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Giftige Farbe, Postleitzahlen und betrunkene Olmabesucher: Sieben Geschichten über Studentenjobs

Im Kino, in der Schoggifabrik am Fliessband oder im Paketzentrum der Post: Redaktorinnen und Redaktoren erzählen, wie sie während ihres Studiums Geld verdient haben.

Harry Potter und das gebrauchte Kondom

Nicole D'Orazio, Redaktorin Thurgauer Zeitung.

Nicole D'Orazio, Redaktorin Thurgauer Zeitung.

Ich habe als Studentin im «Schlosskino» in Frauenfeld gearbeitet. Mit dem legendären «Mato», dem besten Chef, den ich je hatte. Und ich konnte immer gratis ins Kino, mit Begleitperson. Und ich durfte so viel Popcorn essen, wie ich wollte. Ich habe Tickets verkauft, Popcorn gemacht und am Kiosk gearbeitet. Ich habe aber auch das WC und den Kinosaal geputzt. Dort haben wir mal nach einer Nachmittags-Vorstellung von «Harry Potter» ein gebrauchtes Kondom gefunden. Wäh! Einmal habe ich mir beim Putzen der Popcorn-Maschine den Arm verbrannt. Das gab eine schöne Narbe. Ich war sehr traurig, als ich den Kinojob kündigen musste, weil ich einen richtigen, festen Job hatte. (ndo)

«Biersektor räumen, Marsch!» - Als Securitas an der Olma

Christof Krapf, Redaktor Tagblatt Online.

Christof Krapf, Redaktor Tagblatt Online.

Als Kantischüler bei der Securitas an der Olma arbeiten: Aus der Ferne betrachtet, ist das eine gute Idee. Vor allem wegen der verhältnismässig üppigen Bezahlung. Doch am Einführungsabend kommen Zweifel auf: Der Einsatzleiter erzählt etwas von korrektem Tenü – die RS-Zeit liegt noch in weiter Ferne. Zudem hätten wir darauf zu achten, dass kein Besucher am Eingang sein gebrauchtes Ticket weiterverkauft. Bei Verdacht auf «illegalen Tickethandel» sei sofort per Funk die Einsatzleitung zu verständigen. Er werde dem Sachverhalt dann «undercover» auf den Grund gehen, so der Securitas-Offizier. Er hat wohl zu viele schlechte Krimis geschaut.

Die Olma-Tage bestehen dann aus stundenlangem Stehen am Eingang oder vor den Degustationshallen. Je länger der Tag dauert, desto stärker wird die Geruchsmischung aus Bier, Appenzeller Alpenbitter und Knoblibrot aus den Mündern der Messebesucher. Denen dürfen wir erklären, dass sie um diese Zeit nicht mehr in die Hallen 4 und 5 zum Saufen dürfen.

Mühsamer Höhenpunkt eines jeden Tages ist die Räumung des sogenannten Biersektors. Dort wo die Brauereien in den Degustationshallen ihre Stände haben, bleiben die Besucher am längsten hocken. Ist man über 1,90 Meter lang, ist man bei der Securitas dummerweise prädestiniert für den Räumungsjob. Béret und Krawatte werden abgelegt; uns soll weder die Kopfbedeckung geklaut werden noch soll uns ein Besoffener an der Krawatte packen. Die Securitas schont Material und Personal.

Einigermassen freundlich versuchen wir die feiernden Biertrinker zum Gehen zu bewegen. «I hau dir eis ad Schnorrä», tönt es öfter. Ein paar Appenzeller stimmen ein Zäuerli an und machen keine Anstalten, die Halle zu verlassen. Schliesslich bilden wir eine Menschenkette und drücken die bierselige Masse zum Ausgang. Endlich Feierabend und eine Lektion gelernt: Nüchtern hält man es in der Degustationshalle der Olma nicht aus. Diese Erkenntnis bleibt auch 15 Jahre später. (chk)

Alles andere als ein Schoggijob

Anina Rütsche, Redaktorin Toggenburger Tagblatt.

Anina Rütsche, Redaktorin Toggenburger Tagblatt.

Starke Nerven waren nötig, um die Semesterferien am Fliessband in der Schokoladenfabrik zu überstehen. Stundenlang sausten Pralinen oder Prügeli herbei, die mit gekonntem Griff in die Packungen einsortiert werden mussten. Wir waren vier junge Aushilfen - und uns ging alles viel zu schnell. Die Hände kamen mit der Arbeit nicht nach, derweil die Gedanken nicht wussten, wohin sie sich treiben lassen sollten.

So langweilig dieser Nebenjob auch war – er hat mir, der damals 20-jährigen Kommunikationsstudentin, eine wichtige Erkenntnis mit auf den Weg gegeben. Denn nach wochenlanger Übung brachten wir es tatsächlich zustande, dass die Kartons rechtzeitig bereitstanden und die Süssigkeiten nicht mehr vom Band purzelten. Voller Stolz berichteten wir der Angestellten, die für unsere Maschine verantwortlich war, von diesem Erfolg. Doch die Frau erwiderte das Lachen nicht. Während wir auf ein Lob hofften, schwieg sie und drehte seelenruhig an einem Schalter. Fortan lief das Band schneller und meine Kolleginnen und ich hatten eine Lektion fürs Leben gelernt. (aru)

«Der Gestank von schlechtem Essig war penetrant»

Karin Erni, Redaktorin Appenzeller Zeitung.

