SELBSTVERSUCH: «Ich kann zum Denken anregen»

Michael Hug ist in zwölf Tagen um die Welt gereist – für nur 1248 Franken. Am Wochenende ist der Journalist und Blogger nach Degersheim zurückgekehrt.

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Interview: Christina Klein

Michael Hug, Sie haben über 40 000 Kilometer zurückgelegt. Sind Sie froh, wieder hier zu sein?

Ich bin immer froh, weg zu sein, aber auch happy, wenn ich heimkomme.

Wie war die Reise?

Ziemlich eindrücklich, am Ende etwas streng, aber nie langweilig.

Was war der Höhepunkt, was der Tiefpunkt?

Die Höhepunkte waren, wenn etwas Überraschendes eintrat. Aber auch dann, wenn ich aus dem Flughafen kam und versuchen musste, den Ort irgendwie zu fassen. Wie komme ich zum Hotel? Wo bekomme ich was Gutes zu essen? Ein Höhepunkt war sicher der Ausblick aus dem Hotel in Sydney. Einen richtigen Tiefpunkt gab es nicht.

Ist alles gelaufen wie geplant?

Grosso modo: Ja. Zwei Fehler habe ich gemacht. Ich habe den Datumssprung übersehen und musste ein Hotel nachbuchen. Und ich habe die Menus auf zwei Flügen verwechselt und bekam darum am späten Abend über Malaysia ein Frühstück statt einen Znacht. Jeder fünfte Flug hatte ein technisches Problem. Eine Verspätung war derart massiv, dass ich in Toronto den Anschluss verpasste. Die Airline hat mir den Weiterflug besorgt, und ab da ging wieder alles glatt.

Womit haben Sie sich im Flugzeug die Zeit vertrieben?

Ich habe ungefähr 55 Stunden im Flugzeug und 25 Stunden in Warteräumen auf den Flughäfen verbracht. In dieser Zeit schrieb, las, ass, beobachtete und diskutierte ich oder hing einfach rum. Auf den Flügen verbrachte ich die Zeit hauptsächlich mit dem Versuch zu schlafen. Es blieb aber bei den Versuchen.

Haben Sie jetzt das Bedürfnis, sich zu bewegen?

In erster Line hatte ich das Bedürfnis zu schlafen. Die eingeschränkte Bewegung auf Flügen ist kein Problem für mich. Bewegen konnte ich mich auf Erkundungen in Bangkok, Honolulu und auf den Azoren. Schon eher ein Problem sind die Schmerzen im Hintern.

Sie haben alles auf Ihrem Blog dokumentiert. Wie haben die Leser auf Ihre Reise reagiert?

Einige Leute haben mit Mails reagiert. Es kam nur Freude und Lob für die «spannenden Blogs». Seit ich wieder da bin, sprechen mich Bekannte und Unbekannte darauf an. Es gibt dabei auch kritische Diskussionen.

Die Reise war für 1248 Franken spottbillig. Sie haben im Vorfeld gesagt, dass Sie zeigen wollten, wie billig das umweltschädliche Fliegen ist. Haben Sie das mit der Aktion nicht erst recht unterstützt?

Wenn ich etwas aufzeigen will, muss ich es gemacht haben. Es kommen Aspekte und Fakten dazu, die ich in der Theorie niemals erfahren würde. Ich habe öfters gehört: «Das würde ich nie machen, wäre mir zu anstrengend.» Aber der Mensch fliegt trotzdem, wenn er es für wichtig hält. Ich kann aufzeigen, dass es noch viel billiger ist, als man sich vorstellt. Ich kann zum Denken anregen.

Wollen Sie in nächster Zeit wieder verreisen oder haben Sie erst einmal genug davon?

Ich werde nie genug vom Reisen haben. Das Jahr ist schon verplant. In drei Wochen mache ich meine jährliche Schreib-Retraite auf Malta, im Mai fliege ich nach Montenegro, im August fahre ich mit einem Frachtschiff nach Manaus, im September mit einem Schiff auf der Donau, auf dem nur Jodler sind, und im Oktober möchte ich nach Eritrea oder Mozambique. Das Spannendste daraus kommt in mein neues Buch.