Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kolumne

Wie sieht künftig die Aufsicht über die Berufsfachschulen im Kanton St.Gallen aus?

Der St.Galler Kantonsrat will die Aufsicht und Führung über die neun Berufsschulen neu regeln. Über die Art der Umsetzung ist ein Streit entbrannt. Die Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen.
Christoph Zweili
Eine von neun Berufsschulen im Kanton: Das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Eine von neun Berufsschulen im Kanton: Das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Warum kommt es zur Volksabstimmung über den 5. Nachtrag zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung?

Am 25. November steht die Volksabstimmung über eine Reform der Führung und Aufsicht über die neun Berufsschulen bevor, an denen rund 20000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Das Kantonsparlament diskutierte verschiedene Reformmodelle und hiess in der Schlussabstimmung vom 13. Juni die von der Regierung favorisierte Variante mit 60 zu 50 Stimmen bei 10 Abwesenheiten gut. Die Fraktionen CVP/GLP und SP/Grüne hatten sich in der Ratsdebatte für andere Lösungsvarianten eingesetzt und ergriffen nach der Schlussabstimmung das Ratsreferendum, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Was war der Auslöser für die Reform?

Die St. Galler Berufsfachschulen wurden früher durch Berufsverbände oder Gemeinden getragen, bis im Jahr 2002 der Kanton ihre Trägerschaft übernahm. Für jede Berufsfachschule besteht traditionell eine Berufsfachschulkommission – vor der Kantonalisierung die obersten Führungsorgane mit umfassender Zuständigkeit. In der Folge sind in der neuen Organisation Schwachstellen aufgetreten. Der Kantonsrat hat daher auf Antrag der Finanzkommission im Jahr 2013 der Regierung den Auftrag gegeben, diese Schwachstellen zu überprüfen. Unter Beizug von externen Experten wurden die Mängel identifiziert: Die Kantonalisierung wurde nicht mit letzter Konsequenz durchgeführt; fehlende Durchsetzungskompetenz des Amtes für Berufsbildung; fehlende Führung und Steuerung der Berufsfachschulen aus einer Hand; fehlendes durchgehendes und abgestimmtes Führungssystem; fehlende Regelungen und Instruktionen bezüglich der Berufsfachschulkommissionen.

Sechs Modelle wurden eingebracht: Welches war das rigoroseste?

Das konsequenteste hätte den Milizgedanken als Abbild der betrieblichen Berufsbildung preisgegeben und die Berufsfachschulkommissionen abgeschafft: Wie bei den Mittelschulen wären die Berufsschulen nur noch vom Amt für Berufsbildung geführt worden. Andere Modelle wollten die Berufsfachschulkommissionen durch Beiräte ersetzen, das Amt für Berufsbildung auf eine Stabsstelle reduzieren oder die Berufsfachschulkommissionen durch die kantonal gewählten Rektoren oder Rektorinnen führen lassen.

Abgestimmt wird am 25. November über einen Vorschlag, der die Berufsfachschulkommissionen beibehält und ihnen klare Befugnisse zuweist. Er fand im Parlament die Mehrheit.

Welche Rolle kommt den Kommissionen künftig noch zu?

Mit dem neuen Modell werden die Kommissionen zuständig für die Rechtsetzung (zum Beispiel Schulreglemente), die Qualitäts- und Organisationsentwicklung, die Höhere Berufsbildung und Weiterbildung sowie die Anstellung der Schulleitungsmitglieder, der Lehrpersonen und des Verwaltungs- und Dienstpersonals. Nur noch ein Antragsrecht beim Amt für Berufsbildung oder dem Bildungsdepartement besteht bei Annahme der Vorlage künftig bei der Lohneinstufung des Personals, der Wahl ihrer Mitglieder und der Schulkader (Rektorin oder Rektor, Verwaltungsleitung).

Welche Nachteile sieht die Regierung bei einer Ablehnung?

Wird die Reform abgelehnt, besteht laut Regierung die unklare Zuständigkeit der Berufsfachschulkommissionen und des Amtes für Berufsbildung weiter. Und die Kantonalisierung der Berufsfachschulen bliebe unvollendet.

Und wie argumentieren die Gegner?

Die CVP sieht mit der neuen Aufsicht über die Berufsschulen – «der Sauerstoff der Wirtschaft» – das bewährte duale Bildungssystem gefährdet. Die Reform sei eine völlige Zentralisierung, eine einseitige Machtballung bei Kanton und Verwaltung. Die Neuregelung schwäche die Berufsfachschulkommissionen vor Ort, sie würden zahnlos gemacht. Und es werde der Weg hin zur Schliessung von Schulstandorten geebnet, auch wenn davon in der Vorlage nicht die Rede ist. Als Lösung sieht die CVP ein Modell mit regional verankerten Kommissionen und Kompetenzen in der strategischen Führung, die für die einzelnen Schulen zuständig sind.

Gegen die Reformvorlage hat sich auch die SP/Grüne-Fraktion ausgesprochen: Sie will, anders als die Regierung, aber auch anders als die Christlichdemokratische Volkspartei, vor allem die Rektoren der Berufsschulen stärken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.