Schweizweit im Fokus

Der Thurgauer Regierungsrat schickt den neuen Lehrplan Volksschule Thurgau in die Vernehmlassung. Und damit ist der Kanton auf einmal schweizweit im Fokus.

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Der Thurgauer Regierungsrat schickt den neuen Lehrplan Volksschule Thurgau in die Vernehmlassung. Und damit ist der Kanton auf einmal schweizweit im Fokus. Denn der Regierungsrat setzt im neuen Lehrplan um, was der Grosse Rat bereits vor zwei Jahren beschlossen hat: Das Frühfranzösisch wird abgeschafft. Die Beachtung, die dem Thurgau zukommt, ist aber wenig schmeichelhaft.

Rote Linie überschritten

Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), bedauerte im Schweizer Radio SRF 1, dass immer mehr Kantone beim Französischunterricht Sonderzüglein fahren. Wenn es so weitergehe, resultiere wieder ein Flickenteppich. Und gegen diesen habe sich das Volk bei der Abstimmung über die Schulharmonisierung 2006 deutlich ausgesprochen.

Dass der Bundesrat ein Machtwort in dieser Sache sprechen könnte, hatte Innenminister Alain Berset bereits im Vorfeld des Thurgauer Lehrplans mehrmals angekündigt. Der Innenminister erwägt dazu eine Änderung des Sprachengesetzes. Für die Landesregierung ist die zweite Landessprache in der Primarstufe wesentlich. Die Kantone wüssten, dass sie diese rote Linie nicht überschreiten dürften, warnte sie.

In Basel bereits umgesetzt

Laut Angaben der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren haben – ein Jahr nach Vorliegen des Lehrplans 21 – bisher 18 der 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone die Einführung von entsprechenden neuen Lehrplänen beschlossen. Bereits seit Sommer 2015 wird in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft im Kindergarten und in der Primarschule mit je einem neuen kantonalen Lehrplan gearbeitet. Noch nicht entschieden ist die Einführung neuer Lehrpläne im Kanton Aargau, in Appenzell Innerrhoden und im Wallis.

Widerstand in einigen Kantonen

In 13 Kantonen regte sich Widerstand gegen die Einführung des einheitlichen Lehrplans. Unter anderem in Zürich, Bern und St. Gallen sowie im Thurgau. Hier ist eine entsprechende Volksinitiative bereits zustande gekommen. Fünf Komiteemitglieder haben nun der Thurgauer Regierung einen Brief geschrieben. Ziel ist es, dass möglichst bald abgestimmt wird. So würden mit Blick auf ein allfälliges Ja zur Initiative nicht unnötig Steuergelder in den Sand gesetzt. (sda/ck)