Schweizer Armee schliesst Army Liq-Shops

Die Schweizer Armee schliesst auf Ende Jahr ihre Army-Liq-Shops. Davon betroffen ist auch einer der umsatzstärksten Shops, nämlich derjenige beim Zeughaus in der Stadt St.Gallen.

Umberto W. Ferrari
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Die Schweizer Armee schliesst die Army Liq-Shops auf Ende dieses Jahres. (Bild: Ralph Ribi)

Die Schweizer Armee schliesst die Army Liq-Shops auf Ende dieses Jahres. (Bild: Ralph Ribi)

Als die Army- Liq-Shops vor über zehn Jahren von der Schweizer Armee eröffnet wurden, waren deren Artikel ein Renner oder wie die Homepage des St.Galler Army-Liq-Shops heute noch schreibt: «Eine wahre Fundgrube für Landwirte, Bastler, Homeworker, Pfadfinder, Kleingewerbler und Sammler.» Tatsächlich ist – oder vielmehr war – das Angebot vielfältig. Weit über 200 Artikel lagen für den Verkauf bereit. Von der funktionstüchtigen Armee-Taschenlampe für 2 Franken über das Feldtelefon 53 für 20 Franken, die mechanische Schreibmaschine Hermes 3000 für 30 Franken bis hin zum Benzinvergaserbrenner für 30 Franken und zum Notstromaggregat für 1000 Franken war fast alles zu haben, was die Armee im Angebot hatte. Waffen ausgenommen.

Ab Ende Oktober geschlossen
Jetzt steht der St.Galler Army- Liq-Shop vor dem Aus, und mit ihm auch diejenigen in Bellinzona, Liestal und Yverdon-les-Bains. «St.Gallen schliesst Ende Oktober, weil die Armee die Verträge mit den Kantonen gekündigt hat», sagt Peter Müller, stellvertretender Leiter Amt für Militär und Zivilschutz des Kantons St.Gallen. Diejenigen in den Kantonen Basel-Landschaft, Bellinzona und Waadt schliessen ebenfalls im Herbst.

Zu grosser Aufwand
«Noch nicht abschliessend entschieden ist über die Liq-Shops, die durch die Ruag betrieben werden», sagt Roland Jungi, Projektleiter bei der Logistikbasis der Armee (LBA). Dabei handelt es sich um die drei Läden in Thun, Seewen und Chur sowie den Tech-Liq-Shop in Münchenbuchsee. «Sicher ist, dass es zu weiteren Schliessungen kommt. Es ist auch möglich, dass alle geschlossen werden», sagt Jungi. Der Entscheid fällt in der zweiten Jahreshälfte. Das in den Liq-Shops angebotene Material stammt aus den Beständen der Schweizer Armee und wird nicht mehr gebraucht, weil die Armee immer kleiner oder das Material zum Teil durch neues ersetzt wurde. Zwar wird es in der Armee auch künftig Material geben, das nicht mehr gebraucht und deshalb ausgemustert werden muss. Aber es ist bedeutend weniger – und es würde nicht mehr ausreichen, die bestehenden Shops mit genügend Material zum Verkauf zu versorgen. «Möglich ist, dass das ausgemusterte Material über Grossisten oder in nur noch einem Liq-Shop verkauft wird», sagt Jungi.

Lösungen für Mitarbeiter
St.Gallen war einer der umsatzstärksten aller Liq-Shops, die durch die Kantone betrieben werden. Im Shop beim Zeughaus auf der Kreuzbleiche arbeiteten laut Müller zwei Personen, für die Lösungen gefunden wurden. Wie es an den anderen Standorten ausschaut, vermochte Jungi nicht zu sagen, weil sie in der Verantwortung der Kantone und nicht in jener der Logistikbasis der Armee liegen.

Armee-Gant abgeschafft
Bereits vor drei Jahren, nämlich im April 2008, hatte die Schweizer Armee ihre letzte grosse Gant in Thun durchgeführt. An der jährlich stattfindenden Gant, die jeweils Tausende von Personen anlockte, wurden in erster Linie Armeefahrzeuge versteigert und gleichzeitig altes Armeematerial verkauft. Der durchschnittliche Umsatz lag bei 2,5 Millionen Franken. 160 Angehörige der damaligen Logistikbrigaden wendeten laut LBA für die Vorbereitung und Durchführung der Gant jeweils rund 5000 Arbeitsstunden auf. Das waren Mannstunden und Mittel, welche die Armee anderweitig einsetzen wollte. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit verzichtete sie deshalb ab 2009 auf die Gant.