SCHWINGEN: Veruntreuung beim Schwägalp-Schwinget: Erstmals redet der OK-Präsident über den Fall

Nach der Veruntreuung beim Schwägalp-Schwinget erklärt OK-Präsident Niklaus Hörler, wie das Fehlen des Geldes bemerkt wurde und sagt, dass das Fest nie in seiner Existenz bedroht gewesen sei.

Christof Krapf
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Niklaus Hörler initiierte vor 18 Jahren den Schwägalp-Schwinget. (Bild: Urs Bucher)

Niklaus Hörler initiierte vor 18 Jahren den Schwägalp-Schwinget. (Bild: Urs Bucher)

Niklaus Hörler, wie haben Sie gemerkt, dass auf dem Konto des Vereins Schwägalp-Schwinget Geld fehlt?
Ich hatte ein Gespräch mit unserem Bankberater, der nicht im OK des Schwägalp-Schwingets sitzt. Dabei ging es um die Erweiterung unserer Tribüne, die wir in diesem Jahr realisiert haben. Bei der Diskussion über die Finanzierung merkte ich, dass auf unserem Konto Geld fehlt. Im ersten Moment bin ich erschrocken. Für mich war rasch klar, dass wir sofort weitere Abklärungen durchführen müssen.

Worin bestanden diese Abklärungen?
Unsere Revisoren führten eine ausserordentliche Revision durch. Dabei kam das ganze Ausmass der Veruntreuung ans Licht.

Warum merkte bei der ordentlichen Revision niemand etwas von der Veruntreuung?
Die Kontoauszüge und Abrechnungen, die der frühere Finanzchef der Revisionsstelle vorgelegt hat, waren professionell gefälscht. Ich habe die Belege mit eigenem Augen gesehen und bemerkte nichts. Auch unsere Revisionsstelle hatte keine Chance, die Fälschungen zu erkennen. Deshalb fiel die Veruntreuung erst auf, als wir schon einen Verdacht hatten, dass etwas nicht stimmt. Wir haben aber auch herausgefunden, dass zuvor nie Geld veruntreut worden war. Betroffen war nur das Jahr 2016.

Was waren die nächsten Schritte?
Wir suchten sofort das Gespräch mit dem Beschuldigten und legten ihm die Fakten auf den Tisch. Er gab die Veruntreuung rasch zu. Wir stellten ihm dann gewisse Bedingungen. Er musste per sofort als Finanzchef des Schwägalp-Schwingets und von allen Ämtern beim Eidgenössischen Schwingverband (Obmann der Schwingerveteranen-Vereinigung und Revisor der Schwingerhilfskasse, die Red.) zurücktreten, sich selbst bei der Staatsanwaltschaft anzeigen und das Geld zurückzahlen. Vom Zeitpunkt, als wir bemerkt haben, dass Geld fehlte bis zum Rücktritt des Finanzchefs vergingen etwa drei Wochen. Seitdem hatten wir vom OK keinen Kontakt mehr mit dem Beschuldigten.

In der Anklageschrift steht, dass der Beschuldigte die Schuld zuerst auf seine Mitarbeiterin abschieben wollte. Haben Sie ihm das geglaubt?
Wir haben seine Ausführungen zur Kenntnis genommen. Im Verlauf der ausserordentlichen Revision stellte sich dann aber rasch heraus, dass diese Version nicht stimmen kann.

Insgesamt fehlten fast 300 000 Franken. Das Jahresbudget des Vereins beträgt etwa eine Million Franken.War der Schwägalp-Schwinget je in der Existenz bedroht?
Wir konnten jederzeit alle laufenden Rechnungen bezahlen. Auch wenn wir das Geld nicht zurückerhalten hätten, wäre das Schwingfest gesichert gewesen. Wir haben in den vergangenen Jahren die finanziellen Mittel für den Tribünenausbau zusammengespart. Im Notfall hätten wir diese Investition um ein Jahr verschieben müssen.

Haben Sie für den Tribünenausbau Geld von der öffentlichen Hand bekommen?
Nein, für diese Investition haben wir keine Kantons- oder Gemeindegelder erhalten.

Haben Sie das Geld vollständig zurückerhalten?
Wir haben mit dem Beschuldigte eine Rückzahlung in vier Tranchen vereinbart. Wir haben die gut 292 000 Franken innerhalb von vier Wochen zurückbekommen. Für uns ist der Fall damit abgeschlossen.

Was bedeutet die Veruntreuung für das Image des Schwägalp-Schwingets?
Wir informierten die Sponsoren, den Eidgenössischen sowie den Nordostschweizer Schwingerverband vorab. Sie bedauerten den Vorfall. Als sie jedoch erfuhren, dass der Verein Schwägalp-Schwinget keinen finanziellen Schaden erlitten hat und wir unsere Strukturen sofort angepasst haben, erhielten wir ermutigende Rückmeldungen.

Wie haben Sie die Strukturen angepasst?
Der erste Schritt war der Rücktritt des Beschuldigten sowie die Rückzahlung und die Selbstanzeige. Zudem haben wir das Vieraugenprinzip eingeführt. Der neue Finanzchef hat keine alleinige Vollmacht mehr über unser Konto, sondern in Kollektivunterschrift mit mir als OK-Präsidenten. Zusätzlich haben wir beschlossen, dass wir nebst der ordentlichen Revision auch eine professionelle externe Revisionsstelle einrichten werden.

Ihr Verein hat über den Fall äusserst zurückhaltend informiert. Warum?
Für uns waren der Rücktritt, die Selbstanzeige und die Rückzahlung am wichtigsten. Diese Auflagen hat der Beschuldigte erfüllt. Danach war für uns der Fall erledigt. Wir als Verein und Privatpersonen sind nicht dazu da, jemanden zu verurteilen. Das ist Sache des Gerichtes und der Staatsanwaltschaft.

Wollten Sie die Sache einfach unter dem Deckel halten?
Das wollten wir nicht. Wäre dies der Fall gewesen, hätten wir dem Beschuldigten diese Auflagen nicht gemacht. Ich bin der Meinung, dass wir nicht weiter auf eine Person eintreten sollten, die bereits am Boden liegt.

Die Mitteilung ging nur an Schwingermedien. Warum?
Wir haben im Vorstand lange darüber diskutiert, ob wir alle Medien informieren sollen. Unser Jurist hat uns dann allerdings geraten, dass wir die Mitteilung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur an Schwingermedien versenden sollen.

Wie enttäuscht sind Sie über das Verhalten des früheren Finanzchefs?
Wir haben mit dem Beschuldigten 18 Jahre lang zusammengearbeitet. Die Enttäuschung sitzt tief.

Wie reagieren Sie, wenn Sie dem Beschuldigten das nächste Mal treffen?
Das weiss ich noch nicht.