SCHWINGEN: Veruntreuung beim Schwägalp-Schwinget: Die Bösen schweigen

Der Finanzchef des Schwägalp-Schwinget veruntreut Geld und muss deswegen zurücktreten. Das OK des Bergfestes will den Fall nicht an die grosse Glocke hängen und schweigt. Der Fall bleibt zwielichtig.

Christof Krapf/Beat Lanzendorfer
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Der Schwägalp-Schwinget ist das grösste Schwingfest, das jedes Jahr stattfindet. (Bild: Urs Bucher)

Der Schwägalp-Schwinget ist das grösste Schwingfest, das jedes Jahr stattfindet. (Bild: Urs Bucher)

Die Schwinger bezeichnen sich gerne als Familie. Als eine Familie, in der Werte wie Tradition, Fairness, Respekt und Kameradschaft hochgehalten werden. Und in der Krise, da schweigt diese Familie. Das zeigt folgendes Beispiel. Am Dienstag wurde bekannt, dass der frühere Kassier des Schwägalp-Schwinget Gelder des Vereins veruntreut hatte. Das Organisationskomitee des Bergfestes informierte in einer Medienmitteilung über den Fall. Diese ging allerdings nur an Schwinger-Medien wie die Fachzeitschrift «Schlussgang» – andere Medien bekamen diese Information nicht. In der Mitteilung schreibt das Schwägalp-OK, der frühere Kassier habe das veruntreute Geld zurückgezahlt, sei aus dem Vorstand zurückgetreten und habe sich bei der Staatsanwaltschaft selbst angezeigt. Und: «Leider konnte der frühere Kassier wegen seines Fehlverhaltens keinen ehrenvollen Abgang von der Schwinger-Bühne nehmen.» Für das OK ist der Fall damit erledigt – der Verein Schwägalp-Schwinget verzichtet auf eine Beteiligung am Strafverfahren. Detaillierter will OK-Präsident Niklaus Hörler trotz Anfrage keine Stellung nehmen.
 

Revision soll Veruntreuung gar nicht bemerkt haben

Auf der Webseite des Bergfestes ist die Medienmitteilung nicht aufgeschaltet. Hinweise auf den Fall gibt nur eine Meldung vom 19. April dieses Jahres: «Unser langjähriger Leiter Ressort Finanzen und Vorverkauf ist aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen per sofort zurückgetreten.» Einen Hinweis auf das Fehlverhalten findet sich nicht; ein Schwinger-Kamerad wird also auch nicht fallen gelassen, wenn er vom rechten Weg abgekommen ist. Natürlich: Der frühere Kassier war in der Schwinger-Szene als tatkräftiger Mann bekannt und engagierte sich in mehreren Funktionen ehrenamtlich. «Er hat viel für das Schwingen gemacht. Deshalb gehört es dazu, dass man ihn jetzt nicht in die Pfanne haut», sagt Martin Kurmann, Präsident des St. Galler Schwingerverbandes. Es sei richtig, dass der Schuldige sein Fehlverhalten zugebe und dafür geradestehe. «Damit ist der Fall erledigt und das OK kann weiterarbeiten», so Kurmann. 
 

Nur ist der Schwägalp-Schwinget nicht irgendein Dorffest, sondern die schweizweit grösste Schwingveranstaltung, die jährlich stattfindet. 13 250 Zuschauer kamen im vergangenen August zum Fest auf dem Pass zwischen dem Toggenburg und dem Appenzellerland; das Budget der Veranstaltung beträgt gegen eine Million Franken. Und die Medienmitteilung bringt weitere Ungereimtheiten zu Tage. Darin steht nämlich, dass die Revision des Vereins Schwägalp-Schwinget das Fehlverhalten festgestellt hatte. Die Delegiertenversammlung des Vereins hatte aber die Jahresrechnung sowie den Revisionsbericht im vergangenen Januar angenommen und dem Finanzchef damit Entlastung erteilt.

Hinter vorgehaltener Hand war am Rande der Hauptversammlung des Toggenburger Schwingerverbandes Anfang November zu erfahren, die Revisionsstelle habe den Fehler in der Rechnung gar nicht gefunden. Vielmehr sei einem Bankangestellten, welcher das Clubkonto verwaltete, aufgefallen, dass bei den Transaktionen etwas nicht stimmte. Pikant: Der frühere Revisor des Vereins Schwägalp-Schwinget hat nun interimistisch das Amt des Finanzchefs übernommen. Ebenfalls hinter vorgehaltener Hand war auch zu vernehmen, dass es sich bei der veruntreuten Summe keineswegs um eine Lappalie gehandelt habe. Man munkelt von mehreren zehntausend Franken, die veruntreut wurden. Die Schwinger-Familie schweigt zu allen Fragen, die der Fall aufwirft. Kameradschaft ist für sie wichtiger als Transparenz.