Selbstanzeige – oder ab in den Tresor?

Auswege Im Gegensatz zu allen anderen ausserhalb Liechtensteins wohnhaften Ausländern haben die Schweizer den Vorteil, dass sie legal mit viel Geld in der Tasche von Liechtenstein in die Schweiz oder umgekehrt reisen dürfen.

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Auswege Im Gegensatz zu allen anderen ausserhalb Liechtensteins wohnhaften Ausländern haben die Schweizer den Vorteil, dass sie legal mit viel Geld in der Tasche von Liechtenstein in die Schweiz oder umgekehrt reisen dürfen. Will nun ein Schweizer Bankkunde auf sein in Liechtenstein deponiertes Geld – egal ob versteuert oder nicht – bar zugreifen, ist das heute nicht mehr so einfach. Denn Bartransaktionen sind laut einem Schreiben des Bankenverbandes Liechtenstein von 2015 «potenziell geeignet, Steuerhinterziehung, Steuerbetrug oder andere Steuerdelikte zu fördern». Grosse Barausgänge werden daher entsprechend restriktiv gehandhabt.

Beträge von mehr als 100 000 Franken sind nur zugelassen, wenn die Hintergründe der Transaktion, der Verwendungszweck sowie die «Sinnhaftigkeit des Barausgangs mit dem Geschäftsprofil des Kunden» übereinstimmen. Es liegt also am Kunden, dem Bankangestellten in Vaduz klarzumachen, dass die Barauszahlung nötig oder zweckmässig ist und dass damit kein Steuerdelikt begangen oder fortgeführt wird.

Liechtenstein wäre nicht Liechtenstein, wenn es in dieser Situation nicht bereits ein neues Geschäftsmodell entdeckt hätte. Seit ein paar Monaten erfreuen sich dort Tresors und Schliessfächer einer grossen Nachfrage. «Insider berichten davon, dass private Tresorgebäude, Schliessfächer und Edelmetalllager von einigen Treuhändern dazu genutzt werden, um Gelder am Fiskus vorbeizuschleusen», war vor zwei Wochen im «Liechtensteiner Vaterland» zu lesen. In manchen Fällen sei es gängige Praxis geworden, so den automatischen Informationsaustausch zu umgehen. Wie viele Tausendernoten, Goldbarren und andere Vermögenswerte tief unten in Liechtensteiner Kellern schlummern, das weiss jeweils nur der Mieter eines Tresorfachs. Und dieses hinterlässt keine digitalen Spuren.

Vielleicht schlägt auch der Handwerker aus dem Toggenburg bald den Weg in den Tresor ein. Oder aber er bleibt ruhig und wartet die politische Entwicklung ab. Ein dritter Weg wäre die Selbstdeklaration beim kantonalen Steueramt. Dabei ginge er straffrei aus, müsste allerdings die ordentlichen Nachsteuern und Zinsen für höchstens zehn Jahre bezahlen. Seit Einführung der straflosen Selbstanzeige vor sechs Jahren wurden so im Kanton St. Gallen kumuliert gut 1,3 Milliarden Franken bisher nicht versteuerte Vermögenswerte angezeigt. (M. R.)