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SCHÖNENGRUND: Wenn das Schicksal zum Glück verhilft

Das Bergrestaurant auf dem Hochhamm ist schon seit Kindheit das Zuhause von Chantal Flück. Nach einem familiären Unglück übernahm sie das Restaurant und wurde zu mehr als nur zur Wirtin.
Bruno Eisenhut
Zwischen den Gemeinden Schönengrund und Urnäsch liegt der Hochhamm. Er dient als Naherholungsgebiet vieler Appenzeller.

Zwischen den Gemeinden Schönengrund und Urnäsch liegt der Hochhamm. Er dient als Naherholungsgebiet vieler Appenzeller.

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut@appenzellerzeitung.ch

Im Appenzeller Hinterland, zwischen Schönengrund und Urnäsch, thront er, der Hochhamm. Er ist der Lieblingshügel vieler Appenzeller und besticht mit seiner Aussicht. Zum Säntis beispielsweise oder in die Berge der Innerschweiz. Ins Neckertal über das Unterland bis hin zum Bodensee. Ein klassisches Naherholungsgebiet also. Weit mehr noch ist dieses Gebiet für Chantal Flück. Als Gastgeberin begrüsst sie die Gäste im Bergrestaurant. «Ja, ich bin sehr oft auf dem ‹Hamm›», sagt sie. Und dies schon seit ihrer Kindheit. Als sie sechs Jahre alt war, hat ihr Vater das Bergrestaurant gekauft. «Er nutzte den Hochhamm als Ort der Entspannung», blickt Chantal Flück zurück. Die Arbeitswoche verbrachte Chantal Flücks Vater in Basel, am Wochenende genoss er es, auf dem Hochhamm Gäste zu bewirten und mit ihnen über allerhand zu diskutieren. Mit dabei war die heutige Gastgeberin. «Manchmal widerwillig, rückblickend aber immer mit Freude», so Chantal Flück. Alles schien perfekt, bis zum Jahr 2008. Bei einem Autounfall verlor Peter Flück das Leben und Chantal gleichzeitig ihren Vater. «Ich war 22 Jahre alt», blickt sie zurück. Wie es mit dem Gasthaus weitergehen soll, hätten ihre Mutter, ihr Bruder und sie dannzumal nicht gewusst. Einzig, dass sie mit dem Hochhamm emotional sehr eng verbunden ist, das war ihr bewusst. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre Lehre als Köchin absolviert und etwas Berufserfahrung gesammelt.

Aus allen Schichten

Heute führt Chantal Flück zusammen mit ihrem Lebenspartner, Helfern und temporär Angestellten das Bergrestaurant. Sie, die über sich selber sagt, dass sie Sicherheiten brauche, hat nach dem Schicksalsschlag das Bergrestaurant im Alter von 24 Jahren übernommen. Die emotionale Bindung zum Berg habe gegen die Ungewissheit der Selbstständigkeit gesiegt, sagt sie heute. Angetrieben davon, die Idee ihres Vaters weiterzuführen, habe ihr damals die jugendliche Unbekümmertheit geholfen, die viele Arbeit zu bewältigen. «Zudem bin ich mit Arbeiten nicht unterzukriegen», beschreibt sie sich selber. Dafür tue sie es einfach zu gerne. Das widerspiegelt sich auch in den Öffnungszeiten. «Immer, wenn die Fahne gehisst ist, bin ich hier.» Und das ist fast immer so, bei jedem Wetter, Sommer wie Winter.

In den sieben Jahren, seit Chantal Flück den Hochhamm führt, ist sie von der jungen Bergwirtin zur Gastgeberin gereift. «Ich glaube, die Gäste sehen mir die Freude an meiner Tätigkeit an.» Nicht selten kommen die Besucher in erster Linie wegen ihr. Wie einst bei der legendären Bergwirtin Marlies Schoch auf der Hundwiler Höhe kommen auch auf dem Hochhamm zunehmend Leute aller gesellschaftlichen Schichten auf Besuch. «Mit dem Alpsenn, der hier täglich seinen Kaffee trinkt, unterhalte ich mich genauso gerne wie mit der Städterin oder dem erfolgreichen Wirtschaftsunternehmer», sagt die 31-Jährige. Ja, dank des Hochhamms habe sie schon unzählige liebe Leute kennen gelernt, bilanziert sie. Und mit diesen Gästen hat sie über weit mehr diskutiert als über das simple Dorfgeschehen. Gespräche, die der Wirtin das bringen, was der Hochhamm schon immer zu bieten hatte: Weitblick.

Wer auf den Hügel kommt, der einst mit Skilift und Sessellift erschlossen war, tut dies heute entweder zu Fuss oder mit dem Bike. Es hat zwar eine schmale Kiesstrasse, diese steht aber nur den Wirtsleuten und den Alpsennen offen. Es sei ein Segen, dass die Gäste in der Natur unterwegs waren, bevor sie oben ankommen, findet Chantal Flück. In dieser Umgebung komme man auf andere Gedanken, könne den Kopf durchlüften. Den Gästen merke man dieses Wohlbefinden an.

Viele dieser Gäste bringen den Hochhamm eng in Verbindung mit Chantal Flück. Dass ihre Person für viele zum Bergrestaurant gehört wie das Geläute der Kuhglocken zum Hügelzug, finde sie einen schönen Gedanken. Sie liebt es, wenn im Restaurant viel los ist. Genauso schätzt sie es aber auch, bei schlechtem Wetter oben zu sein. «Dann ist es ruhig hier und so richtig erholsam.» Womöglich kommen der engagierten Gastgeberin, die trotz aller Freude am Beruf sagt, dass finanziell auch etwas rausschauen müsse, in der ruhigen Bergwelt die besten Ideen. Ab und zu wartet sie nämlich mit einem besonderen Anlass auf dem rund 1200 Meter über Meer liegenden Hügel auf. An den Gourmettagen oder am Winterschmaus zeigt sie ihre Fähigkeiten als Gourmetköchin. «Das gibt zwar viel Arbeit, macht aber auch mindestens genauso viel Freude.» Dass sich die Gäste zu Fuss in Scharen in den stiebenden Winternächten zum Winterschmaus begeben, ist für Chantal Flück ein deutliches Zeichen, dass sie mit ihren Innovationen zufrieden sind.

Weine aus der ganzen Welt

Mehr als nur ein Hauch von Internationalität kommt auf, wenn man die für eine Bergwirtschaft untypisch umfangreiche Weinkarte studiert. Weine aus Südamerika oder ganz Europa stehen zur Auswahl. Chantal Flücks Lebenspartner ist Weinsommelier. Er sei der Kenner, sie habe sich aber dank ihm auch ein stattliches Wissen über den Wein aneignen können. Im Keller vom Hochhamm lagern mehrere tausend Flaschen Wein. «Einige Gäste besuchen uns wegen der grossen Auswahl an Weinen», erklärt Chantal Flück. Nachvollziehbar, denn «was gibt es Schöneres, als mit einem feinen Glas Wein die herrliche Aussicht hier oben zu geniessen?», fragt die Gastgeberin. In solchen Momenten käme ihr der verstorbene Vater in den Sinn. «Ich glaube, ihm würde gefallen, was wir aus seinem Hochhamm gemacht haben.»

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