«Schupfen», Diessenhofen: Meisterliches am Rhein

Verschupft ist dieses Restaurant nun ganz und gar nicht, mindestens heute nicht mehr. Seine Lage ist wunderbar, direkt am Rhein, kurz vor Diessenhofen, wenn man vom Untersee herkommt. Freilich hat es – kommt sein Name daher? – noch einen Schopf.

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Verschupft ist dieses Restaurant nun ganz und gar nicht, mindestens heute nicht mehr. Seine Lage ist wunderbar, direkt am Rhein, kurz vor Diessenhofen, wenn man vom Untersee herkommt. Freilich hat es – kommt sein Name daher? – noch einen Schopf. Darin werden Bankette ausgerichtet, während man den ruhig vorbeiziehenden Rhein plätschern hört. Bei schönem Wetter kann man im Garten sitzen, zwischen viel Grün, mit offener Sicht aufs Wasser.

Aufwendig, aber stilsicher

650 Jahre alt ist der «Schupfen». Die sorgfältig renovierte Gaststube lässt einen etwas von diesen Jahrhunderten empfinden. Auch aus ihr fällt der Blick auf den Rhein, was einem entspannten Essen zuträglich ist.

Modern ist in diesem Lokal die Küche. Am Herd steht Christian Kuchler, Mitte zwanzig, Gault-Millau-Schweiz-Entdeckung 2010, ausgezeichnet mit 14 Punkten. Gastgeberinnen sind die Schwestern Jeannette Fusco und Beatrice Trachsel.

Dass der «Schupfen» keine herkömmliche Fischbeiz mehr ist, wurde zunächst von Gästen beklagt. Geblieben ist noch der Zander à la Schupfen (42.–). Für ihn hat sich bei unserem Besuch die Begleiterin entschieden. Das ist ein schönes Stück Zanderfilet, serviert mit Safran-Kartoffelstock. Selbst hat man sich für gebratene Rotbarbe mit braisiertem Endivie und einer Hummer-Emulsion entschieden (58.–). Die Beschreibung auf der Menukarte wirkt nüchtern, dabei sind es herrlich harmonische Gerichte mit zusätzlichen kleinen Beigaben, schönen Akzenten.

Ihnen gingen als Vorspeisen voraus: Langoustine royale mit Tomatengelée (34.–) und Gänseleber mit Aprikosen und Mandeln (34.–). Leber und halbgetrocknete Aprikosen sind zu einem köstlichen Türmchen geschichtet, begleitet von Würfelchen aus Sauternes-Gelée, in denen ein angeröstetes Mandelplättchen steckt. Die Speisen sind stilsicher angerichtet, nichts ist überladen, kein Firlefanz.

Abgerundet haben wir das Essen mit einer Schupfen-Panna-Cotta, die monatlich anders serviert wird (12.–), und mit verschiedenen Erdbeer-Köstlichkeiten (19.–).

Auch im Garten ist gut sein

Die Karte wechselt vierteljährlich, mit den Jahreszeiten. Zur Wahl standen aktuell etwa auch Dreierlei vom heimischen Kalb mit Petersilien-Gnocchi oder Dreierlei vom Rind an einer Sauce Choron und Kartoffelgratin (je 56.–). Daneben gibt es zwölf Monatskarten und die Karte für die Gartenterrasse.

Dort finden sich der Wurst-Käse-Salat (18.–), Penne-Saucen (19.–), ein Vitello tonnato (29.–) oder das Wiener Schnitzel (42.–) und vieles mehr.

Die Weinkarte bedient mit hiesigen und europäischen Tropfen unterschiedliche Geschmäcker, und dies zu vernünftigen Preisen. Wir wählten zunächst eine Cuvée blanc von Horber in Diessenhofen, ein frischer fruchtiger Wein (7.50/dl), und zu den Hauptspeisen – Fisch hin oder her – den Merlot «Baiocco» des Tessiners Guido Brivio (48.–).

Unser Eindruck: Im «Schupfen» ist ein junger Meister am Werk. Was auf den Tisch kommt stilsicher zubereitet – und vor allem: Es schmeckt grossartig. Das Haus ist ebenso einnehmend wie die Gastgeberinnen und der Service. Urs Bader

Schupfen, 8253 Diessenhofen Steinerstrasse, Tel 052 657 10 42, www.schupfen.ch, Öffnungszeiten: Mi bis So Karte: Vorspeisen 29.– bis 34.–, Hauptgänge 42.– bis 58.–, Monatskarte: 17.– bis 36.–, Gartenterrasse: 11.– bis 42.–