Sechseläuten-Pferd nimmt Gestalt an

ST.GALLEN. Mit einem hölzernen Pferd auf Rädern wird die St.Galler Delegation am Sechseläuten-Montag durch Zürich ziehen. Die tonnenschwere Skulptur entsteht in der Schreinerei der Lehr- und Arbeitswerkstätte Valida in der Stadt St.Gallen.

Adrian Vögele
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«Ein aussergewöhnlicher Auftrag»: Marco Spiess, Bereichsleiter Holzwarenproduktion bei der Valida St. Gallen, mit dem Trojanischen Pferd. (Bild: Urs Bucher)

«Ein aussergewöhnlicher Auftrag»: Marco Spiess, Bereichsleiter Holzwarenproduktion bei der Valida St. Gallen, mit dem Trojanischen Pferd. (Bild: Urs Bucher)

Auf die Seilzieher aus Mosnang wartet am 15. April in Zürich ein ordentliches Stück Arbeit: Sie werden das Kernstück des St.Galler Sechseläuten-Auftritts durch die Innenstadt bewegen, ein vier Meter hohes Pferd auf Rädern mit einem Gesamtgewicht von über zwei Tonnen. «Wir montieren die Skulptur auf einen Anhänger, der allein schon eine Tonne wiegt. Das Pferd selber bringt nochmals eine bis eineinhalb Tonnen auf die Waage», sagt Marco Spiess, Bereichsleiter Holzwarenproduktion bei der Valida St.Gallen, einer Lehr- und Arbeitswerkstätte für Menschen mit Behinderungen.

Beweglicher Schädel

Lehrlinge und Mitarbeiter der Valida haben in den vergangenen Monaten bereits weit über hundert Arbeitsstunden in den «Grossauftrag» investiert. Das Pferd besteht aus St.Galler Tannenholz; der Entwurf stammt von der Agentur Kaluza+Schmid, die den ganzen Gastauftritt des Kantons mitgestaltet. In die praktische Umsetzung brachten die Fachleute der Valida dann eigene Vorschläge ein. «Das Pferd sollte ursprünglich noch deutlich höher als vier Meter werden. Wegen der Tram- und Bus-Oberleitungen in der Zürcher Innenstadt ist dies aber nicht möglich», sagt Spiess. Der Schädel des Pferdes lässt sich zwar in alle Richtungen bewegen. Doch ein Tier, das am Umzug ständig den Kopf einziehe, sei dem selbstbewussten Motto der St.Galler Delegation – «Züri iineh!» – nicht dienlich, sagt Spiess.

Schon vor dem Fest in Zürich

Das Pferd muss zudem einigermassen unverwüstlich sein. Es wird bereits in der Woche vor dem Sechseläuten per Lastwagen nach Zürich gebracht. Dort steht es während einiger Tage an der Bahnhofstrasse, um auf den Gastauftritt der St.Galler aufmerksam zu machen – neben einem Bratwurststand. In weiser Voraussicht haben die Handwerker darauf verzichtet, einen Schweif aus leicht entzündlichem Kunststoff an der Skulptur zu montieren.

Das St.Galler Pferd ist, genau wie das Trojanische Pferd im antiken Mythos, innen hohl. Der Bauch ist über eine Luke zugänglich. Als Fracht sind laut dem OK des Kantons jedoch keine bärbeissigen Krieger, sondern «süsse Überraschungen» vorgesehen.

Was nach dem Sechseläuten mit dem Pferd geschieht, ist noch offen. Zurzeit ist laut Marco Spiess am wahrscheinlichsten, dass es die Valida wieder zurückerhält und demontiert.

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