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Schneepflüge und Unterhosen: Die Sonderwünsche der OpenAir-Stars

ST.GALLEN. Privatjet, Koch, Masseur: Wer berühmt ist, kann sich allerlei Bequemlichkeiten leisten. Auch die Stars des OpenAirs St.Gallen braten manchmal dicke Extrawürste. Oder warum sonst wollte eine Band einen Schneepflug im Sittertobel?
Janique Weder
Die Mitglieder von Linkin Park sind bekennende Nichtraucher - und wollten das Gelände des OpenAirs St.Gallen während ihres Auftritts im Jahr 2011 zur rauchfreien Zone erklären. (Bild: Keystone)

Die Mitglieder von Linkin Park sind bekennende Nichtraucher - und wollten das Gelände des OpenAirs St.Gallen während ihres Auftritts im Jahr 2011 zur rauchfreien Zone erklären. (Bild: Keystone)

Unvergessen bleibt die Fehde mit und um Herbert Grönemeyer im Jahr 1989. Nach einem öffentlich auf der OpenAir-Bühne ausgetragenen Streit zwischen Künstler und Festivalleitung - Grönemeyer warf ihr undurchsichtige Geschäftsführung vor - veröffentlichte diese eine Liste der aussergewöhnlichen Forderungen des Bochumer Sängers. Der mit 100 Begleitpersonen, drei Sattelschleppern, drei Reisecars, zehn Personen- und sieben Wohnwagen angereiste Grönemeyer wollte nicht in St.Gallen, sondern im Zürcher Nobelhotel Dolder wohnen. Hinter der Bühne erhielt er einen separaten Duschzugang mit sechs Duschen, ein eigenes Verpflegungszelt mit Wasseranschluss, drei komplette Büros, 100 weisse Handtücher, 100 Kilogramm Eis und 20 Liter Milch. Unerfüllt, betonte die Leitung damals, bliebt jedoch des Sängers Wunsch nach einer Bardame in Strapsen.

Von anspruchsvoll...
Auch wenn nicht alle Künstler so betreuungsintensiv wie Grönemeyer sind: Sonderwünsche gehören zum Programm. "Rider" nennen Fachleute Listen, in denen auf nicht selten 20 oder 30 Seiten all jene Dinge festgehalten werden, die einen Künstler bei Laune halten sollen. Viele Forderungen sind vernünftig, betreffen Sound- oder Lichttechnik. Aber eben nicht alle. Wie OpenAir-Sprecherin Sabine Bianchi verrät, wollten Linkin Park 2011 das ganze Festivalgelände zur rauchfreien Zone erklären. Das Vorhaben scheiterte, logisch, an der Umsetzung. Die Kalifornier mussten sich mit einem rauchfreien Backstage-Bereich begnügen.

