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SEEFORELLE: Der Lachs des Bodensees wandert wieder

Die 1985 eingeleiteten Massnahmen der Kantone und Länder haben die Seeforelle im Bodenseeraum vor dem Aussterben gerettet. Trotzdem ist der Fisch, der wie der Lachs zur Fortpflanzung die Flüsse hochsteigt, noch immer gefährdet.
Marcel Elsener
Einst waren die Bestände der See­forelle im Einzugsgebiet des Bodensees zahlreich; noch in den 1950er-Jahren fingen Berufsfischer jährlich 14000 Tonnen und mehr. (Symbolbild) (Bild: GARRETT CHEEN (AP THE LIVINGSTON ENTERPRISE))

Einst waren die Bestände der See­forelle im Einzugsgebiet des Bodensees zahlreich; noch in den 1950er-Jahren fingen Berufsfischer jährlich 14000 Tonnen und mehr. (Symbolbild) (Bild: GARRETT CHEEN (AP THE LIVINGSTON ENTERPRISE))

Marcel Elsener

marcel.elsener

@tagblatt.ch

Egli, Hecht oder Wels in Ehren – für Hobbyfischer ist der Fang einer ausgewachsenen Seeforelle der Gipfel ihres Vergnügens, erst recht von einem Exemplar mit einer Länge von 70 oder mehr Zentimetern. Vom Ufer aus gelingt der Fang des feinen Speisefischs äusserst selten, zumal die Forelle tiefere Wasserschichten bevorzugt; am ehesten zappelt mal eine vor Flussmündungen oder Hafeneinfahrten an der Rute. Ihre Bekanntheit und Popularität verdankt die Seeforelle, die vereinzelt bis über einen Meter lang und über 20 Kilogramm schwer werden kann, auch im Bodenseeraum einer Sonderstellung: Sie ist unser «Binnenlachs», denn wie der Lachs aus dem Meer die Flüsse hochsteigt, wandert die Seeforelle vom See die hiesigen Bäche und Flüsse hoch, um zu laichen. Mit beachtlichen Wegstrecken: Überliefert sind Laichzüge von Bodensee-Seeforellen über 145 Kilometer (im Vorderrhein bis Disentis) und auf Höhen von über 1300 Metern (in der Landquart bis Novai).

Einst waren die Bestände der See­forelle im Einzugsgebiet des Bodensees zahlreich; noch in den 1950er-Jahren fingen Berufsfischer jährlich 14'000 Kilogramm und mehr. Doch ab den 60er-Jahren brach der Bestand zusammen, bis er um 1980 auf einem Minimum von nur knapp 2000 Kilogramm stagnierte. Schuld daran waren Faktoren, die der Mensch verursachte: schlechte Wasserqualität, Kraftwerkbauten (speziell das 1960 erbaute Kraftwerk Reichenau), zu wenig Restwasser, Grundwasserabsenkungen, verfestigte Gewässersohlen, Kiesbaggerungen und andere Gründe führten zum Verlust der natürlichen Fortpflanzungsmöglichkeiten. Um zumindest einen gewissen Ertrag für die Fischerei zu erhalten, versuchten die Behörden der Bodenseeländer in jenen kritischen Jahren den Bestand mit Beschränkungen des Fangs und der Fanggeräte sowie mit dem Import von Besatzfischen aus anderen Seen zu stützen – mit geringem Erfolg.

In letzter Minute vor dem Aussterben gerettet

Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) erkannte, dass die Seeforelle nur über ein langfristiges Programm zur Arterhaltung mit Reaktivierung der natürlichen Vermehrung (Reproduktion) gerettet werden konnte. 1983 gründete die IBKF die «Arbeitsgruppe Seeforelle» und startete ein erstes Seeforellenprogramm. Die Rettung gelang in letzter Minute: «Wenige Eier einer Restpopulation aus dem Alpenrhein und der Goldach bildeten den Grundstock für die in den folgenden Jahren bewirtschafteten Elterntierstämme», schreiben die fürs Programm verantwortlichen Fachleute des Konstanzer Umweltbüros Hydra. Nebst der Rettung der letzten Laichfische und der dadurch ermöglichten Besatzmassnahmen war die schrittweise Beseitigung von Wanderhindernissen in den Laichflüssen die entscheidende Massnahme, dass die Seeforelle im Bodensee überleben konnte und heute wieder gefischt werden kann. Insbesondere der 2000 eröffnete Fischpass beim Kraftwerk Reichenau erlaubt wie einst den vermehrten Aufstieg in den Vorderrhein.

