Schüsse wegen Pfefferspray

Das Bezirksgericht Arbon verurteilt einen jungen Mann zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Er hat 2012 in Romanshorn einen Freund ins Bein geschossen.

Maya Mussilier
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ARBON. «Ich finde es erschreckend, dass ich damals zu sowas fähig war», sagt der junge Mann, der sich vor dem Bezirksgericht Arbon für die Schüsse auf einen ehemaligen Kollegen – der nun als Kläger auftritt – verantworten muss. Vergessen würde er es am liebsten. Entsprechend lückenhaft fallen seine Aussagen aus. Auch der Kläger hat Mühe, sich an den Ablauf zu erinnern. Klar ist, dass den Schüssen ein langer Streit vorausgegangen ist.

Eskaliert ist die Situation, als sich die beiden in einem Imbiss in Romanshorn trafen. Der Angeklagte beteuert, dass er das Lokal schnell wieder verlassen hat. Der ihm folgende Kläger rief, dass er noch etwas für ihn habe – zwei Kleidungsstücke. Diese habe er in Begleitung zweier Kollegen holen wollen. «Die beiden waren nur zu meinem Schutz dabei», beteuert der Angeklagte.

Doch dann habe ihm das spätere Opfer im Treppenhaus Pfefferspray ins Gesicht gespritzt. Als der Mann über die Bahnhofstrasse weglief, zog der Angeklagte eine mitgeführte Pistole aus der Tasche und gab mehrere Schüsse ab. Ein Schuss traf den Flüchtenden in den linken Unterschenkel.

Der Angeklagte hatte sich zudem wegen weiterer Delikte zu verantworten. Er entschied sich im März deshalb für einen vorzeitigen Strafvollzug im Massnahmenzentrum Kalchrain.

Das Gericht sprach den Mann der eventualvorsätzlichen versuchten Tötung, der Gehilfenschaft zur Veruntreuung sowie des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz, das Betäubungsmittelgesetz sowie das Heilmittelgesetz schuldig.

Bei der Strafzumessung blieb das Gericht mit fünfeinhalb Jahren unter den vom Staatsanwalt beantragten siebeneinhalb Jahren. Der Angeklagte muss zudem die Untersuchungs- und Verfahrenskosten von 40 906 Franken tragen. Und er hat dem Privatkläger eine Entschädigung von 1638 und eine Genugtuung von 6000 Franken zu bezahlen.