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SCHULMODELLE: St.Gallen will Niveaugruppen in der Oberstufe – Thurgau und Ausserrhoden sind schon weiter

Der Kanton St.Gallen will in der Oberstufe den Unterricht in Niveaugruppen einführen. Der Thurgau hingegen hat dies bereits vor einem Jahrzehnt flächendeckend umgesetzt. Auch Appenzell Ausserrhoden ist weiter.
Michael Genova
Schülerinnen und Schüler mit einseitigen Begabungen profitieren vom Unterricht in Niveaugruppen. (Bild: Boris Bürgisser)

Schülerinnen und Schüler mit einseitigen Begabungen profitieren vom Unterricht in Niveaugruppen. (Bild: Boris Bürgisser)

Michael Genova

michael.genova@ostschweiz-am-sonntag.ch

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Die St.Galler Regierung will, das Sek und Real stärker zusammenwachsen. Gemeinsam mit dem Erziehungsrat schlägt sie deshalb vor, dass in der Oberstufe flächendeckend der Unterricht in Niveaugruppen eingeführt wird. Morgen berät der St.Galler Kantonsrat in erster Lesung über eine entsprechende Vorlage.

Mit der Einführung von Niveaugruppen will der Kanton eine höhere Durchlässigkeit zwischen Sekundar- und Realschule erreichen. Schülerinnen und Schüler mit einseitigen Begabungen sollen so besser gefördert werden.

Obligatorium ist umstritten

Seit 2012 können St.Galler Oberstufen den Niveaugruppenunterricht freiwillig einführen. Bislang hat dies rund ein Drittel der 77 Oberstufenzentren getan. Die Regierung will jedoch ein Obligatorium im Volksschulgesetz verankern. Dagegen wehrt sich die vorberatende Kommission. Sie fordert, die Entscheidung über die Einführung von Niveau­gruppen müsse weiterhin den lokalen Schulbehörden überlassen werden. Ebenfalls gesetzlich verankert werden sollen typengemischte Klassen in der Oberstufe – dass also Real- und Sekundarschüler gemeinsam unterrichtet werden.

Worüber in St.Gallen noch debattiert wird, ist in den Nachbarkantonen längst Realität. Fast schon ein Jahrzehnt Erfahrung hat der Kanton Thurgau mit seiner reformierten Oberstufe, der sogenannten durchlässigen Sekundarschule. Im Jahr 2006 beschloss der Regierungsrat, dass die Thurgauer Schulgemeinden das neue Schulkonzept bis spätestens zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 einführen müssen. Mit dem neuen Modell verschwand die starre Aufteilung zwischen Real- und Sekundarschule. Ebenfalls weggefallen ist die Bezeichnung Realschule. Heute gibt es zwei Stammklassen, die Sekundarschule G (grundlegende Anforderungen) und die Sekundarschule E (erweiterte Anforderungen).

Für die Durchlässigkeit sorgt der Niveauunterricht in einzelnen Fächern. Dazu zählen Mathematik und mindestens eine Fremdsprache. Der Niveauunterricht findet in drei Stufen statt.

Der Übertritt von der Primarschule in die Sekundarschule ist prüfungsfrei. Schülerinnen und Schüler werden je nach Stärke in eine der beiden Stammklassen eingeteilt. Laut Beat Brüllmann, Leiter des Thurgauer Amts für Volksschule, ist die durchlässige Sekundarschule nach anfänglicher Skepsis in der Bevölkerung und teils auch bei der Lehrerschaft mittlerweile breit akzeptiert. So gebe es zum Beispiel nur wenige Kinder, die sich gegen ­einen Zuteilungsentscheid wehrten, sagt Brüllmann. Als Hauptgrund dafür sieht er die Durchlässigkeit des Systems. «Wenn ein Kind den Knopf aufgemacht hat, kann es problemlos umgestuft werden.» Jeweils zu Semester­ende können Schülerinnen und Schüler sowohl die Stammklasse als auch die Niveaueinteilung wechseln.

Zuletzt überprüfte der Kanton Thurgau im Jahr 2015 das Schulmodell. Kritiker bemängelten, dass nicht in allen Schulgemeinden dieselben Kriterien bei der Einteilung in Stammklassen zur Anwendung kämen. «Die Chancengerechtigkeit steht ihm Zentrum», sagt Brüllmann. Deshalb habe der Kanton als Reaktion darauf Richtlinien für Umstufungen erlassen. Es sei wichtig, dass bei der Beurteilung von Schülerinnen und Schülern nicht nur die Noten eine Rolle spielten, sondern auch das Lernverhalten und das individuelle Entwicklungspotenzial.

Auch Appenzell Ausserrhoden hat schon mehrere Jahre Erfahrung mit neuen Oberstufenmodellen. Am häufigsten verbreitet seien Sekundarschulen mit Unterricht in Niveaugruppen, sagt Dominik Schleich, Leiter des Ausserrhoder Amts für Volksschule. Niveaugruppen gebe es aber nur in drei bis vier Fächern. Einige Gemeinden setzen auch auf integrierte Modelle. Der Unterricht findet dort in heterogenen Gruppen statt – es gibt also keine Stammklassen.

Autonome Ausserrhoder Schulgemeinden

Laut Schleich setzen die Schulen den Unterricht in Niveaugruppen erfolgreich um. Auch Ausserrhoder Lehrerinnen und Lehrer schätzten die Durchlässigkeit des Systems. Viele Schüler seien hochmotiviert, im erreichten Niveau zu bleiben oder aufzusteigen, sagt Schleich. Darüber hinaus profitierten Lehrpersonen von der fachlichen Zusammenarbeit mit anderen Expertinnen und Experten bei der Vorbereitung des Niveauunterrichts. Die Einführung von Niveaugruppen ist in Appenzell Ausserrhoden nicht obligatorisch. Laut Schleich steht es den Schulgemeinden frei, wie sie den Unterricht organisieren. Geteilte Schulmodelle seien jedoch nicht mehr vorgesehen.

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