Karin Erni, Redaktorin Appenzeller Zeitung.

Bei mir ist das schon ein Weilchen her. Mein erster und zugleich schlimmster Studentenjob war die Arbeit in einer Essiggurkenfabrik. Der Gestank von schlechtem Essig war penetrant und kaum mehr aus Haut und Haaren rauszukriegen. Man wurde jeden Tag an einen anderen Arbeitsplatz versetzt. Sortieren, abfüllen oder abwägen am Fliessband. Letzteres war das Schlimmste. Man musste in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob man eine Gurke rausnehmen oder eine zusätzliche reinlegen soll. Nach einem halben Tag war ich so fertig, dass ich gekündigt und mir geschworen habe, nie mehr im Leben an einem Fliessband zu arbeiten. (ker)

«Bis heute weiss ich aufgrund der Postleitzahl, wo ein Ort liegt»

Odilia Hiller, Leiterin Ostschweiz am Sonntag.

Odilia Hiller, Leiterin Ostschweiz am Sonntag.

Neben meinem Studium an der Uni Fribourg habe ich zuerst einige Sommer lang im damaligen Post-Paketzentrum Zürich-Mülligen Päckli codiert und von Postwagen zu Rampen und Rutschen getragen. So habe ich alle Postleitzahlen der Schweiz gelernt.

Bis heute weiss ich aufgrund der PLZ, wo ein Ort liegt. Vor allem aber war es eine soziale Schule: Im Paketversandzentrum arbeiteten Leute jeder Herkunft und aus allen Schichten. Ausländerinnen und Ausländer, Bünzlischweizer, Aussteiger, Studis und schräge Vögel aller Gattung. Auch habe ich gelernt, was es heisst, Schicht und zu den unmöglichsten Zeiten zu arbeiten. Meine Lieblingsschicht war die von ca. 15 bis 24 Uhr, oder auch die von 17 Uhr bis 2 Uhr. Und Zürich im Sommer war und ist ein Erlebnis. (oh)

Mit Ganzkörperanzug und Schutzmaske

Sandro Büchler, Volontär St.Galler Tagblatt.

Sandro Büchler, Volontär St.Galler Tagblatt.

Über einen Klassenkameraden kam ich zu einem lukrativen Ferienjob bei einer Reederei in Rorschach. Die Firma hat Luxusjachten gekauft, den Wünschen der Kunden entsprechend umgebaut und soweit fertiggestellt, dass das Schiff direkt eingewassert werden konnte. Fast immer musste ein grösserer Kühlschrank eingebaut werden. Und der Unterboden musste lackiert werden. Dieser Lack ist eine silbrig-glänzende Schutzfarbe, die auf der Bootsaussenseite angebracht werden muss, damit sich an den Teilen des Schiffs, die permanent unter Wasser sind, keine Algen und Muscheln ansetzen. Mit Ganzkörperanzug und Schutzmaske kroch ich unter den millionenteuren Jachten hindurch und trug die ätzende Mischung auf. Allzu gesund war dieser Lack sicherlich nicht, denn nach jeweils rund einer Stunde löste sich der Farbroller auf. So unangenehm diese Arbeit auch war, so gut war sie bezahlt. Aber welch giftige Substanzen in den Farbtöpfen drin war, weiss ich bis heute nicht. Vielleicht besser so. (sab)

Ein Sommer in der Badi

Florian Beer, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Florian Beer, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Im Sommer 2016 arbeitete ich während gut zwei Monaten in der Gastronomie der Badi Bergholz in Wil, um die Zeit zwischen Matura und meinem Auslandsaufenthalt in Boston zu überbrücken. Es sah nach einer zeitlich und finanziell sinnvollen Arbeit aus. Ich sollte im Restaurant und Kiosk mithelfen, die hungrigen und durstigen Kunden zu versorgen, organisiert wurde die Arbeit mit einem Einsatzplan. Im Schnitt sollte ich etwa drei Mal pro Woche jeweils einen Tag lang arbeiten gegen Stundenlohn. Auf dem Papier sah das alles gut aus, ich freute mich auf den Sommerjob.

Leider war der Einsatzplan mehr eine Dekoration an der Wand als eine verlässliche Quelle. Es wurde personell und zeitlich wild getauscht, dass niemand einen Überblick hatte und ein organisatorisches Chaos entstand. Dafür war es beim eigentlichen Arbeitsantritt jedes Mal aufs Neue spannend, ob man auch wirklich heute im Einsatz war oder nicht. Man fühlte sich wie vor einer Lottoziehung, und man selber war das Ticket. Wurde man «gezogen», war man drin und freute sich über den Gewinn, also über den Stundenlohn und das Tagesprogramm stand. Ging man leer aus, musste man den Heimweg antreten, ohne finanzielle Entschädigung und man stand vor einem Tag voller unverhoffter Freiheit. Das steigerte die Motivation und Arbeitsfreude natürlich nicht im Geringsten. Und so wurde aus einem eigentlich gut geplantem Sommerjob eine überraschende und nervige Zeit. (fbe)

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