Schweizweit sinkt die Zahl der Benzin- und Dieselautos – nicht aber in der Ostschweiz

Weniger Personenwagen mit klassischem Verbrennungsmotor: Diese nationale Trendwende lässt in der Ostschweiz noch auf sich warten.

Adrian Vögele
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Andrea Stalder

Es ist eine Trendumkehr nach jahrzehntelangem Anstieg: In der Schweiz ist die Zahl der Autos mit klassischen Verbrennungsmotoren im vergangenen Jahr gesunken. Dies zeigen Zahlen, die der Bund am Freitag veröffentlicht hat. Das Minus ist zwar im mikroskopischen Bereich – 6900 Benzin- und Dieselautos weniger, bei einer Summe von 4,48 Millionen –, aber dennoch bemerkenswert. Denn die Elektro- und Hybridfahrzeuge legen gleichzeitig auf tiefem Niveau stark zu, so dass die Gesamtzahl der Personenwagen weiterhin ansteigt.

In Zürich zeigt sich dieselbe Entwicklung auch auf kantonaler Ebene. In der Ostschweiz hingegen ist diese Trendwende noch nicht so richtig angekommen. Hier hat sich der Zuwachs an Autos mit klassischen Verbrennungsmotoren zwar verlangsamt, er findet aber weiterhin statt – mit einer Ausnahme: Appenzell Ausserrhoden hat 172 Diesel und Benziner weniger als im Vorjahr.

Vierradantrieb und längere Distanzen auf dem Land

Der Auto-Gewerbeverband Schweiz (AGVS) rechnet damit, dass sich der Rückgang der Autos mit klassischen Verbrennungsmotoren etwas später auch in den anderen Kantonen bemerkbar machen wird. «Alternative Antriebe, allen voran die Elektroautos, benötigen eine entsprechende Ladeinfrastruktur – die hat nicht jedermann zu Hause zur Verfügung» sagt Mediensprecherin Anina Zimmerli. In ländlichen Regionen würden mit dem Auto längere Distanzen pro Tag zurückgelegt, entsprechend sei die Reichweite der Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur für Elektroautos wichtiger als anderswo. Kommt hinzu: «Auf dem Land ist man eher noch auf Vierradantrieb angewiesen», und bei diesen Fahrzeugen sei das Angebot an alternativen Antrieben noch relativ dünn.

Ausserrhoden hat jedoch die Trendwende geschafft, obwohl Allradautos hier sehr beliebt sind. Der Rückgang bei den Verbrennungsmotoren der Zunahme bei den alternativen Antrieben sagt Andreas Vetsch, Leiter des kantonalen Strassenverkehrsamts. Ein Grund dafür sei, dass der Kanton die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgebaut habe. «Im Kontext der Klimakrise ist diese Verschiebung die logische Konsequenz.»

Die Zahl der reinen Elektroautos wächst zwar stark – in der Ostschweiz von 1900 auf 3600 im vergangenen Jahr –, ihr Anteil an der gesamten Personenwagenflotte ist aber immer noch klein. Schweizweit sind es 0,6 Prozent (Vorjahr: 0,4 Prozent). In der Ostschweiz hat der Kanton Thurgau dank staatlicher Fördermassnahmen die Nase vorn und kommt auf 0,7 Prozent. Den regional tiefsten Wert hat St.Gallen mit 0,57 Prozent, die beiden Appenzell liegen dazwischen. Etwas höher sind die Zahlen der Hybridautos, jedoch zeigt ihre Wachstumskurve nicht ganz so steil nach oben wie jene der Stromautos. National beträgt der Anteil der Hybrid-Personenwagen 2,1 Prozent (Vorjahr: 1,7 Prozent).

Der Abgasskandal wirkt immer noch

Bei den Autos mit Verbrennungsmotor fällt auf, dass die Zahl der Benziner seit Jahren abnimmt, während die Dieselfahrzeuge zulegen. Das hängt laut Bund damit zusammen, dass die Dieselautos, deren Boom erst nach dem Jahr 2000 einsetzte, im Schnitt noch deutlich jünger sind als die Benziner. Daher werden weniger Diesel aus dem Verkehr gezogen als Benziner.

Bei den Neuwagen ist das Bild genau umgekehrt: Die Zahl der neu in Verkehr gesetzten Benziner steigt, jene der Diesel sinkt. Die bekannt gewordenen Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen wirken sich immer noch auf die Nachfrage aus. Das Image des Diesels habe gelitten, sagt Dino Graf, Leiter Kommunikation beim Autoimporteur Amag. Die teilweise «vernichtende» Darstellung in den Medien entspreche jedoch nicht den Tatsachen:

«Ein modernes Dieselaggregat ist sehr effizient und hat einen deutlich geringeren CO2-Ausstoss als ein Benziner.»

Treibstoffverbrauch der Neuwagen steigt wieder

Dass die Zahl der Autos mit Verbrennungsmotor schweizweit abnimmt, heisst noch nicht, dass die Neuwagen als Gesamtheit umweltfreundlicher werden. Das Gegenteil ist der Fall: Seit einigen Jahren steigen der CO2-Ausstoss und der Treibstoffverbrauch im Mittel wieder an. Der Wechsel von Dieselautos auf Benziner ist ein Grund dafür, wie Dino Graf sagt. Neue Messmethoden und Vorschriften kommen hinzu. Aber auch die Beliebtheit von Allradfahrzeugen und SUV spielt laut Anina Zimmerli eine Rolle. «Autos wurden in den letzten Jahren tendenziell wieder schwerer und grösser.» Etwa jeder zweite Neuwagen in der Ostschweiz hat Vierradantrieb. Die schlechteste CO2-Bilanz hat die Neuwagenflotte im Kanton Zug (152 Gramm pro Kilometer), gefolgt von Graubünden, Schwyz und Nidwalden. Die Ostschweizer Kantone befinden sich im Mittelfeld. Den höchsten Wert hat ausgerechnet Ausserrhoden mit 141 Gramm.