Schweizerinnen mit Hang zum Düsteren

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1948 schrieb Hanna Willi im «Tagblatt» eine ganze Seite zum Thema «Frauen an der Olma». Was ihr auffiel: Viele Frauen drängten sich besonders um den Stand, an dem Pflaster und Verbandsmaterialien feilgeboten wurden. Dieses Inter­esse an der «unerfreulichen Seite des Daseins» befremdete die Schreiberin zunächst. Doch dann erinnerte sie sich an einen «ausländischen Psychologen», der behauptete, die Schweizerin sei eine Frau mit viel Sinn für die Tragik und fühle sich vom Düsteren magisch angezogen. Höhepunkt des schweizerischen Frauendaseins seien Katastrophen in ihrer Umwelt. Gegen diese Darstellung habe sie sich heftig gewehrt, so Willi: «Auch wir haben Sinn für Fröhlichkeit und Humor.» Als sie aber den weiblichen Andrang am Leukoplast-Stand sah, schien ihr das Psychologenurteil «doch irgendwie gerechtfertigt».