Seit einem halben Jahr fliegt die AP3 Flugrettung aus Liechtenstein Einsätze in der Ostschweiz

Zwischen Konkurrenz und Kooperation: Die Rega arbeitet mit der neuen Flugrettung zusammen.

David Grob
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Der Helikopter «Christoph Liechtenstein» der AP3 im Einsatz. (Bild: PD)

Der Helikopter «Christoph Liechtenstein» der AP3 im Einsatz. (Bild: PD)

Der Platzhirsch hat Konkurrenz in seinem Revier bekommen: Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega ist nicht mehr die einzige Luftrettung in der Ostschweiz. Denn seit Januar fliegt die AP3 Luftrettung Einsätze vom liechtensteinischen Balzers aus.

Zwischen der Rega und der AP3 Luftrettung besteht allerdings eine Kooperation. Seit Dezember führen die beiden bis Ende Jahr einen Pilotversuch durch. Der Rettungshelikopter der AP3 wird auch von der Rega-Einsatzzentrale aufgeboten und während des Einsatzes geführt und unterstützt. Mathias Gehrig, Mediensprecher der Rega, sagt:

«Unsere Einsatzzentrale stellt die Koordination der Hubschrauber beider Rettungsorganisationen untereinander sicher.»

Dieses Modell habe sich in den letzten Monaten bereits bewährt. Auch die AP3 Luftrettung ist mit der Zusammenarbeit zufrieden. «Die bisherigen Erfahrung des Pilotversuchs sind positiv», sagt die Mediensprecherin, Petra Seeburger. Eine Auswertung erfolge zum Jahresende.

Der nächste Helikopter übernimmt den Einsatz

Wie werden die Einsätze genau vergeben? Beide Rettungsorganisationen sind teil der Rettungskette, die aus Polizei, Feuerwehr oder eben Rettungsorganisationen besteht. Kommt man nun in eine Notfallsituation und wählt die Nummer 144, so gelangt man zur nächsten kantonalen oder regionalen Notrufzentrale. Gemäss Angaben beider Luftrettungen greift bei einem Notfall das Next-Best-Prinzip: Es wird also jene Luftrettung aufgeboten, die am schnellsten vor Ort ist. So kann die AP3 Luftrettung einerseits von der regionalen Notrufzentrale aufgeboten werden, aber auch – im Pilotprojekt – von der Rega-Einsatzzentrale.

Im Kanton St. Gallen ändert sich aber nur wenig. «Ist der Einsatz eines Rettungshelikopters nötig, so bestellt die kantonale Notrufzentrale den Helikopter immer über die Rega», sagt Philipp Lutz, Mediensprecher der Rettung St. Gallen. Deshalb habe sich für die Notrufzentrale des Kantons durch das neue Angebot durch die AP3 nicht viel verändert.

Auch in Zahlen zeigt sich: die Rega bleibt der Platzhirsch in der Ostschweiz. Von den zwei Ostschweizer Standorten St. Gallen und Mollis, die auch die Kantone St. Gallen und beider Appenzell abdecken, flog die Rega bis Ende Juni 806 Einsätze. Dem stehen 148 Einsätze der AP3 Luftrettung in den Kantonen St. Gallen und beider Appenzell gegenüber. Rega-Mediensprecher Gehrig sagt: «Wir haben bisher keine Hinweise, dass die Rega in der Ostschweiz weniger unterwegs ist.»

Neue Helikopter tauchen am Schweizer Rettungshimmel auf

Es ist kein Ostschweizer Einzelfall, dass neue Rettungsorganisationen auftauchen und an der Vormachtstellung der Rega rütteln. Seit Juli 2018 retten im Kanton Zürich nebst der Rega auch die Alpine Air Ambulance (AAA) und die deutsche DRF Luftrettung. Und im Kanton Aargau versuchte die Rega Ende 2018 gemäss der «Aargauer Zeitung» zu erwirken, den Helikopter der AAA selbst aufbieten zu können – also just das Modell, das die Rega und die AP3 nun mit dem Pilotprojekt in der Ostschweiz praktizieren. Die AAA ging nicht auf das Angebot ein.

Bei der AP3 Luftrettung in Balzers handelt es sich um eine Gesellschaft, die gemeinsam durch die AAA, die deutsche DRF Luftrettung und die österreichische ARA Flugrettung gegründet wurde. Nach Eigenangaben wollen die drei Rettungsorganisationen damit die «grenzüberschreitende Luftrettung in der Alpinregion besser gestalten».

Problem: Wer bezahlt?

Doch mit den verschiedenen Rettungsorganisation entstehen auch Probleme: Wer bezahlt die Rettungskosten? Die Rega erlässt ihren Gönnern üblicherweise die Kosten. 2018 unterstützten rund 3,4 Millionen Schweizer die roten Helikopter. «Wenn die Einsatzzentrale der Rega den AP3-Helikopter aus Balzers im Einsatz führt und unterstützt, kann sie ihren Gönnern allfällige ungedeckte Rettungskosten erlassen», sagt Gehrig.

Finanzielle Probleme könnten allenfalls dann entstehen, wenn der AP3-Helikopter nicht durch die Rega geführt wird, dieser aber einen Rega-Gönner rettet. Vor einem Jahr kam es im Kanton Aargau zu einem solchen Fall. Ein junger Mann brach zusammen und verstarb. Für den Einsatz des Helikopters wurde den Eltern die Hälfte der Kosten, 1500 Franken, verrechnet, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Die Eltern sind enttäuscht, war ihr Sohn doch Rega-Gönner. Im Einsatz stand aber kein Rega-Helikopter, sondern einer der AAA. Die Rega hat die Kosten deshalb nicht übernommen. Der Grund: Die Rega ist keine Versicherung, sondern eine Stiftung, die ihren Gönnern als Dank die Rettungskosten erlässt.