SCHWIERIGKEITEN: Traditionsinternat vor dem Aus

Im Sommer 2020 schliesst das Internat St. Antonius am Gymnasium in Appenzell. Damit endet eine über hundertjährige Geschichte. Der Grund ist die fehlende Nachfrage.

Patrik Kobler
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Für die Mehrheit der 21 Internatsbewohner hat die Schliessung kaum Auswirkungen. (Bild: Ralph Ribi)

Für die Mehrheit der 21 Internatsbewohner hat die Schliessung kaum Auswirkungen. (Bild: Ralph Ribi)

Patrik Kobler

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@appenzellerzeitung.ch

Zu Glanzzeiten bewohnten über 200 Schüler das Internat St. Antonius am Gymnasium Appenzell. Seit einigen Jahren ist die ­Situation aber angespannt – denn die Zahl der Internen stagniert auf tiefem Niveau. Aktuell wohnen nur noch 21 Schülerinnen und Schüler im Internat. Zu wenig, um den Betrieb kostendeckend aufrechtzuerhalten. Deshalb wird das Internat voraussichtlich auf Ende des Schuljahres 2019/2020 geschlossen. Das hat der Stiftungsrat an seiner letzten Sitzung beschlossen. Als Gründe nennt er die anhaltend tiefen Schülerzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung, die steigenden Schulgeldkosten sowie die fehlende Nachfrage bei Schülern und Eltern. «Auch die Massnahmen der letzten Jahre führten nicht zum gewünschten Erfolg, die Anzahl an Internatsschülern konnte nicht deutlich gesteigert werden», heisst es in der Pressemitteilung des Stiftungsrats.

Die Wurzeln des Internates liegen in dem von den Kapuzinern 1908 gegründeten Kollegium St. Antonius. Der Zweck des Kollegiums bestand darin, die «anvertrauten Zöglinge durch eine wahrhaft christliche Erziehung nach den Grundsätzen und im Geiste der katholischen Kirche heranzubilden und durch gründlichen Unterricht auf das Berufsleben vorzubereiten». Bis Ende der 1970er-Jahre verfügten die Schlafsäle über spartanisch eingerichtete Zellen. Diese hatten eine Fläche von 1,90 Meter Länge und 1,55 Meter Breite. Heute verfügt jeder Schüler über ein eigenes Zimmer. Als 1999 der Kanton Appenzell Innerrhoden die Klosterschule übernahm, plante er das Internat zu schliessen. Doch eine Stiftung sprang in die Lücke und führt das Haus seither eigenständig.

Standeskommission bedauert Schliessung

Die Standeskommission von Appenzell Innerrhoden nimmt die Schliessung des Internats mit Bedauern zur Kenntnis. «Damit verliert der Kanton eine über Jahrzehnte sehr erfolgreiche Institution von grosser pädagogischer Bedeutung und Ausstrahlung über den Kanton hinaus», schreibt sie in einem Communiqué. Sie könne die Argumente des Stiftungsrats aber in jeder Hinsicht nachvollziehen. Die Standeskommission habe sich in den vergangenen fünf Jahren wiederholt mit der betriebswirtschaftlich prekären Situation des Internats auseinandergesetzt und immer wieder Unterstützungsmassnahmen beschlossen. Trotz grösster Anstrengungen der Geschäftsleitung und des Stiftungsrates hätte die nötige Steigerung der Schülerzahlen aber nicht erreicht werden können.

Auf die Qualität des Unterrichts am Gymnasium und die betriebliche Führung der Schule wird die Schliessung des Internats gemäss Standeskommission keinen spürbaren Einfluss haben. Aufgrund der Schülerzahlen sei es weiterhin möglich, am Gymnasium pro Jahrgang durchgehend zwei Klassen zu führen. Auch für die 21 Schülerinnen und Schüler, die aktuell im Internat wohnen, hat die Schliessung kaum Auswirkungen; die Mehrheit wird dann die Matura abgeschlossen haben. Voraussichtlich werden zwei Schülerinnen nicht bis zum Abschluss im Internat wohnen können. Für sie wird individuell eine Lösung gesucht.

Im Internatsbetrieb wird es zu einem Stellenabbau kommen. Die zum Internat gehörende Mensa soll über das Jahr 2020 hinaus betrieben werden. Die Standeskommission kündigt an, dass der Kanton den Betrieb übernehmen wird.