SCHREINEREIBRAND: Fragerunde vor dem Urteil

Das Kantonsgericht St. Gallen beschäftigt sich weiter mit dem Brand einer Schreinerei in Bronschhofen. Gestern hat das Richtergremium vier Auskunftspersonen befragt.

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

ostschweiz

@tagblatt.ch

Angeklagt ist der 32-jährige Sohn des Schreinereibesitzers. Ihm wird vorgeworfen, durch die ungenügende Instruktion eines Lehrlings indirekt einen Brand verursacht zu haben. Dem Feuer war im März 2013 das ganze elterliche Gewerbe- und Wohnhaus zum Opfer gefallen. Dabei entstand ein Sachschaden von über 500000 Franken. Im Haus hatten auch Mieter gewohnt, ­deren Wohnung komplett ausbrannte.

Das Kreisgericht Wil hatte den Schreiner im April 2016 zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Dagegen wehrte er sich am Kantonsgericht. An der Berufungsverhandlung von Ende Februar dieses Jahres ging es vor allem um die Frage, ob tatsächlich ein ölgetränkter Lumpen, den der Lehrling im Abfallkübel entsorgt hatte, für den Brandausbruch verantwortlich war. Die Verteidigung hatte geltend gemacht, es könne ebenso gut sein, dass nach Feierabend noch jemand die Werkstatt betreten habe – möglicherweise ein Raucher. Grund für diese Annahme war, dass nach dem Brand im Eingangsbereich der Mietwohnung zwei Handmaschinen gefunden wurden, die eigentlich in einen Schrank der Werkstatt gehört hätten (Ausgabe vom 25. Februar).

Gestern befragte nun das Richtergremium den Schreinereibesitzer, einen Angestellten, den Lehrling und den ehemaligen Wohnungsmieter. Sie alle waren nicht als Zeugen, sondern als Auskunftspersonen vorgeladen. Der Schreinereibesitzer erklärte, nach dem Brand seien im Eingangsbereich der Wohnung die beiden vom Feuer praktisch unversehrten Maschinen gefunden worden. Ausser der Mieterfamilie habe niemand einen direkten Zugang zu diesem Bereich gehabt. Der Mieter habe hingegen einen Schlüssel zur Werkstatt besessen. Da er ab und zu in der Wohnung Umbauarbeiten gemacht habe, sei es ihm erlaubt gewesen, Maschinen zu benutzen.

Der Lehrling betonte, er habe die ölgetränkten Lumpen erst in den Abfallkübel geworfen, als sie getrocknet gewesen seien. Bereits zwei Tage zuvor, habe er mit Öl gearbeitet und die Lumpen – so wie er von den Vorgesetzten instruiert worden sei – vor dem Entsorgen draussen zum Trocknen aufgehängt. Der Mieter widersprach, dass niemand Zugang zum Eingangsbereich der Wohnung gehabt habe. Über den Keller sei es für alle möglich gewesen, dorthin zu gelangen. Er habe die Werkstatt weder am Brandtag noch in der Woche zuvor betreten. In jener Zeit seien in der Wohnung keine Arbeiten angefallen, deshalb habe er sich auch keine Maschinen ausgeliehen.

Freispruch von Schuld und Strafe verlangt

Der Verteidiger verlangte für seinen Mandanten erneut einen Freispruch von Schuld und Strafe. Es gehe weder darum, dass die Verteidigung dem Gericht die wahre Brandursache präsentiere, noch einen Schuldigen benenne. Die Aussagen der Auskunftspersonen brächten aber klar zum Ausdruck, dass nicht zwingend ein ölgetränkter Lumpen die Brandursache sein müsse, sein Mandant den Lehrling umfassend instruiert habe und die Werkstätte durchaus noch nach Feierabend von jemandem be­treten worden sein könne. Aus all diesen Gründen müsse der Schreiner einen Freispruch er­halten.

Das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen steht noch aus. Es wird in den nächsten Tagen erwartet.