Heute ist die Seeforelle, seit 2004 von einer «Arbeitsgruppe Wanderfische» zusammen mit anderen Fischarten betreut, zwar vor dem Aussterben gerettet, doch noch immer gefährdet, wie Peter Rey von Hydra im jüngsten Bericht vom Juni 2017 festhält. Dies belegen auch die bescheidenen, zuletzt wieder rückläufigen Fangerträge: 2016 wurden lediglich 4000 Kilogramm Seeforellen gefischt, wovon 2500 von Berufsfischern. Der Bestand könne sich «noch immer nicht nur durch natürliche Reproduktion selbst erhalten», schreibt Rey. «Viele geeignete Laichgebiete sind nicht oder erst eingeschränkt erreichbar, veränderte Abfluss- und Geschiebeverhältnisse und andere Belastungen verhindern die Ei- und Brütlingsentwicklung. Auf dem Rückweg in den Bodensee lauern für die Laichfische und die einjährigen Jungfische Gefahren und Sackgassen.» Folglich müssten weitere Reproduktionsräume erschlossen werden und spielten Besatzmassnahmen weiterhin eine wichtige Rolle für die Arterhaltung und die fischereiliche Nutzung.

Galionsfigur für den Gewässerschutz

In der Studie wird festgehalten, dass die Seeforelle ein Indikator für die Wasserqualität sei: «Was der Atlantische Lachs für den Rhein unterhalb des Rheinfalls, das ist die Seeforelle für die Gewässer im Einzugsgebiet des Bodensees – eine Galionsfigur für den integrativen Gewässerschutz.» Seeforellen bevorzugten nährstoffarme, tiefe Seen mit guter Sauerstoffversorgung ; sie ernähren sich im Jugendstadium von wirbellosen Kleintieren und später überwiegend von Fischen. Den St. Galler Flüssen kommt bei der Reproduktion der Seeforellen eine besondere Bedeutung zu: Nebst dem Vorderrhein werden in der Goldach, der Steinach und in einigen Rheintal-Binnenkanälen regelmässig viele Laichgruben angelebt, wie es im Bericht heisst. Und St. Gallen wird nebst Graubünden für seine «Vorreiterrolle» in der heimischen Bewirtschaftungspraxis gelobt, die von anderen Ländern und Kanton übernommen worden sei.

Tatsächlich habe die Seeforelle für den Kanton «eine sehr grosse Bedeutung», sagt Dominik Thiel, Leiter St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Es gehe «um eine für Angel- und Berufs­fischer sehr attraktive Fischart, welche ausgezeichnet schmeckt»; sie sei gleichsam der Lachs, den es früher auch im ­Bodenseeraum gab – «heute haben wir zumindest die Seeforelle behalten können». Der Kanton St. Gallen war laut Thiel in den 90er-Jahren «massgeblich mit zahlreichen Schutz- und Fördermassnahmen beteiligt, diese Charakterart vor dem Aussterben zu retten. Die wichtigste Sofortmassnahme war die ­Erbrütung von Seeforelleneiern in der Fischzuchtanlage in Rorschach, welche von wildlebenden laichreifen Seeforellen der lokalen Einstiegsgewässer gewonnen wurden. Die Jungfische wurden dann wieder in die Herkunftsgewässer gesetzt. Ein Erfolg.» Die derzeit rückläufigen Fangzahlen zeigen, dass weitere Massnahmen nötig seien, meint Thiel: «Wir haben schon viel erreicht, aber wir haben in den Lebensräumen weiterhin Defizite, welche jetzt behoben werden müssen. Die Massnahmen sind bekannt, die Arbeit dazu wurde begonnen.» Konkret bedeutet dies in der Steinach Strukturverbesserungen im Unterlauf und Wanderhindernisse beseitigen; das Potenzial für Laichgebiete in der Steinach sei «noch sehr gross». Und in der Goldach geht es um den Fischschutz beim Kraftwerk Bruggmühli, auch dies ist bereits in Angriff genommen worden. Thiel: «Es ist meist erfolgversprechender, in bereits genutzten und guten Laichgewässern die Situation weiter zu verbessern, als bei null zu beginnen.» Das Konstanzer Umweltbüro empfiehlt zudem eine Anpassung der Fangbestimmungen, wie etwa eine Anhebung des Schonmasses auf über 50 Zentimeter. Der St. Galler Amtsleiter ist da zurückhaltend: «Die Praxis hat gezeigt, dass die Lebensraumförderung und Ermöglichung einer erfolgreichen Fortpflanzung meist wichtiger sind, als beim Fang zu optimieren.» Wenn es aber klare Hinweise gebe, dass die heutige Nutzung negative Auswirkungen habe, werde der Kanton «selbstverständlich neue Schonbestimmungen unterstützen». So oder so bleiben Forellen, speziell für Angler, eine Herausforderung. Meist schwimmen sie weit draussen im offenen Wasser, wo sie Egli- und Weissfischschwärme verfolgen. Als bester Schweizer Uferplatz gilt die Hafenmauer in Rorschach, wo das Ufer rasch steil abfällt, was die Forellen in Reichweite bringt.

Der Bericht «Bewirtschaftungskonzept der IBKF für die Bodensee-Seeforelle» ist auf www.ibkf.org als PDF erhältlich.

Bild: PD

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