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SELBSTANZEIGEN: Steuertrickser spülen Kanton St.Gallen Mehreinnahmen in die Kasse

Im Kanton St.Gallen haben sich im vergangenen Jahr knapp 1300 Steuersünder selbst angezeigt und 307 Millionen Franken Schwarzgeld offengelegt. Mehr als die Hälfte dieser Vermögen liegt im Fürstentum – das sind über hundert Millionen mehr als im Vorjahr.
Adrian Vögele
Geheime Konten in Vaduz und Umgebung: 178 Millionen Franken Schwarzgeld in Liechtenstein haben St.Galler im vergangenen Jahr dem Steueramt gemeldet. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Geheime Konten in Vaduz und Umgebung: 178 Millionen Franken Schwarzgeld in Liechtenstein haben St.Galler im vergangenen Jahr dem Steueramt gemeldet. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Nächstes Jahr tauscht die Schweiz erstmals Finanzdaten mit dem Fürstentum Liechtenstein aus. Das zeigt Wirkung im Kanton St.Gallen. Die Summe der Vermögen im Fürstentum, die St.Gallerinnen und St.Galler beim Steueramt offenlegen, steigt enorm. Im Jahr 2016 kamen durch die straflosen Selbstanzeigen 238 Millionen Franken Schwarzgeld ans Licht; davon lagen 72 Millionen Franken in Liechtenstein. Im vergangenen Jahr nun waren es 307 Millionen Franken, davon 178 Millionen Franken im Fürstentum. Damit befinden sich 58 Prozent der hinterzogenen Vermögen, die 2017 im Kanton offengelegt wurden, im Kleinstaat ennet des Rheins. Es geht dabei nicht nur um Liechtensteiner Banken und Vermögensverwaltungen: «Ein recht grosser Teil der Vermögen im Fürstentum liegt in Stiftungen», sagte Felix Sager, Leiter des Steueramts des Kantons St.Gallen – 51 Millionen sind es. Das allein ist fast so viel wie die Summe des offengelegten St.Galler Schwarzgelds im übrigen Ausland (57 Millionen), die wegen des Automatischen Informationsaustauschs ebenfalls stark zugenommen hat. Der Rest der 307 Millionen wurde innerhalb der Schweiz hinterzogen.

Die Zahl der Selbstanzeigen in St.Gallen hat sich mehr als verdoppelt – von 538 im Jahr 2016 auf 1295 im Jahr 2017. «Im vergangenen Dezember wurden wir regelrecht überschwemmt», sagt Sager – innerhalb des Monats seien über 170 Selbstanzeigen eingegangen. Viele St.Galler hätten das offenbar vor Jahresende noch in Ordnung bringen wollen. Jetzt im Januar seien bereits wieder
69 Selbstanzeigen eingegangen.


11 Millionen Franken mehr Steuereinnahmen

In den meisten der 1295 Fälle aus dem vergangenen Jahr handelt es sich laut Steueramt um «kleinere bis mittelgrosse» Schwarzgeldbeträge unter einer Million Franken. Bei 41 Selbstanzeigen wurden Beträge zwischen einer und fünf Millionen offengelegt. Um noch höhere Summen ging es nur in sieben Fällen. Der höchste Betrag war ein Vermögen von 34 Millionen Franken. Kanton und Gemeinden nehmen dank der Selbstanzeigen 11 Millionen Franken mehr Steuern ein.

Der Automatische Informationsaustausch mit den 28 EU-Staaten sowie weiteren Ländern wie Norwegen, Australien oder Kanada ist seit 2017 in Kraft – doch der Start in der Praxis steht noch bevor. Das St.Galler Steueramt erwartet die ersten Datenlieferungen nicht vor Mitte Jahr. Wann die Informationen tatsächlich eintreffen und wie sie im Detail aussehen, wisse man allerdings noch nicht, sagt Felix Sager. «Ich bin gespannt auf die Qualität der Daten.» Notwendige Informationen seien Name, Adresse und Kontoangaben. Im nächsten Jahr beginnt dann der Datenaustausch mit einer Reihe weiterer Staaten, nebst dem Fürstentum Liechtenstein sind dies beispielsweise Brasilien, Argentinien, Russland und China.


Eineinhalb Jahre Bearbeitungszeit

Die straflose Selbstanzeige ist nur möglich, solange noch keine Steuerbehörde von der Hinterziehung weiss. «Wir empfehlen darum Personen, die Schwarzgeld besitzen, sich möglichst bald zu melden», sagt Felix Sager. Der Leiter des Steueramts rechnet damit, dass die Zunahme der Selbstanzeigen sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird.

Den Ansturm zu bewältigen ist für das Steueramt eine Herausforderung. Früher dauerte es etwa ein halbes Jahr, bis ein Fall bearbeitet und die Selbstanzeige abgehakt war. Heute sind es etwa eineinhalb Jahre. «Wir haben Verständnis dafür, dass die Betroffenen die Sache möglichst schnell erledigt haben wollen», sagt Sager. Zugleich aber wolle das Amt keine Abstriche bei der Arbeit für die ehrlichen Steuerzahler machen.

Ausserrhoden hat ähnlich viele Fälle wie der Thurgau

Vergleich  Im Kanton Thurgau haben sich im vergangenen Jahr 238 Steuersünder selbst angezeigt. Im Vorjahr waren es 162 gewesen. Die Thurgauer legten 2017 total 94 Millionen Franken Schwarzgeld offen. Ähnlich viele Selbstanzeigen wie im Thurgau gingen im Kanton Appenzell Ausserrhoden ein – 220 insgesamt. Das ist im Vergleich mit den Vorjahren eine Vervierfachung, wie Jacques Oberli, Leiter der Steuerverwaltung, sagt. Wie hoch die Summe der hinterzogenen Vermögen ist, kann er noch nicht sagen. «Wir müssen die Informationen erst auswerten.» Die Steuerverwaltung sei überflutet worden mit Selbstanzeigen. Oberli geht davon aus, dass sich der Anstieg noch ein, zwei Jahre fortsetzen wird. «Der Automatische Informationsaustausch beginnt ja erst.»

Keine Auskunft zu den straflosen Selbstanzeigen gibt der Kanton Appenzell Innerrhoden. «In unseren engräumigen Verhältnissen wären sonst Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich», teilt die Steuerverwaltung mit. Das widerspräche dem Steuergeheimnis. (av)

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