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Schüsse in Hanfplantage: 10,5 Jahre Gefängnis für Fraumünster-Posträuber

Der Coup wurde in einem Take-away geplant und ging schief: Im Februar 2015 drangen sechs Männer in eine Hanfplantage in Altstätten ein. Ein Mann, der bereits als Fraumünster-Posträuber Bekanntheit erlangt hatte, vermasselte den Überfall durch Schüsse auf zwei Bewacher der Rheintaler Indoor-Anlage. Nun muss er für über zehn Jahre ins Gefängnis.
In dieser Hanfplantage in Altstätten trug sich das Geschehen zu. (Bild: Keystone)

In dieser Hanfplantage in Altstätten trug sich das Geschehen zu. (Bild: Keystone)

Es sollte der ganz grosse Coup werden: In der Nacht auf Montag, 16. Februar 2015, überfielen sechs Männer eine riesige Indoor-Hanfplantage in Altstätten. Dort befanden sich knapp 10'000 Pflanzen, deren Blüten einen Wert von mehreren hunderttausend Franken hatten. Bloss: Der Überfall ging schief: Einer der Angreifer schoss auf zwei Wachposten und verletzte diese schwer. In der Folge ergriffen die Täter die Flucht, als sie merkten, dass einer der Bewacher mit dem Tod rang. Nun hat das Kreisgericht Rheintal den für die Schüsse verantwortlichen Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu 10,5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Mann, der den Coup mit seinen Schüssen verpatzte, war ironischerweise wegen seiner Erfahrung als Verbrecher für den Überfall auf die Hanfplantage beigezogen worden. Zweifelhafte nationale Bekanntheit hatte der Mann bereits Jahre zuvor erlangt: 1997 war er am Überfall auf die Zürcher Fraumünster-Post beteiligt gewesen. Damals hatte er mit Komplizen über 53 Millionen Franken erbeutet. Für diese Tat war er schliesslich zu fast fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Vorbereitungen im Take-away

In einer Besprechung in einem Zürcher Take-away einige Stunden vor dem Überfall machten die sechs Männer ab, beim Eindringen in die Hanfplantage Westen mit der Aufschrift "Polizei" zu tragen. Zudem wurde beschlossen, einen Störsender einzusetzen, damit die Bewacher der Hanfanlage nicht per Handy Hilfe anfordern konnten - einer der Männer demonstrierte den anderen im Take-away sogar noch, wie der Sender funktionierte. Selbst an eine Heckenschere hatten die Männer gedacht - sie sollte dazu dienen, das Cannabis zu ernten.

Beim Eindringen in die Anlage stiessen die Männer dann auf zwei Bewacher. Der Fraumünster-Posträuber feuerte aus kurzer Distanz auf sie und verletzte sie schwer. Als sie bemerkten, dass einer der Bewacher mit dem Tod rang, brachen sie den Überfall ab und flüchteten - nicht ohne die Notrufnummer anzurufen und zu melden, dass sich in der Halle zwei Schwerverletzte befänden.

Von der Planung abgewichen

Die unterschiedlichen Rollen beim Überfall schlugen sich in den Urteilen nieder, die das Kreisgericht Rheintal am Mittwochmorgen bekanntgab: Fünf der Angeklagten wurden als Mittäter zu bedingten oder teilbedingten Freiheitsstrafen zwischen 24 und 36 Monaten verurteilt. Ihnen wurden unter anderem mehrfache Freiheitsberaubung, Nötigung oder Amtsanmassung zur Last gelegt. Alle Beteiligten sind zudem gegenüber den beiden verletzten Bewachern schadenersatz− und genugtuungspflichtig.

Der heute 40-jährige Schütze und Haupttäter wurde zusätzlich wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren verurteilt. Dazu sprach das Gericht eine stationäre Massnahme aus. Mit der scharf geladenen Waffe sei er von der Planung abgewichen, warf ihm das Gericht vor.

Geständig und kooperativ

In der Verhandlung hatte der Mann die Verantwortung für die Schüsse auf sich genommen. Er gab aber auch an, die Munition verwechselt zu haben: Statt Gummigeschosse habe er kurz vor dem Überfall im Dunkeln aus Versehen Flintenlaufgeschosse geladen.

Die Verteidigung hatte für ihn eine maximale Freiheitsstrafe von fünf bis sieben Jahren verlangt. Die Anklage forderte hingegen eine Freiheitsstrafe von 11 Jahren, dazu eine stationäre therapeutische Massnahme. Strafmildernd fiel bei allen Angeklagten ins Gewicht, dass sie sich geständig und kooperativ gezeigt hatten. Für die Strafzumessung spielten bei allen neben dem Überfall auch noch andere Taten oder Vorstrafen eine Rolle. Die Urteile des Kreisgerichts Rheintal sind noch nicht rechtskräftig. (dwa/sda)

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