Schulterschluss im Stiftsbezirk

Der St. Galler Stiftsbezirk soll noch besser gepflegt und geschützt werden und seinen Rang als Unesco–Weltkulturerbe dauerhaft behalten. Hierfür haben Katholische Kirche, Kanton und Stadt eine Vereinbarung unterzeichnet.

Adrian Vögele
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ST. GALLEN. Die Träger des St. Galler Stiftsbezirks verstärken ihre Zusammenarbeit – und besiegeln diese per Unterschrift: Hans Wüst, Präsident des Katholischen Administrationsrates, Regierungsrat Martin Klöti und Stadtpräsident Thomas Scheitlin haben gestern eine Exekutiv-Vereinbarung über Pflege und Schutz der Kulturgüter rund um den Klosterplatz unterzeichnet.

Der Hintergrund: Seit 1983 gehört der Stiftsbezirk zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Anforderungen an Kulturobjekte dieses Ranges sind seither deutlich gestiegen. So verlangt die Unesco für sie seit 2005 einen Managementplan – ein solcher fehlt bisher in St. Gallen. Zudem zeigten Untersuchungen im Jahr 2010, dass der Schutz mancher Objekte im Stiftsbezirk, beispielsweise mobiler oder archäologischer Kulturgüter, den Richtlinien der Unesco nicht genügte. Für den internationalen Status des «verstärkten Schutzes» bei bewaffneten Konflikten (Haager Abkommen), für welchen der Bund den Stiftsbezirk vorgeschlagen hatte, reichte es erst recht nicht.

«Jetzt gilt es ernst»

Nun wollen die Verantwortlichen aufholen. Mit der neuen Vereinbarung haben sich die Exekutiven von Kanton, Kirche und Stadt gemeinsam verpflichtet, den Stiftsbezirk nach internationalem und nationalem Recht zu schützen, den Unesco-Welterbe-Status dauerhaft zu sichern sowie langfristig den oben erwähnten «verstärkten Schutz» gemäss Haager Abkommen zu erreichen. «Doch es geht nicht nur darum, die Kulturgüter zu erhalten», betont Thomas Scheitlin. «Der Stiftsbezirk soll leben können.» Die Vereinbarung sieht auch seine weitere Erschliessung, Erforschung, Vermittlung und angemessene Nutzung vor.

An den bisherigen Gremien, Finanzierungsmodellen, Eigentumsverhältnissen und so weiter ändere sich mit der neuen Vereinbarung nichts, hält Hans Wüst fest. «Die Eigenständigkeit der Träger bleibt gewahrt.» Wohl aber werde die Kooperation im Stiftsbezirk, die in den vergangenen Jahren bereits punktuell und gewissermassen «trainingshalber» bereits stattgefunden habe, für verbindlich erklärt und intensiviert. «Jetzt gilt es ernst.»

Managementplan in Arbeit

Der nächste Schritt nach der Unterzeichnung folgt sogleich: Der Verein Weltkulturerbe Stiftsbezirk wird unter Mitwirkung aller drei Träger einen Managementplan erarbeiten. «Ohne diesen laufen wir Gefahr, das Unesco-Label zu verlieren», sagt Martin Klöti. Der Kanton zahlt 120 000 Franken aus dem Lotteriefonds für den Managementplan, die Stadt und der katholische Konfessionsteil beteiligen sich mit je 15 000 Franken. Das Dokument soll im Frühjahr 2016 vorliegen. «Daraus wiederum lassen sich dann Aufgaben und Massnahmen ableiten», so Klöti. Diese Aufgabenplanung soll auf vier Jahre angelegt und am Ende dieses Zeitraums überprüft und angepasst werden.

Erste Ansätze

Was sich im Stiftsbezirk konkret ändern wird, ist somit noch offen. Erste Ansätze gibt es aber. So sollen die Stiftsbibliothek, eine Institution der Katholischen Kirche, und das Stiftsarchiv, welches je zur Hälfte dem Kanton und der Kirche gehört, eng zusammenarbeiten. Die Umsetzung dieser Idee sei auf gutem Weg, sagt Wüst. «Weiter gilt es beispielsweise, die Kulturgüter von Stiftsbibliothek, Stiftsarchiv und Bischofssitz nach einem besseren wissenschaftlichen Standard zu inventarisieren.» Klöti sieht zudem etwa bei der Vermittlung des Welterbes noch viel Potenzial.

Klimaschäden verhindern

Was den Schutz der Kulturgüter angeht, so denkt Klöti derzeit weniger an bewaffnete Konflikte als an bauliche und klimatische Gefahren – etwa zu viel Feuchtigkeit in den Archiven: «Der Wasserschaden im Staatsarchiv im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie verletzlich die Kulturgüter sind», sagt Klöti. Solche Vorfälle seien zu vermeiden. Auch die Sicherung von mobilen Gütern wie wertvollen Büchern vor Diebstählen und Einbrüchen sei ein wichtiges Thema.

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