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Schwarzarbeit an der Olma? St.Galler Kreisgericht spricht Süsswarenhändler frei

Ein Süsswarenhändler war per Strafbefehl mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er seine Verlobte an der Olma schwarz arbeiten liess. Das Kreisgericht St.Gallen entlastete ihn und sprach ihn von Schuld und Strafe frei.
Claudia Schmid
Der Vorfall ereignete sich an einem Süsswarenstand an der Olma. (Symbolbild: Donato Caspari)

Der Vorfall ereignete sich an einem Süsswarenstand an der Olma. (Symbolbild: Donato Caspari)

Der Süsswarenhändler war letzten Herbst mit seinem Stand an der Olma präsent, den er mit der Unterstützung einer Angestellten betrieb. Während dieser Zeit war seine Verlobte aus Brasilien bei ihm auf Besuch. Damit sie während der langen Messezeit nicht alleine zu Hause bleiben müsse, habe er ihr eine Dauerkarte gekauft und sie täglich mit an die Olma genommen, erklärte der Mann am Kreisgericht St.Gallen.

Mit Schürze im Stand gesehen

An einem Nachmittag kam ein Kontrolleur am Stand vorbei und sah dort die Frau mit Arbeitsschürze. Er kontrollierte ihren Pass und kam zum Schluss, dass sie am Stand als Schwarzarbeiterin tätig war. Der Kontrolleur gab zu Protokoll, er habe gesehen, wie sie eine Schachtel in der Hand gehabt, daraus Süssigkeiten genommen und die Schachtel anschliessend zusammengefaltet habe.

Was darauf passiert sei, beschäftige ihn und seine heutige Ehefrau noch immer, erzählte der Süsswarenhändler. Der Kontrolleur habe gesagt, er müsse die Frau auf die Wache mitnehmen, um sie zu befragen. Als sie eingeschüchtert noch kurz auf die Toilette habe gehen wollen, sei der Kontrolleur davon ausgegangen, sie wolle fliehen. Er habe sie von hinten an den Haaren und am Kragen gepackt, um sie aufzuhalten.

Vier Polizisten in Uniform

Der Kontrolleur habe schliesslich die Polizei alarmiert, worauf vier bewaffnete Beamte in Uniform neben ihm postiert gewesen seien, bis er den Stand geschlossen habe, um ebenfalls auf die Wache mitzugehen. In Händlerkreisen sei danach das Gerücht kursiert, die Polizei habe sein Geschäft geschlossen, weil er illegale Ware verkauft habe. Bei der Befragung auf der Wache habe man ihm nicht geglaubt, dass es sich bei der Frau um seine Verlobte handle, die er bald heiraten werde. Fast schon hämisch sei er gefragt worden, wie er sich denn mit ihr verständige, da sie ja kein Deutsch könne. Da er ziemlich gut Portugiesisch spreche und ausserdem auch andere Fremdsprachen beherrsche, seien sie durchaus in der Lage miteinander zu kommunizieren, habe er geantwortet.

Einige Zeit später erhielten beide einen Strafbefehl, mit dem sie mit einer Geldstrafe belegt wurden. Der Vorwurf an den Süsswarenhändler hiess «Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung». Gegen diesen erhob der Mann Einsprache. Weshalb sie sich nicht auch gegen den Strafbefehl der Frau gewehrt hätten, wollte der Einzelrichter wissen. In der Zwischenzeit sei dieser wohl rechtskräftig geworden. Es handle sich um ein Missverständnis, antwortete der Befragte. Da beide Strafbefehle dieselbe Nummer hätten, sei er davon ausgegangen, dass mit einer Einsprache beide Strafbefehle gemeint seien.

Kultur und Sprache kennenlernen

Sowohl der Beschuldigte als auch seine Verteidigerin betonten, die Frau habe nicht am Stand gearbeitet. Eine der einheitlichen Arbeitsschürzen habe sie getragen, um sich dazugehörig und nicht als normale Touristin zu fühlen. Stolz sei sie damit zu den Ställen und andere Ecken auf dem Olmagelände spaziert. Zahlreiche Fotos, die in den Akten lagen, bestätigten dies.

Er habe seine Verlobte gar nicht als Arbeitskraft beschäftigen können, da sie kein Deutsch spreche und keine Kenntnisse über die Verkaufsware habe, erklärte der Süsswarenhändler. Ihm sei absolut bewusst gewesen, dass sie während ihres Aufenthaltes in der Schweiz nicht arbeiten dürfe, was aber sowieso niemals die Absicht gewesen sei. Zwischen den Streifzügen durch die Olma sei seine Verlobte jeweils wieder zum Stand zurückgekommen, habe viele Fragen gestellt und vielleicht auch mal in eine Schachtel gegriffen, um sich eine Süssigkeit herauszunehmen. Sie habe sich sehr für die Schweizer Gepflogenheiten interessiert. Zweck ihres Aufenthaltes vor der Hochzeit sei auch gewesen, Kultur und Sprache kennenzulernen.

Freispruch von Schuld und Strafe

Für den Einzelrichter war der Fall klar. Er sprach den Beschuldigten von Schuld und Strafe frei. Selbst wenn die Frau einmal kurz eine Schachtel aufgemacht und weggeräumt habe, könne man dies als Gefälligkeit bezeichnen. Damit aber habe sich der Süsswarenhändler keine legal eingestellte Arbeitskraft erspart. Eine Arbeitsrelevanz sei nicht ersichtlich. Auf Schnappschüssen, welche die Frau in Arbeitsschürze im Stand zeigten, stehe sie stets teilnahmslos herum.

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