Beyoncé hat gleich eine ganze Liste von Wünschen. So muss die Temperatur in ihrer Garderobe exakt 22,2 Grad betragen und nach dem Auftritt müssen Eiswürfel zum Kühlen des Halses bereit stehen. Ausserdem soll die Sängerin nur aus Titanium-Strohhalmen trinken. (Bild: Keystone)
Sympathisch: Wer die britische Rockband Blur bucht, muss ihr vier Postkarten aus der jeweiligen Stadt, in der sie gerade ist, zur Verfügung stellen. (Bild: Keystone)
Das Buch "The Little Red Riders Book" enthüllt die Sonderwünsche der Stars. So braucht Sängerin Janet Jackson backstage ein Römersofa, die Würzpaste Marmite und lässt sich nur von ausschliesslich männlichem Catering-Personal bedienen. (Bild: Keystone)
Robbie Williams wünscht sich nichts Kompliziertes, dafür einiges: Kein Alkohol, vier Aschenbecher, zwei Schachteln Zigaretten, zwei lange Spiegel, zwei Deodorants, zwei frisch gewaschene Handtücher, Zahnstocher, Seife, eine Früchteschale, ein Teller voller Melonen, Pfefferminz-Bonbons, Schokolade und weiches WC-Papier. (Bild: Keystone)
Busta Rhymes ist halt ein richtiger Gangster, made in America: Der Rapper wünscht sich 24 Chicken Wings der Fast-Food-Kette KFC und zwei Kondome der Marke Rough Rider. (Bild: Keystone)
Die Wunschliste der britischen Band Oasis ist zu gut, um sie ins Deutsche zu übersetzen. Darum hier der Original-Text: "Lots of Guinness. Lots of beer. Lots of red wine. Lots of vodka. Lots of whiskey. Doritos and dip." Na dann, zum Wohl! (Bild: Keystone)
Der Rider - also jener Teil des Vertrags, der die Sonderwünsche regelt - von Lady Gaga präsentiert sich wie eine Einkaufsliste für ein Skilager. Hier ein paar Auszüge: Zwölf verschiedene Süssgetränke, zwölf Flaschen Mineralwasser in Zimmertemperatur, zwölf Flaschen Mineralwasser gekühlt, eine Schüssel Guacamole, ein grosser Pack Tortilla Chips, ein Pack getrocknete Äpfel, ein Pack getrocknete Mangos. Dann möchte die Sängerin auch noch Mandeln, umhüllt in schwarzer Schokolade sowie eine Schüssel Zitronen- oder Knoblauch-Humus (Bild: Keystone)
Sososo. Wer hätte das gedacht: Schmusesänger James Blunt will 120 Flaschen Bier, vier Flaschen Wodka, drei Flaschen Weisswein und zwei Flaschen Champagner. (Bild: Keystone)
Madonna setzt sich verschiedenen Angaben zufolge nur auf noch nie benutzte Toilettenbrillen. Und sie trinkt ausschliesslich Kabbala-Wasser. (Bild: Keystone)
Die Mitglieder der Nu Metal-Band Korn scheinen pragmatische Denker zu sein. Sie verlangen einen Anwalt, einen Arzt und einen Zahnarzt. (Bild: Keystone)
Das Gerücht hält sich in Internetforen hartnäckig - ob es auch stimmt? Ex-Baywatch-Star David Hasselhoff braucht zu seinem Glück angeblich nur eine lebensgrosse Pappfigur von sich selbst. (Bild: Keystone)
Die amerikanische Soul-Sängerin Chaka Khan hat gerne wilde Blumen, ausserdem isst sie mit Vorliebe Sardinen. Davon braucht es laut Rider sechs Büchsen. Und die 62-Jährige hat noch einen Wunsch: Keine Treppen im Backstage-Bereich. (Bild: Keystone)
Weiter geht's mit den Diven. In Barbra Streisands Rider wird nach Rosenblättern in ihrer Toilette verlangt. (Bild: Keystone)
Die Sängerinnen der Country-Band Dixie Chicks wollen nebst frisch geschnittenen Blumen Mitgliederausweise für einen lokalen Golf Club. (Bild: Keystone)
Die Rolling Stones pflegen die britische Esskultur. Sie haben backstage darum gerne Shepherd's Pie und die Würzsauce HP Sauce. Der Rider listet ausserdem auf: Pinsel, einen Snookertisch, einen Fernseher, auf dem Cricketspiele empfangen werden können sowie eine Toilette auf Rädern. (Bild: Keystone)
Bei den Kollegen von Metallica freut man sich auf einen Abfallkübel, ein Sofa sowie einen "Love Seat" in der Garderobe. Ausserdem wollen die vier Musiker zu jedem Essen ganz viel Speck. (Bild: Keystone)
Der Rider der Boyband One Direction ist 32 Seiten lang. Ein paar Highlights daraus: Dauert eine Autofahrt länger als 15 Minuten, brauchen die Jungs Erfrischungsgetränke. Backstage wollen sie ausserdem einen grossen, mit einer Glasscheibe verkleideten Kühlschrank, hausgemachte Desserts, einen Pingpongtisch, drei Kisten lokales Bier sowie parfümierte Teppiche. (Bild: Keystone)
Der böse Bub mag's süss! Für Marilyn Manson müssen backstage Gummibärchen bereit stehen. Ausserdem will der Sänger Doritos, Mikrowellen-Popcorn und Absinth. (Bild: Keystone)
Ex-Beatle Paul McCartney ist tierlieb und naturverbunden. Beim Vegetarier ist Fleisch im gesamten Backstage-Bereich verboten, lederbezogene Sitze in der Garderobe und im Auto ebenso. Ausserdem wünscht sich McCartney sechs Bodenpflanzen, zwei normale Topfpflanzen, und eine von einem "renommierten Floristen" angerichtete Gartenschau mit weissen Casablanca-Lilien, rosa und weissen Rosen, einem Wildblumen-Arrangement sowie Freesien. (Bild: Keystone)
Anders verhielt es sich beim 2007 verstorbenen Tenor Luciano Pavarotti. Blumen in der Garderobe sowie rund um die Bühne waren untersagt. Auch Zigarettenrauch, jegliche Art von Lärm sowie "deutliche Gerüche rund um den Künstler" tolerierte der Italiener nicht. (Bild: Keystone)
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Die skurrilen Sonderwünsche der Stars

