«Schwarzer Tag für Musikfestivals»: Keine Open Airs in St.Gallen und Frauenfeld, kein Summerdays in Arbon – so reagieren die Verantwortlichen

Der Bundesrats-Entscheid bezüglich Grossveranstaltungen ist da: Die grossen Ostschweizer Musikfestivals können wegen Corona nicht stattfinden. Die Enttäuschung der Verantwortlichen ist gross. Das Open Air Frauenfeld will dafür im Jahr 2021 mit einem Mega-Festival auftrumpfen, und die St.Galler Verantwortlichen hoffen, dass möglichst viele ihr Ticket fürs nächste Jahr behalten.

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Kein Schlamm, kein Relaxen am See und kein Abfeiern zu Hiphop: Das Aus für das Open Air St.Gallen, das Arboner Summerdays und das Open Air Frauenfeld ist Tatsache.

Kein Schlamm, kein Relaxen am See und kein Abfeiern zu Hiphop: Das Aus für das Open Air St.Gallen, das Arboner Summerdays und das Open Air Frauenfeld ist Tatsache.

Bild: Hanspeter Schiess

(pd/lim/nat/sko) Lange war unklar, ob und wie die Verantwortlichen des Open Airs St.Gallen, des Summerdays in Arbon und des Open Airs in Frauenfeld auf die Corona-Pandemie reagieren würden. Jetzt steht fest: Alle drei Festivals fallen aus. Dies, da der Bundesrat wegen der Coronakrise bis Ende August Anlässe mit über 1000 Personen nicht erlaubt, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Besucherrückgang und neuer Hauptsponsor

Am Open Air St.Gallen wären dieses Jahr Acts wie Mando Diao, Placebo, Deichkind oder Annenmaykantereit aufgetreten. Für das Festival kommt die Absage zu einem speziell ungünstigen Zeitpunkt. In den vergangenen drei Jahren verzeichnete das Festival einen Besucherrückgang. Anfang dieses Jahres stieg der deutsche Ticket-Gigant CTS Eventim als neuer Mehrheitsaktionär ein, mit Aldi hat das Festival einen neuen Hauptsponsor.

Schnappschüsse von der Sitterbühne wird es dieses Jahr nicht geben.

Schnappschüsse von der Sitterbühne wird es dieses Jahr nicht geben.

Bild: Urs Bucher

Festivalchef Christof Huber spricht in einer ersten Stellungnahme von einem «schwarzen Tag für die Musikfestivals». Die Musiker und Bands, welche diesen Sommer ins Sittertobel gekommen wären, sollen nun wenn immer möglich 2021 in St.Gallen auftreten. Dementsprechend sollen die Tickets, die bereits fürs jetzt abgesagte Open Air abgesetzt worden sind, gültig bleiben – sie können aber auch zurückgegeben werden, wie Huber erklärt. Die Verantwortlichen hoffen jedoch, dass möglichst viele Musikfans ihre Tickets behalten werden.

Bei Aldi Suisse hiess es vergangene Woche auf Anfrage: «Sollte das Festival aufgrund der aktuellen Situation abgesagt werden müssen, würden wir dies selbstverständlich sehr bedauern. Natürlich halten wir uns jedoch strikt an die Anweisungen des BAG und akzeptieren diese in jedem Fall zu 100 Prozent.»

Dem Coronavirus zum Opfer fällt nicht nur das Open Air St.Gallen, sondern auch das Summerdays-Festival in Arbon, das ebenfalls von Direktor Christof Huber verantwortet wird. Die bekanntesten Namen dieses Jahr wären Peter Maffay, Kim Wilde, 77 Bombay Street und Patent Ochsner gewesen.

Beste Stimmung an traumhafter Lage: Fans am Arboner Summerdays.

Beste Stimmung an traumhafter Lage: Fans am Arboner Summerdays.

