Schwarzfahrer am Steuer

Im Kanton St. Gallen werden wöchentlich durchschnittlich vier bis fünf Motorfahrzeugführer während der Dauer des Führerausweisentzugs beim Fahren «erwischt».

Paul Schawalder
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st. gallen. Wie Hanspeter Krüsi, Chef Mediendienst der Kantonspolizei St. Gallen, bestätigte, gehen der Polizei jede Woche vier bis fünf Fahrer eines Motorfahrzeuges trotz Entzug oder trotz Verweigerung der Abgabe eines Führerausweises ins Netz. Das sind immerhin 230 bis 250 Fälle pro Jahr.

Es drohen hohe Strafen

Selbst für Krüsi ist diese Zahl – ohne die Dunkelziffer – überraschend hoch, denn die Strafe sei unter Umständen recht massiv, sagte Krüsi. Das Vergehen könne laut Gesetz mit Freiheitsentzug bis zu drei Jahren oder einer entsprechenden Geldbusse samt Verfahrenskosten bestraft werden.

Das Beispiel der halsbrecherischen Fahrt eines Betrunkenen in der Nacht auf Montag in St. Gallen hat zwar glimpflich geendet, zeigt aber auf, welche akuten Gefahren dadurch für andere Verkehrsteilnehmer bestanden haben. Bei der Stadtpolizei St. Gallen wird das Vergehen als schwerwiegend bezeichnet.

Filmreife Fahrt

Der mit knapp drei Promille alkoholisierte Deutsche raste – teilweise als Geisterfahrer – im Raum St. Gallen durch verschiedene Strassen. Seinen Führerschein hatte er aber im März 2010 abgeben müssen. Dabei rammte er mit seinem Geländefahrzeug mehrmals die Polizeifahrzeuge und ignorierte Rotlichter bei Ampeln.

Trotzdem wurde der verhaftete Fahrer nach der Befragung aus der Untersuchungshaft entlassen. Dies sei durch die Gesetzgebung zu erklären, wie es bei der Stadtpolizei hiess. Die Entlassung sei erfolgt, nachdem alle erforderlichen Amtshandlungen vorgenommen und die Vorfälle dokumentiert gewesen seien, sagte Benjamin Lütolf, Mediensprecher der Stadtpolizei.

Entzug schützt

Einleuchtend ist, dass der Führerausweisentzug nicht auf eine Lappalie folgt, sondern als Ordnungsmassnahme Sinn macht und Verkehrsteilnehmer schützt – auch den, der den Ausweis abgeben muss. Dass es häufig zum Delikt des Fahrens ohne Ausweis kommt, begründet Hanspeter Krüsi auch damit, dass es den Bestraften grosse Mühe mache, auf das Fahrzeug verzichten zu müssen. Der Versuchung zu erliegen, sei oftmals ein kleiner Schritt.