... zu pflegeleicht
Musiker Wyclef Jean wollte nach seinem Konzert am OpenAir St.Gallen im Jahr 2001 eine Sightseeing-Tour durchs Appenzellerland machen - in einer Limouse, versteht sich. Bescheiden und doch sonderbar war der Wunsch der Red Hot Chili Peppers. Für sie mussten 1996 backstage weisse Calvin-Klein-Unterhosen bereitliegen.

Und heute? "In den jüngsten Jahren sind unsere Künstler sehr pflegeleicht geworden", sagt OpenAir-Sprecherin Sabine Bianchi. In diesem Jahr habe sie noch keine ausgefallenen Wünsche erhalten. «Wenn, dann geht es ums Essen.» Gesunde Ernährung – Bio-Kost oder gar vegane Gerichte – sei vielen Stars wichtig. Vorbei sind die Zeiten von Sex, Drugs & Rock'n'Roll.

Keine braunen M&Ms

Weil Rider Einblicke in sehr private, mitunter exzentrische Vorlieben der Stars gewähren, sind sie vertraulich. Und doch tauchen im Zeitalter des Internets immer wieder Kopien auf. Legendär wurde so der Wunsch der Hardrock-Band Van Halen. In den 80er-Jahren orderte das kalifornische Quartett an jedem Konzert M&Ms in die Garderobe - jedoch auf keinen Fall die braunen. Befanden sich trotzdem braune M&Ms in den Schüsseln, behielt sich die Band vor, das Konzert abzusagen und die Gage trotzdem zu kassieren. Lange Zeit stand die Band wegen dieser Auflage in der Kritik. Bis Leadsänger David Lee Roth in einem Interview den wahren Grund für die Klausel enthüllte: Die Forderung war ein Test für den Veranstalter. Stimmte mit den M&Ms etwas nicht, deutete das daraufhin, dass die Organisatoren weder Rider noch Vertrag sorgfältig durchgelesen - und dadurch wichtige technische Details aussen vor gelassen hatten. (jmw)

Schnee räumen im Sommer
Einer, der in die Causa Grönemeyer involviert war und auch sonst schon viele Rider gelesen hat, ist Fritz Portner. Seit der ersten Ausgabe im Jahr 1977 und bis vor rund zehn Jahren hat er als Künstlerbetreuer für das OpenAir St.Gallen gearbeitet. Er erinnert sich an "den absurdesten Wunsch sowieso" einer amerikanischen Band. "Die wollte einen Schneepflug im Sittertobel", sagt Portner. In der Folge hat er das Management kontaktiert. Wie sich herausstellte, kam die Band gerade von einer Nordamerika-Tournee. Dort mussten viele Konzerte abgesagt werden, weil die Strassen verschneit waren und keine vernünftige Möglichkeit zur Schneeräumung zur Verfügung stand. "So ist die Pflug-Klausel entstanden", sagt Portner und ergänzt: Einen Schneepflug habe er dann doch nicht auftreiben müssen. Das Management strich die Forderung aus dem Rider, nachdem es über die Wetterbedingungen in St.Gallen während der Sommermonate aufgeklärt worden war.

Bei Drogen hört die Arbeit auf
Portner betreut mit seiner Firma PPK bis heute Künstler aus aller Welt. Seltsame Klauseln gebe es immer wieder, sagt er. Dann helfe oft ein Gespräch. Denn: "Diese Verträge sind keine Schikane. Die Band will a priori auftreten." Portner zieht einen Vergleich: Auf Tournee zu sein bedeute, jeden Tag sein Büro zügeln zu müssen. Dass ein Künstler dabei die eine oder andere Vorliebe pflege, sei normal.

Irgendwo hört aber auch für Portner die Arbeit auf. Während seiner OpenAir-Jahre etwa dann, wenn ihn jemand "nach Stoff" gefragt hat. "In solchen Fällen sagte ich dann, dass sie ihn sich selber suchen müssen." In einem Rider hätten solche Wünsche aber nie gestanden.

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