SCHWINGEN: Kontoauszüge und Quittungen gefälscht

Der frühere Finanzchef des Schwägalp-Schwingets wird verdächtigt, knapp 300 000 Franken Vereinsgelder veruntreut zu haben. Als der Betrug aufflog, schwärzte der Beschuldigte seine Mitarbeiterin an. Das geht aus der Anklageschrift hervor.

Christof Krapf
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Längst kein Dorffest mehr: Der Schwägalp-Schwinget zog dieses Jahr 1 (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Schwägalp, 20. August 2017))

Längst kein Dorffest mehr: Der Schwägalp-Schwinget zog dieses Jahr 1 (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Schwägalp, 20. August 2017))

Christof Krapf

christof.krapf@tagblatt.ch

Schwägalp-Schwinget und Hochrisikoanlagen in Nordamerika. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen – in diesem Fall allerdings schon: Der frühere Finanzchef des Vereins Schwägalp-Schwinget wird verdächtigt, Geld veruntreut zu haben. Laut Anklageschrift des Untersuchungsamtes Gossau geht es um eine Deliktsumme von knapp 300 000 Franken. Einen Teil davon habe der Beschuldigte für verschiedene Investitionen in Hochrisikoanlagen der US-Brokerin Cunningham Commodities LLC mit Sitz in Chicago verwendet. Der Schwägalp-Schwinget zog dieses Jahr 13 500 Zuschauer an und ist damit das schweizweit grösste Schwingfest, das jedes Jahr stattfindet. Das OK des Bergfestes wirtschaftet mit einem Jahresbudget von gegen einer Million Franken. Davon soll der Angeklagte – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – exakt 292 218.45 Franken abgezweigt haben. Mal soll der 66-Jährige sich mehrmals pro Woche am Vereinsvermögen bedient haben, mal einmal im Monat. Mal ging es um 2000 Franken, mal um 47 600 Franken. Auf das Konto des Vereins Schwägalp-Schwinget hatte der frühere Finanzchef als einziger Zugriff.

Die knapp 300 000 Franken soll der frühere St. Galler SVP-Kantonsrat zwischen Februar und November 2016 in insgesamt 16 Transaktionen vom Konto des Vereins Schwägalp-Schwinget auf seine Privatkonti sowie ein Konto seiner Treuhandfirma in Oberuzwil überwiesen haben. Laut Anklageschrift verwendete der frühere Finanzchef 220 600 Franken der veruntreuten Summe für seine Investitionen bei der Brokerin in Chicago. Mit dem Rest deckte er Kosten seines Treuhandbüros wie Löhne, Mieten, Sozialversicherungen, Telefonrechnungen und Anwaltskosten.

Gartenbauer war Kunde des Beschuldigten

Um die Veruntreuung zu vertuschen, soll der Beschuldigte 13 Dokumente, darunter elf Kontoauszüge, gefälscht haben. Laut Anklageschrift erstellte er Auszüge der Appenzeller Kantonalbank, der Clientis Bank Oberuzwil sowie der St. Galler Kantonalbank, indem er deren Logo in den Briefkopf kopierte und mit einer Excel-Tabelle die Transaktionen und den Saldo fälschte. Die fingierten Auszüge habe er als Belege für die Vereinsbuchhaltung verwendet. Deshalb wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten nebst mehrfacher Veruntreuung auch mehrfache Urkundenfälschung vor.

Zusätzlich zu den Kontoauszügen hat der frühere Finanzchef gemäss Anklageschrift auch eine Rechnung und eine Quittung eines Wiler Gartenbauunternehmens gefälscht. In der fingierten Rechnung über gut 18 000 Franken ging es um Kosten für «Erdbewegungen Schwägalp». Der Beschuldigte soll das Visum des Bauchefs des Schwägalp-Schwingets kopiert und sich den Betrag auf sein Privatkonto ausbezahlt haben. Als Beleg für die Vereinsbuchhaltung soll er zudem eine Quittung mit der Unterschrift des Inhabers des Gartenbauunternehmens nachgemacht haben. Pikant dabei: Der Gartenbauer war Kunde des Treuhandbüros des Beschuldigten.

Die Veruntreuungen seien der Revisionsstelle des Vereins Schwägalp-Schwinget im vergangenen März aufgefallen. Ob diese Angaben stimmen, ist offen. Hinter vorgehaltener Hand war an der Hauptversammlung des Toggenburger Schwingerverbandes Anfang November zu erfahren, die Revisionsstelle habe den Fehler gar nicht gefunden. Vielmehr seien dem Bankangestellten, der das Konto verwaltete, die Unregelmässigkeiten aufgefallen. So oder so: Von OK-Präsident Niklaus Hörler mit den Vorwürfen konfrontiert, hat der Angeschuldigte gemäss Anklageschrift eine damalige Mitarbeiterin seines Treuhandbüros beschuldigt, das Geld veruntreut zu haben. Sie habe damit ihre persönlichen finanziellen Probleme zu lösen versucht. Um diese falschen Anschuldigungen zu unterstreichen, benutzte der Mann gefälschte Kontoauszüge. Gemäss Anklageschrift hat er erklärt, er werde das veruntreute Geld aus eigenen Mitteln ersetzen und den Fall privat mit seiner ehemaligen Angestellten klären. Deshalb muss sich der Beschuldigte auch wegen mehrfacher Verleumdung vor dem Richter verantworten. Der Fall soll im Januar vor dem Kreisgericht Wil im abgekürzten Verfahren erledigt werden. Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie eine Busse von 2000 Franken.