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SCHUNKELROCK: Mehr Volksfest als Open Air

Annähernd 12000 Besucherinnen und Besucher haben am praktisch ausverkauften Startabend des Summerdays Festivals in Arbon ein perfektes Happening erlebt – an dem das perfekt inszenierte Volksfest mindestens ebenso wichtig war wie die Bands.
Michael Hasler
Status Quo mit Francis Rossi (Mitte) rocken wie eh und je. (Bilder: Donato Caspari (Arbon, 25. August 2017))

Status Quo mit Francis Rossi (Mitte) rocken wie eh und je. (Bilder: Donato Caspari (Arbon, 25. August 2017))

Michael Hasler

ostschweiz@tagblatt.ch

Knapp vor acht pinselt die Sonne über Arbon rote Glut in den Himmel und auf den flachen See. Im Hintergrund trällern UB40 einen ihrer zahllosen Reggae-Pop-Hits. Das durchmischte Publikum, im Gros jedoch eher jenseits der 40, tänzelt beschwingt mit. Frauen in Dreiviertelhosen und Flip Flops, Männer in kurzen Hosen und Turnschuhen. Kein Ort für die Stilpolizei also, aber ein Ort für ein paar Stunden entspanntes Loslassen. In der Tendenz gestern Freitagabend vielleicht eher ein Volksfest als ein klassisches Open-Air-Festival.

Natürlich ist das Festival bei wohltemperierten 24 Grad an Land und 22 Grad im Wasser, schmerzloser Reggae-Pop-Musik und anstehendem Boogie-Woogie-Rock praktisch ausverkauft. Vorfälle? Keine – meldet Sabine Bianchi, die in der Festivalleitung für Marketing und Sponsoring verantwortlich ist. Tatsächlich, die wahre Sensation an diesem und an vielen Abenden in Arbon ist es, dass fast 12000 Menschen so friedlich zusammen feiern können, so dass das Sicherheitspersonal beinahe zur Karikatur verkommt. Keine Betrunkenen, die regungslos in einer Ecke liegen, Höflichkeit beim Anstehen, Achtsamkeit beim Tanzen vor der Bühne. Respekt gegenüber den Bands.

UB40 waren nie eine spektakuläre Band, das sind sie auch heute – Jahre über ihrem Zenit angekommen – nicht. Aber so solide wie ehedem retten sie ihre Hits «Red, Red Wine» oder «Can’t Help Falling In Love» über die Zeit. Bei der Coverversion von Jimmy Cliffs «Many Rivers To Cross» fallen sich einige Paare spontan in die Arme. Hunderte Handys zielen urplötzlich auf die Bootsmauer, die sich wie immer vor der Quaianlage aufgebaut hat, und die nun ein wunderbares Sujet für den schnellen Social-Media-Austausch hergibt. Nur 50 Meter von der Hauptbühne entfernt geniessen einzelne Gäste das Konzert auf einer Decke im Liegen – wohl wissend, dass dies kein Abend für Freunde der gepflegten Luftgitarre und anschliessenden Nackenschmerzen werden wird.

Eine herrlich nostalgische Show

Wer sich etwas Mühe gibt, überbrückt die vierzigminütige Wartezeit bis zum Auftritt von Status Quo entweder in der Foodlandschaft oder kann mit etwas Glück die letzten Jahrzehnte seines Lebens beim spontanen Treffen mit ehemaligen Klassenkollegen, Ex-Freundinnen, Arbeits- und Vereinskollegen sowie aktuellen oder ehemaligen Nachbarn überbrücken. Um halb zehn feuern Status Quo überpünktlich die ersten Gitarrenlicks über das Gelände. Das ist deutlich heftiger als erwartet und entsprechend spassiger als mitunter befürchtet. Francis Rossi hat auch mit 68 Jahren kein Gramm Fett auf den Hüften und wirkt noch immer wie ein drahtiger Fechtmeister, der sich im obligaten weissen Hemd plus schwarzem Gilet wie zufällig auf eine Rockbühne verirrt hat. Was folgt, ist eine herrlich nos­talgische Show, die schon vor einem Vierteljahrhundert in Frauenfeld am Out in the Green wohl nur um Nuancen anders daherkam.

Das Publikum hat sich nun stramm vor der Bühne versammelt. Hände gehen in die Höhe – und tatsächlich: die eine oder andere Luftgitarre. «Come On, Sweet Caroline», wuchtet Rossi ins Publikum. Der Publikumschor stimmt mit ein, und unmittelbar vor dem Bühnengraben singt der innerste Kern der Fans jede einzelne Textzeile mit. Müde wirkt hier gar nichts, schon gar nicht die Hüftschwünge der Protagonisten. Gut möglich, dass diese Dinosaurier auch in zehn Jahren noch so unterwegs sein werden. Arbon wäre auch dann ein perfekter Ort für sie, ein Platz, an dem einmal pro Jahr die Zeit der Künstler und des Publikums bewusst stillsteht – oder vielmehr zurückgedreht wird.

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