Schutzmassnahmen-Protest
Nach illegaler Kundgebung: Vizepräsident von Urnäsch kritisiert die Organisatoren der Coronademo

Die Coronamassnahmen-Skeptiker haben die Polizei ausgetrickst, indem sie ihren Protest spontan von Bern nach Urnäsch verlegt haben. Über 500 Protestierende zogen am Samstag durch das Ausserrhoder Dorf. Der Vizepräsident der Gemeinde Urnäsch betont, die Organisatoren der Demo hätten ihren Protest anmelden müssen.

Meret Bannwart und Daniel Walt
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Aufmarsch der Massnahmengegnerinnen und -gegner: In Urnäsch nehmen am Samstag über 500 Personen an einer illegalen Kundgebung teil.

Aufmarsch der Massnahmengegnerinnen und -gegner: In Urnäsch nehmen am Samstag über 500 Personen an einer illegalen Kundgebung teil.

Bild: Benjamin Manser

Trotz den angekündigten Lockerungen des Bundesrats sind die Coronaskeptikerinnen und -skeptiker nicht ruhiger geworden. Das hat sich auch am Samstag wieder gezeigt. In der Ausserrhoder Gemeinde Urnäsch haben sich am frühen Samstagnachmittag Hunderte Protestierender versammelt.

«Wir haben kurz vor dem Mittag Informationen aus der Bevölkerung erhalten, dass ein solcher Anlass stattfinden soll», sagt Dominic Schwarz, Mediensprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei. Dahinter stehe dieselbe Gruppierung, die eine Woche zuvor in Aarau gegen die Coronamassnahmen auf die Strasse gegangen sei. Laut der Kantonspolizei haben insgesamt über 500 Personen an der Demonstration teilgenommen. Der Polizeisprecher erklärte am Samstagmittag:

«Wir bieten nun alle Einsatzkräfte auf, die verfügbar sind.»

Ein Reporter berichtete, dass die Coronaskeptiker, beobachtet von Schaulustigen, durchs Dorf Urnäsch defilierten. Unter den Demonstranten waren zahlreiche Trychler, auch Kantons- und Schweizerfahnen sowie Transparente mit Aufschriften wie «Gemeinsam statt einsam» waren zu beobachten. Teils wurden Unterschriften für die «Stopp Impfpflicht»-Initiative gesammelt.

Die Einsatzleitung der Polizei habe sich im Rahmen der Verhältnismässigkeit für den Dialog entschieden. Dies auch, nachdem die Zahl der geschätzten Anwesenden im Verlauf des Tages von zunächst 200 auf über 500 Personen anwuchs. Es kam zu keinen Ausschreitungen, Sachbeschädigungen oder Verhaftungen.

Gemeinde kritisiert Organisatoren

Thomas Thym, Vizepräsident der Gemeinde Urnäsch.

Thomas Thym, Vizepräsident der Gemeinde Urnäsch.

Bild: PD

Thomas Thym, Vizepräsident der Gemeinde Urnäsch, sagt zur Demonstration:

«In einer Demokratie haben verschiedene Meinungen Platz. Es wäre aber korrekt gewesen, wenn die Organisatoren den demokratischen, regulären Weg gegangen wären und ihren Protest angemeldet hätten.»

Im Vorfeld sei der Gemeinde nichts bekannt gewesen über eine Demonstration. Selber sei er am Samstag nicht in Urnäsch gewesen, deshalb habe er die Stimmung nicht mitbekommen. «Wie ich das Vorgehen der Polizei aus den Medien mitbekommen habe, hat sie mit gesundem Menschenverstand reagiert», sagt Thym zum zurückhaltenden Polizeieinsatz. Es sei ungewohnt für die Ausserrhoder Gemeinde, auf nationaler Ebene für negative Schlagzeilen zu sorgen. «Normalerweise berichtet die Presse über schöne Ereignisse wie den Alten Silvester», so Thym.

In Bern bekamen die Coronaskeptiker am Samstag keine Erlaubnis für ihre Demonstration. In der Bundesstadt wurde mit Absperrungen und hoher Polizeipräsenz frühzeitig gegen mögliche Versammlungen vorgegangen. So tauchten nur ein paar Dutzend Protestierende auf. Laut NZZ rief dies eine neue Strategie bei den Organisatoren auf den Plan: Über den Messengerdienst Telegram begannen sie zuerst, Gerüchte über eine mögliche Demonstration in Zürich zu streuen. Am Nachmittag dann riefen sie Gleichgesinnte dazu auf, für die Demonstration spontan ins Appenzellerland zu fahren.

Durch diese Verwirrungstaktik hatte die Ausserrhoder Polizei keine Möglichkeit, frühzeitig Massnahmen zu ergreifen. Anders als in Bern schritt die Appenzeller Polizei nicht ein und liess die Demonstrierenden gewähren.

50 Bilder

Bild: Benjamin Manser

Organisatoren werden angezeigt

Die Kantonspolizei Ausserrhoden hatte zwar Kenntnis von den geplanten Coronakundgebungen in Bern und Zürich. Warum die Massnahmenskeptiker aber just auf Urnäsch ausgewichen seien, wisse man nicht, sagt der Dominic Schwarz, Sprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei. Die Polizei habe dazu am Samstag auch Demonstranten befragt, jedoch keine Antwort erhalten.

Am späteren Nachmittag löste sich die Kundgebung in Urnäsch allmählich auf. Polizeisprecher Marcel Wehrlin zieht Bilanz:

«Die Kundgebung verlief soweit friedlich. Mehrere Personen, die für die Organisation verantwortlich zeichnen, werden wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung verzeigt.»

Durch Personenkontrollen wurden auch Personalien von Protestierenden aufgenommen. Wie die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden am Samstagabend in einer Mitteilung schrieb, reisten die Demonstranten aus allen Teilen der Schweiz an. Nebst der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden standen auch die Stadtpolizei St.Gallen und Teile der Feuerwehr Urnäsch im Einsatz.

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