Schwierige Zeiten für fliegende Oldtimer

Nach dem Absturz einer «Tante Ju» im vergangenen Jahr nehmen die Behörden die Oldtimerfliegerei in der Schweiz genauer unter die Lupe.  Der Flugbetrieb in Altenrhein erhält gute Noten – ist aber trotzdem nicht ohne Zukunftssorgen.

Adrian Vögele
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Der Unterhalt historischer Flugzeuge wird teurer und erfordert immer mehr Papierarbeit: Ein Mechaniker arbeitet an einer De Havilland Vampire im FFA-Museum. (Bild: Benjamin Manser)

Der Unterhalt historischer Flugzeuge wird teurer und erfordert immer mehr Papierarbeit: Ein Mechaniker arbeitet an einer De Havilland Vampire im FFA-Museum. (Bild: Benjamin Manser)

Für Freunde historischer Flugzeuge in der Schweiz ist die Eröffnung des FFA-Museums ein willkommener Lichtblick. Die vergangenen zwölf Monate brachten Hiobsbotschaften am laufenden Band. Der Absturz einer 79-jährigen Junkers Ju 52 im August 2018 im Bündnerland erschütterte die Szene bis über die Landesgrenzen hinaus – und rief die Behörden auf den Plan. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) nimmt die Oldtimerfliegerei seither genauer unter die Lupe. Bei der Ju-Air in Dübendorf, der Betreiberin der dreimotorigen Ju 52, blieb kein Stein auf dem anderen. Die verbleibenden Maschinen sind gegroundet, den bisherigen Wartungsbetrieben entzog das Bazl im Mai die Bewilligung. Bei Kontrollen seien Mängel im Unterhalt aufgetaucht. Die Ju-Air stellt derzeit ihre Organisation und Wartung neu auf. 2021 will sie wieder fliegen. Gleichzeitig prüft der Bund eine Reihe von allgemeinen Massnahmen für historische Flugzeuge, darunter strengere Regeln für Passagierflüge und den Unterhalt. Die alten Maschinen seien nun mal nicht für den «endlosen Gebrauch» gebaut, heisst es im aktuellen Sicherheitsbericht des Bazl.

Die Probleme der «Tante Ju» hatten auch Auswirkungen auf das grösste Oldtimerflugzeug, das in den vergangenen Jahren in der Schweiz unterwegs war: Die Lockheed Super Constellation, ein viermotoriger Airliner mit Jahrgang 1955, wurde einer detaillierten Inspektion unterzogen. Der Befund: Eine umfangreiche Flügelsanierung ist notwendig. Der Basler Verein, der die «Super Connie» betrieb und regelmässig Flüge für Mitglieder durchführte, schätzt die Gesamtkosten auf 15 bis 20 Millionen Franken. Nach vergeblichen Versuchen, die Summe aufzutreiben, wird das Flugzeug nun nach Deutschland verkauft. Der Schweizer Verein wird aufgelöst.

FFA-Museum nicht unmittelbar betroffen

Das Museum in Altenrhein hat zwar keine Maschinen von der Dimension der «Tante Ju» oder der «Super Connie». Doch Passagierflüge für Vereinsmitglieder sind hier schon lange Teil des Angebots – von der gemütlichen, kleinen Propellermaschine Piper L4 (129 Franken für 60 Minuten) über den klassischen Doppeldecker Boeing Stear­man (550 Franken für 40 Minuten) bis zum Kampfjet Hawker Hunter (7200 Franken für 30 Minuten). Die insgesamt elf Maschinen der «FMA Flyers» fliegen rund 330 Stunden pro Jahr in der Schweiz und im nahen Ausland. Da drängt sich die Frage auf: Gerät nun auch der historische Flugbetrieb in Altenrhein in die Bredouille, wenn der Bund die Spielregeln für die Oldtimerfliegerei überarbeitet? Urs Holderegger, Kommunikationschef beim Bazl, verneint. «Wir konzentrieren uns stark auf komplexe, grosse Flugzeuge, die eine grössere Zahl von Passagieren befördern können.» Die Flugzeuge des FFA-Museums könnten hingegen nur wenige oder gar nur einen Passagier befördern. «Die Wartung läuft über einen eigens lizenzierten Betrieb mit den notwendigen Kenntnissen für historische Flugzeuge, speziell für Jetflugzeuge.» Das FFA-Museum sei darum nicht unmittelbar betroffen von den Aktivitäten des Bazl.  

«Kostenexplosion könnte ein Ende bedeuten»

Paul Ruppeiner, Gründungsmitglied des Museums und Chefpilot der Flotte, betont, der Unterhaltsbetrieb habe stets alle Auflagen erfüllt. Die vier Mechaniker sind festangestellte Spezialisten. Die Flugzeuge in der Luft zu halten, wird trotzdem nicht einfacher. «Leider führen die vielen behördlichen Auflagen auch zu einer Kostenexplosion, die wohl früher oder später ein Ende bedeuten könnte», so Ruppeiner. Das betrifft nicht nur die Jets, sondern beispielsweise auch den Stearman-Doppeldecker. «Gerade dieses Flugzeug zeigt uns die aktuelle Situation der Kleinaviatik: Motorrevisionen, Unterhalt, Ersatzmaterial und Versicherungsprämien werden immer teurer.» Hinzu kämen steigende Benzinpreise und Flughafentaxen. Zugleich gibt es nach wie vor eine Nachfrage für die Passagierflüge mit den historischen Flugzeugen. Bei der Gründung des Museums 1994 habe er mit 16 Jetflügen pro Jahr gerechnet, erinnert sich Ruppeiner. Tatsächlich waren es dann dreimal so viele – «und die Nachfrage hat praktisch nicht abgenommen.» Auch die kleineren Oldtimer seien immer sehr gefragt. Dass sie weiterfliegen, ist laut Ruppeiner dem Umstand zu verdanken, dass der grosse Teil des Museumsteams ehrenamtlich arbeitet. «Anders wäre dies gar nicht mehr zahlbar.»