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SENSATIONSFUND: «Das ist sicher ein grosses Puzzlestück»

Der St.Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora hat wie alle Wissenschafter nichts von einer Originalzeichnung des St.Galler Erd- und Himmelsglobus gewusst. Die Kopie des Globus in der Stiftsbibliothek wird wahrscheinlich dementsprechend angepasst.
Bruno Knellwolf
Cornel Dora, St.Galler Stiftsbibliothekar. (Bild: Benjamin Manser)

Cornel Dora, St.Galler Stiftsbibliothekar. (Bild: Benjamin Manser)

Herr Dora, war es im 17. Jahrhundert üblich, solche Pergamente wie dieses, das sozusagen als Verkaufsprospekt genutzt wurde, zu erstellen?

Cornel Dora: Nein, das ist eine Überraschung. Die Existenz eines solchen Pergaments war wirklich völlig unbekannt.

Cornel Dora, St.Galler Stiftsbibliothekar. (Bild: Benjamin Manser)

Cornel Dora, St.Galler Stiftsbibliothekar. (Bild: Benjamin Manser)

Werden die Erkenntnisse, die man aufgrund dieses Originalbildes gewinnen kann, genutzt, um die Replik in der St.Galler Stiftsbibliothek dementsprechend zu ergänzen?

Dora: Das Pergament zeigt, wie der Globus an gewissen Stellen ausgesehen hat, bevor ihn der Fürst-Abt in St.Gallen übermalen liess. Man sieht, wie die Kurbel und der Zeiger ursprünglich ausgesehen haben. Diese beiden Elemente sind später verlorengegangen. Deshalb haben wir darüber nachgedacht, sie aufgrund dieser Darstellung dementsprechend nachzubauen.

Der Fund wird im November in einer Ausstellung in der Zentralbibliothek Zürich zu sehen sein. Wird das auch in St.Gallen möglich werden?

Dora: Das ist nicht ausgeschlossen. Wir haben das aber bis jetzt nicht konkret geplant. Das könnte aber sicher interessant sein.

Das Pergament ermöglicht eine neue Spurensuche nach der Autorschaft und Herkunft des St.Galler Globus. Kann man sich da Hoffnungen machen?

Dora: In der Wissenschaft braucht es immer Hoffnung. Manchmal gibt es Überraschungen wie diese. Aber es ist sicher schwierig, noch weitere konkrete Einzelheiten daraus zu erschliessen. Plötzlich kommt aber ein Puzzleteil hervor, das der Wissenschaft weiterhilft.

Und so ein Teil ist dieses Pergament aus der Brockenstube in Olten.

Dora: Das ist sicher ein grosses Puzzlestück in der Geschichte des St.Galler Globus.

Sind Brockenhäuser generell eine gute Quelle solcher historischen Fundstücke?

Dora: Im Zusammenhang mit unseren Beständen in der Stiftsbibliothek ist ein Brockenhaus nicht wirklich ein hoffnungsvoller Ort. Vor allem nicht zurück bis in die Reformationszeit wie im Fall dieses Pergaments. Für das 18. und 19. Jahrhundert schon eher.

Wo finden Sie eher solche historische Puzzlestücke?

Dora: Manchmal finden sich exklusive Einzelstücke in Privatbesitz, von denen man nichts weiss. Plötzlich kommt dann etwas auf einer Auktion hervor. Es kann auch vorkommen, dass in Bibliotheken oder Antiquariaten etwas gefunden wird. In den letzten zwei Jahren gab es zwei interessante Entdeckungen im Zusammenhang mit dem St.Galler Mönch Gallus Kemli (1417–1481): zum einen ein Blatt von ihm, das in der wissenschaftlichen Stadtbibliothek in Mainz zum Vorschein gekommen ist. Zum andern ein von Hand gefertigtes Faksimile eines heute nicht mehr bestehenden Bands mit wertvollen Holzschnitten, das wir von einem Antiquariat in Holland erwerben konnten. Aber so etwas ist selten.

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