SELBSTVERSUCH: In zwölf Tagen um die Welt

Der St. Galler Journalist Michael Hug will einmal um den Globus fliegen – und das für nur 1248 Franken. Dafür wird er 55 Stunden in einem Economy-Sitz verbringen.

Christina Klein
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Christina Klein

christina.klein@tagblatt.ch

Vor 50 Jahren kostete ein Flug von Zürich nach New York noch mehrere tausend Franken. In den vergangenen Jahren ist das einst teure Vergnügen spottbillig geworden. Wer kurz über den grossen Teich jetten will, muss dafür nur noch ein paar hundert Franken bezahlen. Der freischaffende Journalist und Autor Michael Hug will in zwölf Tagen um die ganze Welt reisen – für lediglich 1248 Franken. Darüber wird er ab 19. Februar täglich auf seinem Blog <%LINK auto="true" href="http://www.grippedbag.ch" text="www.grippedbag.ch" class="more"%> berichten. Mit zehn Flügen will der Degersheimer rund 40000 Kilometer in der Luft zurücklegen. Start-und Endpunkt der Reise wird Zürich sein. Zuerst geht es von der Schweiz über Russland und Südostasien nach Australien. Von dort aus fliegt er weiter nach Hawaii, Kanada, in die USA und auf die Azoren. Einen letzten Zwischenstop will der Journalist in Portugals Hauptstadt Lissabon einlegen. Gemäss Hug kann man die Erde sogar noch schneller umrunden: Mit weniger Zwischenstops und kürzeren Aufenthalten wäre es auch in neun Tagen machbar. «Ich will aber nicht auf jeden Komfort verzichten und habe etwas Erholungszeit auf Hawaii eingebaut», sagt Hug.

«Ich bin kein verrückter Rebell»

Wer so billig fliegt, kann keinen Luxus erwarten. So darf Hug auf die zwölftägige Reise nicht mehr als einen Handgepäckkoffer mitnehmen. Zudem wird er im Flugzeug ohne Board-Unterhaltung und Inklusiv-Mahlzeiten auskommen müssen. Fünf der elf Nächte verbringt der Autor im Economy-Sitz, 55 Stunden hält er sich insgesamt in Flugzeugen auf.

«Es ist auch ein Versuch aufzuzeigen, wie unwirklich billig das Fliegen geworden ist», sagt Hug. Inspiration für die Idee hat der ehemalige Automationsfachmann im Maschinenbau auf Facebook gefunden. In einem Reiseblog versuchte jemand herauszufinden, wie billig um die Welt geflogen werden kann. Der Journalist wollte das Vorhaben in die Praxis umsetzen.

Mit dem Selbstversuch wolle Hug nicht unbedingt die Umweltbelastung kritisieren. «Ich bin kein verrückter Rebell.» Hauptsächlich freue er sich, in seinem Blog und seinen Büchern über die Reise zu berichten. Die günstigen Flugpreise erachte er trotzdem als grosses Problem. Alternativen zum Fliegen würde er allerdings keine sehen. Gewisse Strecken könne man schliesslich nur mit dem Flugzeug zurücklegen. «Würde man aus Prinzip nicht mehr fliegen, dürfte eigentlich auch nicht mehr Auto gefahren werden», sagt Hug. Trotzdem solle natürlich nicht unnötig herumgeflogen werden.

Mit 41 Jahren den Beruf gewechselt

Michael Hug ist seit 17 Jahren freischaffender Journalist für Kultur und Reisen. Zuvor war er im Maschinenbau tätig, wofür er häufig reisen musste. Mit 41 Jahren gab er seinen alten Beruf schliesslich auf. «Jetzt kann ich selbst bestimmen, wohin und wie lange ich verreisen möchte.» Heute ist er rund drei Monate im Jahr auf Reisen. Dabei schreibt er Tagebuch, welches er auf seinem Blog veröffentlicht. «Auf meinen Reisen kommt viel mehr zusammen, als ich veröffentlichen kann. Deshalb habe ich begonnen, meine Eindrücke in Büchern zu verarbeiten», sagte er im vergangenen Jahr gegenüber unserer Zeitung. Drei seiner Reisereportagen hat Hug bereits zu Büchern verarbeitet. Im Jahr 2008 gewann er mit einer Reisereportage von Schottland den Ostschweizer Medienpreis. Sein nächstes Buch soll 2018 veröffentlicht werden – ein Kapitel widmet er der Weltumrundung.