Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Rorschacherberg plant umstrittenen Seeuferweg jetzt mit Biolabel

Die Bodenseegemeinde Rorschacherberg legt das zweite Projekt für einen Uferweg im Abschnitt Neuseeland vor. Die Verbindung von Aufschüttungen und Stegen dient zuerst der Revitalisierung der Natur. Das freut auch den Kanton. Abgestimmt wird im Februar 2019.
Marcel Elsener
Das Rorschacherberger Neuseeland, 1860 beim Bahnbau aufgeschüttet: kostbares Uferland, beim derzeitigen Niedrigwasserstand trockenen Fusses begehbar. (Bild: Urs Bucher (Rorschach, 6. Dezember 2018))

Das Rorschacherberger Neuseeland, 1860 beim Bahnbau aufgeschüttet: kostbares Uferland, beim derzeitigen Niedrigwasserstand trockenen Fusses begehbar. (Bild: Urs Bucher (Rorschach, 6. Dezember 2018))

Ein seit Jahrzehnten umstrittenes Projekt in Rorschacherberg ist zum zweiten Mal reif für die Volksabstimmung: Der öffentliche Seeuferzugang im schmalen Abschnitt neben der Hauptstrasse und Bahnlinie zwischen Rorschach und Staad soll mittels Aufschüttungen und Stegen realisiert werden. Das Gutachten liegt nun unter dem Titel «Revitalisierung des Seeufers Neuseeland mit Uferweg» vor, der Gemeinderat hat es im jüngsten Gemeindeblatt publiziert, mitsamt allen Berichten der Planer und Fachstellen.

600 Meter Weg auf einem belasteten Abschnitt

Wenn es am 10. Februar 2019 an der Urne um einen 4,5-Millionen-Franken-Kredit geht, den der Kanton mit 1 Million mittragen will, geht es nur um 600 Meter Weg – wovon 320 Meter auf neu aufgeschüttetem Land und 280 Meter auf zwei Stegen (aus Holz und Stahl) je am westlichen und östlichen Ende. Doch die Stimmbürgerschaft entscheidet über weit mehr: Auf dem Spiel stehen einerseits ein historisches Versprechen und der überregionale Ruf nach öffentlichem Uferzugang am Bodensee, andererseits die Verhältnismässigkeit und die Interessen der privaten Grundeigentümer, darunter so prominente wie der Schönheitschirurg Werner Mang, der dort 2010 eine Villa bezog und seine Schweizer Klinik eröffnete. Allein Rorschacherberg entscheide über «ein regionales, wenn nicht internationales Projekt», sagt Gemeindepräsident Beat Hirs. Zugezogen vom Zürichsee, seit zehn Jahren im Amt, hat ihn das Thema nicht losgelassen – als leidige Hinterlassenschaft seines Vorgängers Ernst Tobler (ebenfalls FDP-Mitglied und Kantonsrat), der den Weg entgegen dem seit 1977 festgehaltenen Willen des Kantons in den frühen 2000er-Jahren aus dem kommunalen Richtplan gestrichen hatte.

Bürger vor allem aus CVP-Kreisen beharrten in der Folge auf dem Uferweg, doch stand das Vorhaben in der Bevölkerung stets auf der Kippe. Das Projekt für einen Steg abseits des Ufers wurde 2015 an der Urne verworfen, hingegen sprach sich in einer Umfrage eine Mehrheit von 53 Prozent der Einwohnerschaft für einen ufernahen Fussweg aus. Den Ausweg aus der Zwickmühle suchte der Gemeinderat mit einer Arbeitsgruppe: Vertreter der vier örtlichen Parteien (CVP, FDP, SP, SVP), der Befürworter, Gegner, Anstösser und des Kantons bemühten sich gemeinsam um eine breit abgestützte Lösung. Die vom Balgacher Büro Oe-Plan erarbeitete Variante sei «sehr gut austariert», meint Hirs, nachdem ein Steg als zu teuer verworfen und ein Landweg trotz Wegrechten auf vier Parzellen (gemäss Dienstbarkeiten in Sondernutzungsplänen) als «zu extrem» befunden wurde.

Ökologische Aufwertung am unnatürlichsten Ufer

«Wenn ein Projekt eine Chance hat», sagt Hirs, «dann dieses. Sonst dürfte das Thema für die nächste Generation gestorben sein.» Dabei dient die vorangestellte Revitalisierung des Seeufers nicht nur dem besseren «Wording» (quasi als Biolabel), sondern entspricht der Strategie des Kantons. Aus Sicht der kantonalen Fachstellen sei es ein gutes Projekt, sagt Bruno Thürlemann, Leiter Ortsplanung und Mitglied der Arbeitsgruppe. «Zum einen wird für die Öffentlichkeit der Zugang zum See sichergestellt, zum anderen jedoch auch die Ökologie im Uferbereich deutlich aufgewertet.» Spezielle Sympathie geniesst das Projekt deshalb bei Natur- und Fischereibehörden. Und bei den Wasserbauern, wie Michael Eugster, Leiter des Amts für Wasser und Energie, bestätigt: «Wir freuen uns über eine Win-win-Situation, die hoffentlich realisierbar ist.» Die Aufschüttungen schafften am hart verbauten Ufer neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen – im Gutachten ist von Strandlings- und Röhrichtgesellschaften oder einem Strandrasen mit Bodensee-Vergissmeinnicht die Rede.

Ein Lichtblick an dem zu 80 Prozent verbauten St.Galler Ufer, dem laut Experten in Sachen (Nicht-)Natur «schlimmsten Abschnitt» am Bodensee.

Die ökologische Aufwertung ist auch der Grund für die vorgesehene Subvention des Kantons. Nach Abzug dieser Summe kostet das neue Projekt die Gemeinde mit 3,5 Millionen Franken ähnlich viel wie der abgelehnte Steg. Wenn die Bevölkerung zustimmt, könnte der 2,5 Meter breite Fussweg im Sommer 2023 erstmals begangen werden; aufgrund erwartbarer Einsprachen muss mit Verzögerungen gerechnet werden. Das Fazit des Planungsbüros: «Der Bevölkerung muss vermittelt werden können, dass mit dem Fussweg ein grosser Mehrwert für die Naherholung und die ökologische Qualität am Seeufer geschaffen werden kann.» Für Gesprächsstoff ist diesen Winter gesorgt, auch mit Blick auf Details wie Schlipfe oder Aushub: je näher das Material, desto günstiger. Oder mit einem heiklen Beispiel gesagt: Erde aus dem Sulzbergtunnel für den Autobahnanschluss wäre wohl ideal für die Schüttung im Neuseeland – ­sicher ein Fasnachtsthema wert.

Der Ausgang der Abstimmung wird nicht zuletzt den seit längerem beabsichtigten Verkauf des Grundstücks von Professor Mang beeinflussen: Ein öffentlicher Uferweg, wenn auch in diesem Abschnitt auf einem Steg geführt, könnte manche Interessenten abschrecken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.