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Interview

Christoph Möhl über Mostindien und das Beste aus dem Apfel.

In der Mosterei Möhl in Arbon ist bereits die fünfte Generation am Werk. Christoph Möhl spricht im Interview über Herausforderungen im Familienunternehmen, das viel beachtete Museum und ein Geheimprojekt im Jubiläumsjahr 2020.
Bruno Scheible, Christoph Sulser
Christoph Möhl in der Mosterei vor Fässern aus Eichenholz. (Bild: Urs Bucher)

Christoph Möhl in der Mosterei vor Fässern aus Eichenholz. (Bild: Urs Bucher)

Wer aus der Familie Möhl stammt, muss mit Süssmost aufgewachsen sein…

Christoph Möhl: Das ist so. Zu Hause gab’s Süssmost und Wasser. Wir tranken Steinkrügler Most, eine alte Marke, die wir heute noch im Sortiment haben.

Haben Sie in Ihrer Kindheit «Versteckis» hinter dem Mostfass gespielt?

Das frühere Restaurant Rössli, das Ursprungshaus der Mosterei Möhl, war mein Spielplatz. Gabelstapler- und Sackwagenrennen zählten zur Wochenendaktivität. Aber auch das Arbeiten gehörte dazu. Ich habe Flaschen sortiert und verdiente so mein Sackgeld in der Firma.

Sie sind heute im Betrieb verantwortlich für Marketing und Produktinnovation. Ihr Vater Ernst Möhl, über Jahrzehnte Firmenpatron, ist Verwaltungsratspräsident . Geht das zusammen – Jung und Alt?

Es ist eine Herausforderung. Wir diskutieren, streiten auch manchmal, und das ist gut so.

«Als Jungunternehmer in einer bestehenden Firma muss man gelegentlich den Kopf anschlagen. »

Das macht es auch spannend, Grenzen auszuloten und etwas auszuprobieren. Wichtig ist dabei aber immer, dass man den Markt spürt und die richtigen Konzepte entwickelt.

Was fasziniert Sie am Familienunternehmen?

Unsere Geschichte, unsere Marke, die Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden: Das ist eine schöne Aufgabe, die Freude macht und anspornt.

Im Laufe der Zeit sind die allermeisten Mostereien verschwunden. Wie konnte Möhl überleben und wachsen?

Was mein Vater und mein Onkel, Markus Möhl, all die Jahre gemacht haben, war höchst erfolgreich. Der Schlüssel zum Erfolg war sicherlich, dass wir so gute Marken wie Saft vom Fass, Shorley oder Swizly lancierten.

Die Mosterei Möhl bringt immer wieder neue Cider-Kreationen auf den Markt. (Bild: Donato Caspari)

Die Mosterei Möhl bringt immer wieder neue Cider-Kreationen auf den Markt. (Bild: Donato Caspari)

Wo sehen Sie Möhl in fünf Jahren?

Als nach wie vor innovativen Getränkehersteller, der das Beste aus dem Öpfel macht. Wir betreiben aus Leidenschaft ein gutes Handwerk und die Regionalität ist bei uns in jedem Produkt der Kern. Sicher müssen wir uns auch Gedanken machen, wie wir uns neu erfinden können – mit neuen Produkten, die dem Konsumtrend entsprechen.

Was haben Sie in der Pipeline?

Das sage ich nicht. Ich hoffe auf einen grossen Wurf im nächsten Jahr. Das neue Produkt wollen wir anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums unseres Unternehmens vorstellen.

Möhl erhielt diesen Sommer an der internationalen Apfelweinmesse in Frankfurt für Cider- Kreationen eine Gold- und Silbermedaille. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen?

Ich muss vorausschicken, dass ich einige Male in den USA war. Dort trat ich dem Cider-Verband bei, um zuzuhören und zu lernen. Doch eigentlich machen wir Cider bei uns seit 1895. Denn Cider heisst einfach Apfelwein oder in unserem Fall Saft vom Fass. Wir haben in der Zwischenzeit neue Produkte lanciert. Die Auszeichnungen haben uns zwar gefreut, aber wir haben nicht herumgeprahlt. Wichtig ist für uns zu sehen, dass wir mithalten, vorne mit dabei sein können.

Wer sind die grössten Abnehmer Ihrer Produkte?

Wir machen über 60 Prozent unseres Umsatzes in der Gastronomie – über regionale Getränkehändler in der ganzen Schweiz. Das macht uns stolz. Wir glauben auch daran, dass jedes unserer Produkte in der Gastronomie seine eigene, besondere Marke erhalten hat. Es sind nicht irgendwelche Scheinwelten mittels Marketingkampagnen transportiert worden. Deshalb sind unsere Marken auch so verwurzelt.

Das MoMö, das Schweizer Mosterei- und Brennerei­museum, ist vor einem Jahr eröffnet worden. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Wir sind happy über die Entwicklung. Zum jetzigen Zeitpunkt verzeichnen wir insgesamt gut 30000 Besucher. Davon entfallen auf Betriebsführungen rund 9000 Besucher.

Gut 300 Bauern liefern ihr Obst direkt bei der Mosterei Möhl ab. (Bild: Urs Bucher)

Gut 300 Bauern liefern ihr Obst direkt bei der Mosterei Möhl ab. (Bild: Urs Bucher)

Regierungsrat Jakob Stark sagte bei der Eröffnung, das Museum sei eine Perle für Arbon und den Thurgau.

Das Museum soll ein Leuchtturm sein und die Geschichte des Obstes im Thurgau wieder hervorholen. Das Wort Mostindien kommt ja nicht von ungefähr. Auf dieses Wort sollten wir noch etwas stolzer sein und ein wenig mehr danach leben, denn das ist unsere Kultur.

«Statt Oktoberfeste zu kopieren, könnten wir doch in jedem Dorf ein Mostfest haben… »

Jetzt ist Erntezeit! Wie viel Obst wird verarbeitet?

Im Schnitt verarbeiten wir 25000 Tonnen Äpfel pro Jahr. Gut 300 Bauern liefern ihr Obst direkt bei uns an. Und nochmals so viele liefern an verschiedene Sammelstellen in der Region. Von dort gelangt das Obst dann zu uns. Es herrscht in den nächsten Wochen jedenfalls Hochbetrieb – während jeweils sieben Tagen und vierundzwanzig Stunden.

Was trinken Sie heute?

Zum Zmittag einen Saft ohne Alkohol. Am Abend trinke ich einen Cider – unseren Dry Hopped Apple Cider, den wir diesen Sommer lanciert haben und der entgegen dem allgemeinen Trend Alkohol enthält. Bei unseren Kunden kommt er gut an.

Familienunternehmen

Der 37-jährige Christoph Möhl ist gelernter Weintechnologe. Während sieben Jahren arbeitete er im internationalen Spirituosenkonzern Pernod Ricard. In fünfter Generation ist er heute in der Mosterei Möhl tätig, verantwortlich für Marketing und Produktinnovation. Sein Cousin Georges Möhl ist Leiter der Produktion. Roman Sutter ist Finanz- und Personalleiter und Verkaufsleiter Michael Arto ist seit April Vorsitzender der Geschäftsleitung. Verwaltungsratspräsident ist Ernst Möhl. Das Familienunternehmen zählt 85 Mitarbeiter und kann nächstes Jahr sein 125-Jahr-Jubiläum feiern.

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