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«Der Kanton soll sich nicht als Medienhaus aufspielen»: Schulblatt des Kantons St.Gallen gerät unter Druck

Das Schulblatt des Kantons St. Gallen wurde neu gestaltet. Das Geld würde besser in Projekte investiert, monieren Gegner und kritisieren einmal mehr das Informationsgebaren des Bildungsdepartements.
Regula Weik
Blick in die erste Nummer des neu gestalteten Schulblatts des Kantons. (Bild: Hanspeter Schiess)

Blick in die erste Nummer des neu gestalteten Schulblatts des Kantons. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er spüre eine «ungemein grosse Kraft im Bildungsdepartement, redaktionell tätig zu werden», sagt Guido Etterlin. Anders könne er sich die Anstrengung, die hinter dem neuen Auftritt des amtlichen Schulblatts des Kantons stehe, nicht erklären. «Der Kanton soll sich nicht als Medienhaus aufspielen», sagt der SP-Kantonsrat und Rorschacher Schulratspräsident klipp und klar.

«Der Kanton soll sich nicht als
Medienhaus aufspielen.»

Gemeinsam mit Sandro Hess, CVP-Kantonsrat und Schulleiter, hat er einen politischen Vorstoss eingereicht. Die beiden hatten die Informationspolitik des Bildungsdepartements schon früher kritisiert – erfolgreich. Lediglich einmal erschien im Spätsommer 2017 die «Schulzeit», ein neues Informationsmagazin aus dem Bildungsdepartement. Dann war damit bereits wieder Schluss. Das Kantonsparlament artikulierte damals deutlich, was es von der «überflüssigen Imagekampagne und kostspieligen Werbebroschüre» des Bildungschefs hält – nämlich gar nichts. «Das braucht es nicht.» Bildungschef Stefan Kölliker sah sich sogar mit dem Vorwurf der Propaganda konfrontiert. Einzelne Parlamentarier wiegelten ab, doch selbst Köllikers Partei, die SVP, reagierte verärgert auf die Publikation, die unaufgefordert in sämtliche Haushalte  im Kanton geflattert war – 250000 Exemplare, 32 Seiten dick. Schliesslich hielt auch die Regierung fest: So ganz unheikel sei die «Schulzeit» nicht.

SP-Kantonsrat und Rorschacher Schulratspräsident. (Bild: Regina Kühne)

SP-Kantonsrat und Rorschacher Schulratspräsident. (Bild: Regina Kühne)

Diesmal gehen die Wogen nicht gar so hoch, jedenfalls noch nicht. Das Bildungsdepartement hat auch keine neue Broschüre kreiert, sondern das Amtliche Schulblatt des Kantons überarbeitet. Darin integriert: das «SchulblattExtra». Bildungschef Kölliker schreibt dazu im Editorial: «Darin sollen Themen aller Schulstufen redaktionell aufgegriffen und unter Mitwirkung von Lehrpersonen, Behörden und weiteren Beteiligten praxisbezogen dargelegt und offen diskutiert werden.» Das neu gestaltete Amtsblatt erschien dieser Tage erstmals – sein Schwerpunktthema: «Das Gymnasium neu denken.»

Guido Etterlin ist skeptisch: Das sei doch schlicht «ein Weiterleben der ‹Schulzeit› im Kleinen». Hier werde versucht, die Broschüre in anderer Form «durch die Hintertür» wieder einzuführen. Etterlin und Hess wollen in ihrem Vorstoss von der Regierung denn auch wissen, wie sie die «wahrnehmbar grossen Anstrengungen des Bildungsdepartements, im redaktionellen Business Fuss zu fassen» beurteilt. Gescheiter wäre, das Departement würde sich bemühen, «seinen Dschungel an Informationen besser zu ordnen», sagt Etterlin.

Gedrucktes Schulblatt einstellen?

Mit der Neugestaltung des amtlichen Schulblatts einher geht eine Reduktion der Anzahl Ausgaben. Neu erscheint es noch alle zwei Monate, bislang waren es elf Ausgaben pro Jahr. Etterlin und Hess gehen noch einen Schritt weiter und fragen sich, ob sich der Aufwand für das gedruckte «Schulblatt» überhaupt noch lohne, oder ob es komplett eingestellt werden könnte. «Wer liest das Schulblatt überhaupt noch?» fragt Etterlin. Der Adressatenkreis sei klein. Da stelle sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, die Ressourcen in nachhaltige Bildungsprojekte zu investieren. Die Auflage des «Schulblatts» beträgt 4200 Exemplare.

Das amtliche Schulblatt wäre nicht die erste Publikation des Kantons, die nur noch digital veröffentlicht wird. Bereits im Juni kommt das endgültige Aus für das gedruckte St. Galler Amtsblatt; fortan publiziert es der Kanton nur noch übers Internet. Auslöser dafür war «das veränderte Konsum- und Leseverhalten der Bevölkerung», wie es 2017 in einem politischen Vorstoss dazu hiess. Aber auch die Einsparungen. Die jährlichen Druckkosten fürs Amtsblatt betragen 270000 Franken; der Betrieb der Publikationsplattform kostet noch 70000 Franken pro Jahr.

Die Regierung hat den aktuellen Vorstoss von Etterlin und Hess noch nicht beantwortet.

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