Sein eigener Herr und Meister

Immer weniger junge Menschen wollen Bauern werden. Raphael Popp wollte das schon als Kind. Vor kurzem hat er den elterlichen Hof im st. gallischen Berg übernommen. Sorgen machen ihm die Milchpreise. Nicht aber die Brautschau.

Janina Gehrig
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Blickt trotz schwerer Bedingungen hoffnungsvoll in die Zukunft: Junglandwirt Raphael Popp zwischen den Apfelbäumen auf seinem Hof in Berg SG. (Bild: Luca Linder)

Blickt trotz schwerer Bedingungen hoffnungsvoll in die Zukunft: Junglandwirt Raphael Popp zwischen den Apfelbäumen auf seinem Hof in Berg SG. (Bild: Luca Linder)

BERG SG. Als Kind hat er jeweils, wenn er von der Schule nach Hause kam, den Thek in eine Ecke geschmissen und ist in den Stall gerannt. Zu seinem Vater und den kauenden Kühen. Zum Bauernhof in Berg führt ein Kiesweg, gesäumt von Apfel-, Birn- und Kirschbäumen, vorbei an Hunden, die vor den Hauseingängen ruhen. Hier ist Raphael Popp aufgewachsen. Hier möchte er alt werden.

Appenzellerkäse und Apfelsaft

«Die Arbeit macht Freude und ist abwechslungsreich», sagt er. «Ich bin mein eigener Herr und Meister.» Der Junglandwirt steckt mitten in seiner Meisterprüfung. Eine Lehre als Landmaschinenmechaniker und Bauer hat der 25-Jährige bereits abgeschlossen. Ebenso die Betriebsleiterschule. Dieses Jahr hat er den Hof seiner Eltern übernommen. Die vierzehneinhalb Hektaren Land hat bereits sein Ururgrossvater bestellt. Neben den Obstbäumen gehören 21 Kühe zum Hof, die täglich 380 Liter Milch geben. «Daraus wird Appenzellerkäse», sagt Popp stolz. Dass er einmal Bauer werde, sei schon immer klar gewesen. «Mein Bruder ist Schreiner geworden, meine Schwester Lehrerin.» Sein Vater, der jetzt bei ihm angestellt ist, sei froh, dass die Familientradition weitergeführt werde. «Obwohl es finanziell mehr rentiert hätte, wenn er den Hof verkauft hätte», sagt Popp.

Was früher ein Familienbetrieb war, gelte heute als Unternehmen. Dieses erfolgreich zu führen, sei das Schönste und das Schwierigste zugleich. «Man arbeitet den ganzen Tag und es schaut immer weniger heraus», sagt Popp, der mit einem Jahreseinkommen von 30 000 Franken rechnet. Ein Problem seien die schwankenden Milch- und Obstpreise. Immer mehr Leute kaufen ennet der Grenze ein. Im Ausland sind die Landwirtschaftsprodukte günstiger. «Dabei geht vergessen, dass eine eigene Lebensmittelproduktion wichtig ist für das Land. Die Schweiz kann sich mit ihrer Qualität behaupten.»

Zusatzverdienst als Mechaniker

In der Ausbildung sei das «Bauernsterben» ein grosses Thema gewesen. Zwölf Schüler zählte seine Klasse. Er kenne einige Landwirte, die ihren Betrieb schliessen mussten, weil deren Kinder kein Interesse am «bauern» gehabt hätten. Um zu überleben, böten einige Betriebe «Ferien auf dem Bauernhof» an . Auch Popp ist auf einen Zusatzverdienst angewiesen. «Ich arbeite zu 30 Prozent als Mechaniker in einer Werkstatt.»

Sein Arbeitstag auf dem Hof beginnt um fünf Uhr morgens und endet abends um halb acht: Melken, Misten, Ernten, die Obstanlage pflegen, Maschinen reparieren, die Tiere füttern. Bleibt da die Zeit für Hobbies? Popp nickt. «Ich bin im Turnverein und bei der Milizfeuerwehr.» Als Hobby bezeichnet er auch die zwei Ziegen und die Bienen. Er gehe auch regelmässig aus. An Dorffeste oder Grümpelturniere. Zu seinen Freunde gehörten nicht nur Bauern, sondern auch «Schmierler, Stromer und Bürogummis».

Das Image des Bauern leide nicht nur durch die schwierigen Arbeitsbedingungen, sondern auch durch Sendungen wie «Bauer, ledig, sucht». Dabei sei es nicht schwierig gewesen, eine Freundin zu finden. «Sie muss vielleicht mehr akzeptieren als Bauersfrau. Morgens in der Früh verlasse ich das Bett», sagt Popp und lacht. Seine Freundin könne sich vorstellen, mit ihm den Hof zu teilen. Allerdings fände er es schade, wenn sie ihre Arbeit als Primarlehrerin für ihn an den Nagel hängen würde. «Sie soll schliesslich nicht mein Knecht sein», fügt er hinzu.

An Ferien denkt Popp dieses Jahr nicht. Dafür sei die Arbeit auf dem Hof manchmal wie Ferien. «Letztes Jahr war ich erstmals am Meer in Südfrankreich.» Mehr als das Meer hat den Landwirt aber die Landschaft begeistert. «Die Felder sind dort so topfeben, da kommt einem das Augenwasser.»