Schweine und Kühe zu wenig betäubt bei Kastration und Enthornung: Bauer aus Muolen wird schuldig gesprochen

Vor dem Kreisgericht St.Gallen stand am Montag ein Bauer aus Muolen. Ihm wird vorgeworfen, seine Schweine und Kühe gequält zu haben. Bei der Kastration und Enthornung habe er die Tiere nicht richtig betäubt. Das Gericht verhängt eine bedingte Geldstrafe von 50'000 Franken.

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(red) Tausende von Ferkeln haben bei der Kastration auf diesem Bauernhof in Muolen gelitten. Deshalb wirft der Staatsanwaltschaft dem Bauern mehrfache vorsätzliche Tierquälerei vor. Weil der Angeklagte das Narkosegerät zu wenig lange angesetzt hat – nur 70 bis 75 Sekunden statt 90 Sekunden – sei zu wenig Narkosegas in die Ferkel gedrungen und der Schmerzausschluss sei nicht gewährleistet gewesen. Das sagt Beatrice Giger, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft St.Gallen gegenüber dem Regionalfernsehsender TVO. Zudem habe der Bauer eine zu tiefe Narkosegas-Konzentration verwendet.

Andere Angaben in den Betriebsanleitungen

Aufgrund dieser Ausgangslage forderte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Weil in den Betriebsanleitungen der Narkosemaschinen andere Angaben vorzufinden gewesen seien und unklar sei, wie viele Tiere tatsächlich betroffen waren, forderte die Verteidigung hingegen einen Freispruch. «Die Anzahl, welche von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wurde, basiert auf Schätzungen und Mutmassungen», sagt der Verteidiger Markus Ehr. «Wir verlangen deshalb nach dem Grundsatz ‹Im Zweifel für den Angeklagten› einen Freispruch.»

Das Kreisgericht St.Gallen spricht den Bauern nun aber wegen Tierquälerei schuldig und spricht eine bedingte Geldstrafe von 50'000 Franken und eine Busse von 6'000 Franken. «Die Staatsanwaltschaft ist mit dem Urteil zufrieden», sagt Beatrice Giger. Und auch die Verteidigung stellt klar: «Wir sind positiv überrascht. Dies, weil die Strafanträge der Staatsanwaltschaft gekürzt wurden», sagt Markus Ehr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.