Sepp Moser verschärft Vorwürfe

APPENZELL. In der Ostschweiz am Sonntag warf Sepp Moser der Innerrhoder Standeskommission Mauschelei beim Landverkauf vor. Nun legt der ehemalige Finanzdirektor nach: Nach erpresserischem Handeln durch Landammann Daniel Fässler sei er als Säckelmeister zurückgetreten.

Roger Fuchs
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Der von Innerrhodens alt Säckelmeister Sepp Moser in der Ostschweiz am Sonntag geäusserte Vorwurf, bei einem Landverkauf vom Kanton an die Jakobsbad Kronberg AG sei nicht alles rechtens gelaufen, war erst der Anfang. Gestern hat der an der Landsgemeinde 2011 aus der Innerrhoder Standeskommission Zurückgetretene in der NZZ weiter ausgeholt. Gegenüber unserer Zeitung bestätigte Moser «die erpresserischen Vorgänge» im Zusammenhang mit seinem Rücktritt.

Gegen Mosers Willen

Demnach sei Sepp Moser am 7. August 2010 ohne Vorankündigung ins Büro von Landammann Daniel Fässler zitiert worden. Unter vier Augen habe Moser zu hören bekommen, er sei in mehrere Steuerstrafverfahren verwickelt. Der Landammann verlangte gemäss Sepp Moser daraufhin, dass er, Moser, augenblicklich das Steueramt an Fässler abgebe. Überdies sei ihm gesagt worden, dass es das Beste wäre, wenn er gleich auch das Säckelmeisteramt abgebe. Sepp Moser hält dazu heute fest, was er damals schon dem Landammann entgegnet habe: «Ich bin mir keiner Schuld bewusst.» Weil er nicht auf die Forderungen einging, habe Fässler die Anschuldigungen später in der Standeskommission wiederholt. In der Folge kam es zum Eclat: Gegen Mosers Wille wurde ihm – seinen Ausführungen zufolge – die Steuerverwaltung entzogen. Wenige Tage später habe er die Demission eingereicht.

Beim Verfassen des Protokolls, das jene Sitzung der Standeskommission zum Inhalt hatte, mussten gemäss Moser die beiden Ratschreiber das Zimmer verlassen. Die Vorwürfe gegen ihn hätte er mit Hilfe seines Anwalts problemlos widerlegen können, so Moser.

Keine externe Revision

Als weiteres Beispiel für ein seiner Ansicht nach «unfassbares Machtsystem» erzählt Sepp Moser, dass Daniel Fässler sich vehement gegen eine Revision der Steuerverwaltung durch eine externe Firma gewehrt habe. Als deren Chef empfahl, das seit mindestens zwanzig Jahren nicht mehr geprüfte Steueramt einer Revision zu unterziehen, habe Moser den Vorschlag an Fässler weitergeleitet. «Doch ich habe trotz mehrmaligem Nachfragen nie eine Antwort erhalten.» Als er gemerkt habe, dass Fässler keine Revision wolle, sei er selbst tätig geworden und habe die Revision in Auftrag gegeben.

Dann ging es gemäss Moser plötzlich schnell. Sofort habe Daniel Fässler reagiert und eigenmächtig den Revisionsauftrag widerrufen. Hier stellt sich laut dem Altsäckelmeister die Frage, weshalb sich jemand gegen eine Revision wehre.

Lohnerhöhung erteilt

Unverständlich ist für den heute 63jährigen Moser auch, dass es in der Innerrhoder Regierung möglich sei, Befehle über das eigene Departement hinweg zu erteilen. So geschehen im Sommer 2010, wie Moser sagt. Obschon zu jenem Zeitpunkt keine Lohnverhandlungen angestanden hätten, sei ihm bei einer Kontrolle aufgefallen, dass ein Mitglied der Standeskommission plötzlich mehr Lohn bekommen habe.

In Auftrag gegeben wurde die Erhöhung, wie Moser gemäss eigenen Ausführungen in Erfahrung bringen konnte, von Landammann Carlo Schmid. Das Geld sei in diesem Fall eigentlich Nebensache, sagt Moser. «Aber es kann nicht sein, dass ein Regierungsratsmitglied in ein anderes Departement eingreift und einen Auftrag erteilt, ohne dass der Departementschef etwas davon weiss.» Für die Finanzen sei immer noch der Säckelmeister zuständig.

Keine PUK gewünscht

Grossratsmitglied Martin Breitenmoser, der vorgestern in der Session mit dem Antrag für eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) gescheitert ist, sagt, dass es nun genau so herausgekommen sei, wie er es nicht gewünscht habe. «Mit einer PUK hätte alles aufgearbeitet werden können, das derzeit im verborgenen liegt.» Und solches gibt es, wie Breitenmoser mit Bezug auf den aktuellen Bericht der Staatswirtschaftlichen Kommission festhält. Darin ist die Rede davon, dass ein Bürger verschiedene Vorgänge und amtliche Geschäfte bemängelt und Verbesserungen gefordert habe. Mit Verweis auf die Vertraulichkeit werden im Kommissionsbericht keine konkreten Angaben gemacht.

«Schockiert und befremdet»

Landammann Daniel Fässler, der im Moment krankgeschrieben ist, zeigt sich auf Anfrage schockiert und befremdet über die von alt Säckelmeister Sepp Moser geäusserten Vorwürfe. «Fünf Jahre lange habe ich mich jetzt uneigennützig für den Kanton Appenzell Innerrhoden eingesetzt», sagt Fässler. «Ich bin persönlich tief betroffen und würde gerne Stellung nehmen.» Der Arzt habe ihm jedoch Ruhe verordnet. Überdies gelte es im Hinblick auf die Antworten erst genau abzuklären, was das Amtsgeheimnis ermögliche. Was jedoch derzeit in Appenzell Innerrhoden abgehe, ist gemäss Daniel Fässler für die gesamte Standeskommission eine schwierige Situation. Wenn er könnte, würde er sämtliche Dokumente auf den Tisch legen, sagt er. «Das würde selbst bei den Medien ein grosses Aha-Erlebnis auslösen.» (rf)

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