Bilanz der Urnengänge
Diese Ostschweizer Gemeinden haben in den vergangenen 30 Jahren die meisten Abstimmungen gewonnen

Welche Ostschweizer Gemeinde folgt bei Eidgenössischen Abstimmungen dem Bundesrat? Welche entscheidet am ähnlichsten wie die restliche Schweiz? Die Analyse der 283 Abstimmungsresultate seit 1990 gibt Antworten auf diese Fragen. Finden Sie zudem heraus, welches Abstimmungsverhalten Ihre Gemeinde an den Tag legt.

Stefan Trachsel
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Die direkte Demokratie in der Schweiz ist bekannt dafür, dass sie für Stabilität und eher gemässigte Lösungen sorgt. Deshalb erstaunt es wenig, dass die durchschnittliche Schweizer Gemeinde in vier von fünf Eidgenössischen Abstimmungen so abstimmt wie die Schweiz als Ganzes und somit auf der Siegerseite steht.

Die durchschnittliche Ostschweizer Gemeinde ist sogar noch leicht erfolgreicher: Bei 83.5 Prozent aller Abstimmungen gewinnt sie, gegenüber 82.6 Prozent als Mittelwert für alle Schweizer Gemeinden.

Modellstadt Rapperswil-Jona

Auf sogar 95.4 Prozent Übereinstimmung mit dem Schweizer Stimmvolk kommt Rapperswil-Jona, was die Stadt zur Gemeinde mit der schweizweit vierthöchsten Siegquote und damit zu einer Modellstadt macht. Nur dreizehnmal stand Rapperswil-Jona in den vergangenen 30 Jahren bei einer Abstimmung nicht auf der Seite des Volksmehrs.

Als die Rapperswil-Jona im November die Konzernverantwortungsinitiative ablehnte, entschied sie erstmals seit 2013 anders als die Mehrheit der Stimmenden. Da die Initiative damals jedoch am Ständemehr scheiterte, konnte sich die Mehrheit der Abstimmenden dennoch als Sieger fühlen.

Schweizer Durchschnittsgemeinde Langenthal

Die meisten Abstimmungen schweizweit gewinnt Langenthal (96.1 Prozent). Die Berner Gemeinde, deren Image als Durchschnittsgemeinde landläufig bekannt ist, hat noch zweimal weniger verloren als Rapperswil-Jona.

Unter den Verlierergemeinden ist die Ostschweiz weniger prominent vertreten. Am häufigsten anders als die Schweiz stimmen Dozwil (68.2 Prozent), Rapperswilen (70.7 Prozent) und Flums (73.5 Prozent). Schweizweit schaffen sie es damit nicht in die Top-Ränge. Landesweit am häufigsten auf der Verliererseite steht Campo (Vallemaggia) im Tessin. Das Dorf stimmte 117-mal anders als die Schweiz, was aber immer noch eine Siegquote von 58.7 Prozent bedeutet.

So oft gewinnen Ostschweizer Gemeinden bei Eidg. Abstimmungen

Zwei kritische Thurgauer Gemeinden

Für fast jede Abstimmung gibt der Bundesrat eine Empfehlung ab und engagiert sich entsprechend auch im Abstimmungskampf für oder gegen eine Vorlage. Seit 2009 ist die Regierung dabei an den Entscheid des Parlaments gebunden. Dass sich das Schweizer Stimmvolk als Ganzes dem Bundesrat entgegenstellt, ist die Ausnahme. Häufiger kommt es hingegen vor, dass eine Gemeinde anders abstimmt als der Bundesrat.

Die drei Gemeinden, die am häufigsten anders als die Schweiz stimmen, sind auch jene, die sich am meisten dem Bundesrat widersetzen. Dozwil entscheid in nur wenig mehr als der Hälfte der Urnengänge (53.6 Prozent), wie es der Bundesrat empfohlen hatte. Mit einigem Abstand folgen Flums (61.2 Prozent) und Rapperswilen (61.5 Prozent).

Schweizweit am häufigsten gegen die Regierung stellt sich das Schwyzer Dorf Unteriberg, das mit einer Quote von 44.2 Prozent als einzige Ortschaft in weniger als der Hälfte der Abstimmungen bundesratstreu stimmt.

So oft folgen Ostschweizer Gemeinden bei Abstimmungen dem Bundesrat

Die Durchschnittsgemeinde folgt dagegen in rund 73 Prozent der Abstimmungen dem Bundesrat. Am treuesten ergeben sind dem Bundesrat die Berner Vorortsgemeinden Muri und Bolligen, die der Bundesratsempfehlung in über 91 Prozent der Abstimmungen gefolgt sind.

In der Ostschweiz sind die bundesratstreuesten Gemeinden die St.Galler Gemeinden Mörschwil (84.9 Prozent), Rapperswil-Jona, St.Gallen (je 83.8 Prozent), Gaiserwald (82 Prozent) sowie Teufen (81.7 Prozent) in Appenzell-Ausserrhoden. Diese Quoten reichen im landesweiten Vergleich indes nicht für einen Spitzenplatz.

So sieht es in Ihrer Gemeinde aus

Unser Portal bietet neu für jede Gemeinde eine eigene Seite an, auf der alle unsere Inhalte zum jeweiligen Ort gesammelt und abrufbar sind. Auf dieser Seite können Sie in einem detaillierten Artikel auch mehr darüber erfahren, wie Ihre Gemeinde im Vergleich zu anderen abstimmt.

Hinweise zur Datenauswertung

Die Daten zu den Abstimmungsresultaten stammen vom Bundesamt für Statistik, jene zu den Parolen von Swissvotes. In der Analyse wurden insgesamt 283 Abstimmungen der Jahre 1990 bis 2020 (ohne Urnengang vom November) ausgewertet.

Das Bundesamt für Statistik hat die Gemeinderesultate auf dem heutigen Gemeindestand berechnet. Das heisst, bei Gemeindefusionen werden die Resultate der zuvor eigenständigen Gemeinden zusammengerechnet.

Für einige Gemeinden gibt es nicht für alle Abstimmungen ein Resultat, weil die Bürgerinnen und Bürger beispielsweise ihre Stimme in einer Nachbargemeinde abgaben. Im Kanton Bern sind solche gemeinsamen Urnen häufig und auch im Thurgau kamen sie in der Vergangenheit vor. Eine Gemeinde (Jaberg BE) wurde nicht berücksichtigt, weil für sie zwischen 1990 und 2020 nur für 20 Abstimmungen Resultate vorliegen. (trs)