Schutz für des Boxers Studierende

Eigentlich hatte sie ja schon im Vorfeld Nein gesagt – die Mediensprecherin von Wladimir Klitschko. «Zum Schutz der Studierenden» seien Journalisten an der HSG nicht erwünscht, wenn der ehemalige Boxweltmeister am Montag seine erste Vorlesung hält.

Martin Rechsteiner
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Der ukrainische Box-Schwergewichtsweltmeister und Unternehmer Wladimir Klitschko, spricht mit Medienschaffenden vor einer Medienkonferenz der Universitaet St. Gallen, am Donnerstag, 4. Juni 2015, in St. Gallen. Wie die Universitaet mitteilt, wird der Doktor der Sportwissenschaften ab Februar 2016 einen Weiterbildungsstudiengang in St. Gallen anbieten. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)..Ukrainian boxing world champion Wladimir Klitschko, center, arrives for a press conference in St. Gallen, Switzerland, Thursday, June 4, 2015. According to th university of St. Gallen, Klitschko will give lectures on sport science at the university starting February 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller) (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Der ukrainische Box-Schwergewichtsweltmeister und Unternehmer Wladimir Klitschko, spricht mit Medienschaffenden vor einer Medienkonferenz der Universitaet St. Gallen, am Donnerstag, 4. Juni 2015, in St. Gallen. Wie die Universitaet mitteilt, wird der Doktor der Sportwissenschaften ab Februar 2016 einen Weiterbildungsstudiengang in St. Gallen anbieten. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)..Ukrainian boxing world champion Wladimir Klitschko, center, arrives for a press conference in St. Gallen, Switzerland, Thursday, June 4, 2015. According to th university of St. Gallen, Klitschko will give lectures on sport science at the university starting February 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller) (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Eigentlich hatte sie ja schon im Vorfeld Nein gesagt – die Mediensprecherin von Wladimir Klitschko. «Zum Schutz der Studierenden» seien Journalisten an der HSG nicht erwünscht, wenn der ehemalige Boxweltmeister am Montag seine erste Vorlesung hält. Klitschko referiert in einem Kurs mit dem Namen «Mastering the challenging world» – (etwa: die Welt mit ihren Herausforderungen meistern). Diese Tatsache rückt das Nein der Mediensprecherin in ein schon fast provokatives Licht. Geradezu eine Einladung dazu, doch einmal einen kurzen Besuch zu wagen… Vielleicht plaudert in der Pause ja der eine oder andere Kursteilnehmer oder gar Dr. Steelhammer selbst aus dem Nähkästchen. Doch ist das einfacher gesagt als getan. Natürlich gaben die Verantwortlichen weder die Örtlichkeit noch die Uhrzeit der Klitschko'schen Vorlesung nach aussen bekannt. Aus den Unterlagen wird aber schnell klar, in welchem HSG-Gebäude es sein muss. An diesem Morgen scheint das Haus aber wie ausgestorben. Das Foyer und die Gänge sind menschenleer, in den Hallen aus weissem Marmor herrscht absolute Ruhe. Alles scheint so, wie man sich den Elfenbeinturm der Wirtschaft vorstellt: sauber, still, steril. Ganz leer ist es jedoch nicht. Gleich neben dem Eingang sitzt eine aufmerksame Receptionistin. Schnell erkundigt sie sich nach dem Vorhaben des leicht verloren wirkenden Journalisten. «Ja, die Vorlesung von Herrn Klitschko ist da drüben», sagt sie, verlangt aber eine Absprache mit der Mediensprecherin der Universität. Diese erlaubt einen kurzen Augenschein – aber erst nach Ende der Vorlesung um 12 Uhr und nur mit der Erlaubnis von Klitschkos Mediensprecherin (die schon einmal Nein gesagt hat). Nun, einen Versucht ist es wert. Man hat ja nicht alle Tage einen ukrainischen Boxer vor der Haustür. Die Zeit scheint jedoch Teil von Klitschkos «challenging world» zu sein: Um 12.45 Uhr öffnet eine Assistentin die Tür, die Studenten, allesamt in Hemd und Anzug, trotten heraus, auf ihre Smartphones starrend. Mit ihnen kommt auch die Mediensprecherin des Boxers aus dem Raum. Und sie sagt auch jetzt wieder: «Nein.» Freundlich, aber bestimmt. «Zum Schutz der Studierenden.» Im Kurspreis von rund 16 500 Franken scheint ein zuverlässiger Schutz vor Journalisten inbegriffen zu sein.

Es wird Zeit aufzugeben. Der weltberühmte Boxer ist durch die offene Tür zu sehen. Er bleibt aber im Vorlesungssaal. Laut dem Kursprogramm könnte er gerade «Evaluation von Methoden, um Barrieren zu überwinden» doziert haben. Das nennt man wohl Ironie des Schicksals.