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Interview

Schwinger Samuel Giger: «Ich bin eher der Beziehungstyp als der Sonnyboy»

Neuer Job, neue Liebe, doch die Leidenschaft für’s Schwingen ist seit 15 Jahren die gleiche: Samuel Giger erzählt bei einem Kafi bei sich zu Hause über seinen neuen Job, Schmetterlinge im Bauch und warum er seine Kleider nicht selber kauft.
Desirée Müller
Schwinger Sämi Giger blickt dem «Eidgenössischen» vom 23.bis 25.August in Zug zuversichtlich entgegen. (Bild: Reto Martin)

Schwinger Sämi Giger blickt dem «Eidgenössischen» vom 23.bis 25.August in Zug zuversichtlich entgegen. (Bild: Reto Martin)

Können Sie den Sommer mit Ihrer Freundin geniessen?

Samuel Giger: Zumindest nicht irgendwo entspannt am Strand. Es standen intensive Trainings an. Da ich acht Wochen wegen meiner Schulter ausgefallen bin, musste ich etwas Gas geben. Dazu arbeite ich Vollzeit als Lastwagenchauffeur, und da bleibt nicht viel Zeit übrig. Aber meine Freundin ist sehr verständnisvoll. Im Winter wird’s dann etwas ruhiger.

Wie sehen denn so Ihre Abende zu Hause aus?

Wenn ich heimkomme, brauche ich zuerst etwas Zeit für mich. Einfach hinsitzen, etwas nachdenken, und durchatmen. Ich lese weder Bücher, noch spiele ich Playstation oder habe sonst noch Hobbys. Es dreht sich schon vieles ums Schwingen bei mir. Um 20 Uhr geht’s dann vier bis fünfmal die Woche ins Training. Danach gehen wir manchmal noch was Trinken. Aber nicht jedes Mal. Wir müssen ja alle am nächsten Tag arbeiten.

Apropos Job: Wollten Sie nicht mehr als Zimmermann arbeiten?

Es war wirklich eine super Ausbildung. Nach der Lehre und der RS wollte ich aber etwas Neues ausprobieren. Dazu ist der Job als Chauffeur nicht mehr ganz so körperlich anstrengend. Das kommt mir beim Training zugute. Ich merke, dass ich dabei fokussierter bin und vor allem mehr Power habe. Aber ich sitze nur etwa 20 Minuten am Stück am Steuer. Dann geht’s ans Aus- oder Einladen auf der Baustelle.

Teilzeit kommt nicht in Frage?

Mit Sponsoringverträgen kann man als Schwinger in der Aktivzeit schon einige Jahre vom Sport leben. Aber es arbeiten eigentlich alle Schwinger Vollzeit.

«Es gehört sich einfach, neben dem Schwingen einer normalen Arbeit nachzugehen.»

Da ich im Moment keine Sponsoren habe, kommt für mich auch deshalb keine Teilzeitarbeit in Frage.

Der Thurgau holte sich bereits 35 Kränze und 14 Kranzfestsiege. (Bild: Reto Martin)

Der Thurgau holte sich bereits 35 Kränze und 14 Kranzfestsiege. (Bild: Reto Martin)

Wird oft getuschelt, wenn Sie auf die Baustelle kommen?

Es kommt in der Tat vor, dass mich jemand erkennt. Die meisten möchten einfach ein paar Worte wechseln und fragen jetzt nicht nach einem Selfie oder so. Wenn doch, dann sage ich, dass sie an ein Schwingfest kommen sollen. In Schwingerhosen und Hemd fühle ich mich wohler auf Bildern.

2016 wurden Sie zum schönsten Ostschweizer Schwinger gewählt. Haben Sie viele weibliche Fans?

Ich war schon immer der Beziehungstyp und kein Sonnyboy. Das strahle ich wohl auch aus. Dazu gehe ich nicht gerne in Clubs oder generell selten in den Ausgang. Daher werde ich jetzt nicht gerade belagert von weiblichen Fans. Es ehrt mich auch nicht besonders, wenn ich in den Medien als der «schöne Böse» oder so betitelt werde. Es genügt mir, wenn ich meiner Freundin gefalle. Sie habe ich übrigens übers Schwingen kennen gelernt.

Wie sehr ist Ihre Familie in Ihre sportliche Karriere involviert?

Mein Bruder schwingt ebenfalls und mein Vater war auch aktiv. Meine Schwester spielt Handball beim LC Brühl.

«Meine Freundin kommt dazu auch aus einer Schwingerfamilie. Sport ist somit immer ein Thema bei den Gigers. »

Wir fachsimpeln gerne, können aber auch über anderes reden. Meine Mutter besorgt mir dazu lieberweise Hemden oder Trainingshosen, wenn sie kaputt gehen. Ich bin generell kein Hirsch in Sachen Kleider und Mode.

Dann trifft man Sämi Giger nicht beim Shoppen?

Eher weniger. Wenn ich wirklich neue Alltagskleider brauche, ­begleiten und beraten mich meine Schwester oder meine Freundin.

Zum Thema Familie: Sollen Ihre Kinder auch einmal Schwingen?

Wenn man in einer Schwingerfamilie aufwächst, ist es naheliegend, dass man es wenigstens mal versucht. Ich wurde auch schon als kleiner Bub an die Schwingfeste mitgeschleppt. Schwingen war und ist für mich eine tolle Lebensschule. Daher würde ich mich freuen, wenn auch mein künftiger Nachwuchs Gefallen daran finden würde.

Samuel Giger ging mit seiner Familie schon als kleiner Bub an Schwingfeste. (Bild: Reto Martin)

Samuel Giger ging mit seiner Familie schon als kleiner Bub an Schwingfeste. (Bild: Reto Martin)

Hoffen wir, dass sie Ihre Statur erben. Wären Sie wohl auch so erfolgreich, wenn Sie «nur» 1,70 Meter gross wären?

Ich würde bestimmt Schwingen, da es mir sehr viel Freude macht. Wahrscheinlich wäre ich nicht ganz so erfolgreich. Aber mit einer anderen Technik, können auch nicht so grosse Schwinger Erfolg haben. Aber vor allem als Kind kam mir meine Grösse schon zugute.

Apropos Erfolg: Wie wichtig ist es Ihnen, zu gewinnen?

Ich denke, dass jeder Sportler gewinnen möchte. Für mich sind positive Erlebnisse wie eben Siege sehr wichtig direkt vor dem Kampf. Ich rufe dann die schönen Emotionen nach einem erfolgreichen Gang ab. Die positive Energie gibt mir sehr viel Kraft.

Zur Person

Bis heute holte sich der 1,94-Meter-Mann aus dem Thurgau bereits 35 Kränze und 14 Kranzfestsiege. Seit er sieben Jahre alt ist, trainiert Sämi Giger im Schwingclub Ottoberg. Vom 23.bis 25.August tritt der 21-Jährige am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug an. Für Samuel Giger wäre es der erste Schwingerkönig-Titel. Trotz der Verletzungspause im Frühling, fühlt er sich bereit für den Wettkampf. Am 20.Juli gewann er zum zweiten Mal in Folge die Weissenstein Schwinget, was bisher noch keinem Schwinger gelungen ist.

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