie bei den Agenturen Lieferungen hinterlegen könnten, wenn ihr Kunde bei der Zustellung nicht zu Hause war. Dass die Post hier Bedenken aufgrund der Konkurrenz hat, kann ich nachvollziehen. Doch letztlich müsste für die Post ein möglichst gutes Angebot für den Kunden im Vordergrund stehen. Die Agenturen sind ja für das Unternehmen ebenfalls Imageträger.

Bei der Gründung 2015 hatte der Verband vier Mitglieder. Wie viele sind es heute?

Im Moment sind es 30 Mitglieder. Unser Ziel ist es, bis Ende Jahr 200 der derzeit etwa 700 bestehenden Postagenturen im Verband zu haben. Dafür starten wir im Sommer eine grosse Kampagne. Wir werden unseren Online-Auftritt professionalisieren und mit Flyern und Medienmitteilungen auf den Verband und unsere Anliegen aufmerksam machen. Wir wollen gegen aussen und gegenüber der Post gemeinsam auftreten. Dadurch erhalten unsere Forderungen auch mehr Gewicht.

Hat der Verband diese Forderungen bei der Post schon deponiert?

Nein, das ist noch nicht geschehen. Wir wollen zunächst die Zahl unserer Mitglieder erhöhen. Ein erstes formelles Gespräch hat aber im vergangenen März stattgefunden.

Tobias Hänni

tobias.haenni@ostschweiz-am-sonntag.ch