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Prozess wegen Persönlichkeitsverletzung in Frauenfeld: Schwester fühlt sich blossgestellt

Thurgauer Autorin steht wegen ihres Buches über «einen Zigeunerjungen» vor dem Bezirksgericht Frauenfeld.
Ida Sandl
Bezirksgericht Frauenfeld: Hier fand der Zivilprozess wegen Persönlichkeitsverletzung statt. (Reto: Martin)

Bezirksgericht Frauenfeld: Hier fand der Zivilprozess wegen Persönlichkeitsverletzung statt. (Reto: Martin)

Zwei Frauen stehen sich vor dem Bezirksgericht Frauenfeld gegenüber. Die eine ist Journalistin und Buchautorin, die andere stammt aus einer Grossfamilie und hat eine schwere Kindheit erlebt. Sie ist die Klägerin in diesem Zivilprozess und wirft der Journalistin vor, sie habe ihre Persönlichkeit verletzt. Schon optisch könnten die Frauen kaum unterschiedlicher sein. Lotty Wohlwend, die Journalistin aus dem Hinterthurgau, rot gelockt, ihre Kontrahentin mit tiefschwarzem, exakt frisiertem Haar.

Die Geschichte des Bruders nacherzählt

Es geht um das Buch «Silas. Gejagt, geschunden, gedemütigt. Ein Report». Erschienen ist es vor 13 Jahren und der Bruder der Klägerin spielt darin die Hauptrolle. Lotty Wohlwend schildert, wie der Junge – sie nennt ihn Silas – von einem Heim ins nächste abgeschoben wird. Wie er beschimpft wird, geschlagen, sexuell missbraucht. Und wie er allen Widrigkeiten zum Trotz mit Hilfe eines engagierten Vormundes sein Leben in den Griff bekommt. Er absolviert eine Ausbildung als Schreiner und schliesst sie als Zweitbester im Kanton Bern ab.

Silas ist zwar die Hauptfigur, doch wie seine anderen elf Geschwister kommt auch die Klägerin im Buch vor. Die Namen sind geändert, doch aufgrund der Familiengeschichte könne man trotzdem auf ihre Mandantin und deren Familie schliessen, erklärt die Anwältin vor Gericht.

Ein zweites Buch sollte alles wiedergutmachen

Besonders stört die Klägerin, dass sie im Buch als «eine schwer kranke Frau, ein Fürsorgefall» bezeichnet wird. Das erzeuge beim Leser ein negatives Bild, sagt die Anwältin. Ihre Mandantin beziehe lediglich eine IV-Rente und Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, sagt die Anwältin.

«Da spricht man in der Regel nicht von einem Fürsorgefall.»

Diese Aussage stehe neben ihrem Foto, ohne dass sie näher erklärt werde. Die Klägerin habe auch nie die Einwilligung zur Veröffentlichung der Fotos gegeben. Auf einem sei sie als Heranwachsende abgebildet. Jeder, der sie kenne, sehe sofort, dass sie das sei.

«Das Foto ist verschwommen», entgegnet die Vertreterin der Journalistin. Der Text sei anonymisiert und lasse keine Rückschlüsse auf die Frau zu. Ausserdem:

«Es ist nicht glaubwürdig, dass jemand
13 Jahre verstreichen lässt, bevor er Klage einreicht.»

Vor allem, wenn sie unter der Veröffentlichung so sehr gelitten habe, wie die Frau behaupte.

Sie habe sich vertrösten lassen, erklärt die Klägerin. Die Journalistin habe ihr versprochen, sie werde auch ein Buch über sie schreiben, in dem die Wahrheit stehe. Es hätten mehrere Treffen stattgefunden, sie habe ihr Unterlagen überlassen. Doch dieses Buch kam nie zu Stande. Lotty Wohlwend habe nie ein Buch versprochen, betont ihre Vertreterin. Selbst, wenn es eine solche Idee gegeben habe, sei sehr schnell klar gewesen, dass dies aufgrund der Persönlichkeit der Klägerin nicht funktionieren könne.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln die Frauen und ihre Anwältinnen über den Vorschlag, den das Bezirksgericht ihnen unterbreitet. Zu einer Einigung kommt es nicht. Sie verlassen den Saal wie sie gekommen sind: als Gegnerinnen. Der nächste Schritt ist ein Beweisverfahren. Das heisst, die Frauen werden sich wohl erneut vor Gericht treffen.

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