Bild: Donato Caspari

Frauenfeld: Ein Drittel der Investitionen bereits getätigt

Aussetzen muss heuer ebenso das Open Air Frauenfeld, das vom 9. bis zum 11. Juli mit Headlinern wie Kendrick Lamar, Sido oder Loredana insgesamt 180'000 Besucher aus aller Welt in die Grosse Allmend hätte locken wollen. Somit wäre das grösste Hip-Hop-Festival Europas und die Veranstaltung mit dem grössten Besucherzuspruch im Thurgau mit täglich 50'000 Besuchern wohl zum vierten Mal in Folge ausverkauft gewesen.

Tickets aus Frauenfeld behalten Gültigkeit bis Mega-Festival 2021

Wie viele der Organisatoren grosser Schweizer Festivals hatten auch die Veranstalter des Open Airs Frauenfeld vor der Bekanntgabe eines behördlichen Veranstaltungsverbot aus Bern gezögert. Nun ist Gewissheit da, das Open Air Frauenfeld 2020 ist definitiv abgesagt und verschoben auf den Sommer 2021. Mediensprecher Joachim Bodmer:

«Das behördlich verordnete Verbot lässt uns keine andere Wahl.»

Er spricht von einer traurigen und bitteren Gefühlslage, vor allem weil die jetzige Absage «ein sehr grosses Defizit hinterlässt». Denn rund ein Drittel des jährlichen Budgets von rund 15 Millionen Franken haben die Organisatoren bereits ausgegeben. «Aber wir sich auch erleichtert, dass wir uns jetzt voll aufs Festival 2021 konzentrieren können», sagt Bodmer.

Es gehe jetzt darum, dass alle ihren Anteil dazu beitragen, die Pandemie baldmöglichst zu stoppen. Denn «die Sicherheit und Gesundheit aller geht vor».

Offene Fragen zu Hilfestellung mit öffentlichen Geldern

Zu Vertragsauflösungen und juristischen Angelegenheiten kann sich Bodmer nicht äussern. Ebenso bleibt die Frage unbeantwortet, ob die First Event AG als Veranstalterin beim Kulturamt ein Gesuch um finanzielle Unterstützung eingereicht hat. Der Kanton hatte als Hilfestellung für Sport- und Kulturveranstalter einen Betrag von fünf Millionen in Aussicht gestellt. «Wir sind und waren laufend im Kontakt mit den Behörden», sagt Bodmer. Für detaillierte Angaben sei es noch zu früh.

Pikant: Mitte April äusserte sich Regierungsrat Walter Schönholzer in einer TVO-Sendung auf eine entsprechende Frage:

Walter Schönholzer, Regierungsrat Kanton Thurgau.

Walter Schönholzer, Regierungsrat Kanton Thurgau.

(Bild: Andrea Stalder)
«Wenn der Kanton bei so riesigen Veranstaltungen wie dem Open Air Frauenfeld den Support leisten muss, sprengt das die Möglichkeiten.»

Nach der jetzigen Absage wollen die Verantwortlichen ihren Blick lieber in die Zukunft richten, voraus auf 2021. «Das Festival wird nicht kleiner, sondern grösser», sagt Bodmer. Demnach soll das OAF 2021 einen Tag länger dauern als bisher. Zudem behalten alle schon verkauften Tickets ihre Gültigkeit. Zuletzt haben im Internet Infos die Runde gemacht, wonach Ticketinhaber für zukünftige Anlässe Gutscheine erhalten. Dem schiebt Bodmer einen Riegel und sagt: «Das Ticket von 2020 kann ohne Mehrkosten gegen ein Ticket für 2021 getauscht werden.»

Feiernde Fans am Open Air Frauenfeld – das gibt es erst nächstes Jahr wieder.

Feiernde Fans am Open Air Frauenfeld – das gibt es erst nächstes Jahr wieder.

Bild: Andrea Stalder

Absagen weltweit

Auch in anderen Ländern können Open-Air-Festivals nicht durchgeführt werden. Das Glastonbury-Festival in England, das jeweils 200'000 Besucherinnen und Besucher anlockt, fällt aus. Ebenfalls abgesagt wurde das Roskilde-Festival in Dänemark mit rund 160'000 Besucherinnen und Besuchern. Gleiches gilt für die Festivals in Deutschland: Dort sind alle Grossveranstaltungen in Deutschland bis einschliesslich 31. August untersagt.

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