«Schmerzhaft, aber konsequent»

GRABS. Der Grabser Paul Schlegel tritt nach Vorwürfen wegen der Zahlungsmoral in seiner Firmengruppe zurück – als FDP-Kantonsrat und als Kandidat für die Nationalratswahlen im Herbst. Für die Kantonalpartei ist der Rücktritt richtig.

Thomas Schwizer
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Er habe sich 32 Jahre lang mit Herzblut für die Region Werdenberg, den Kanton St. Gallen und die Ostschweiz engagiert, sagt der 50jährige Grabser Unternehmer Paul Schlegel. Diese Woche geriet der Freisinnige wegen ausstehender Sozialversicherungsbeiträge in seinen Unternehmen ins Kreuzfeuer der Medien. Am Donnerstagabend wurde er deswegen vor den Ausschuss seiner Partei zitiert. Dort gab er über 40 Betreibungen zu, Ausstände von jeweils 2000 bis 4000 Franken. Das trug ihm die «gelbe Karte» seitens der Parteileitung ein, einen Verweis mit Blick auf die Nationalratswahlen im Herbst.

Gestern abend dann zog Schlegel die Konsequenzen: Er tritt als Kantonsrat zurück; in diesem Gremium vertrat er die FDP seit 1998. Und er steht als Nationalratskandidat nicht mehr zur Verfügung. Auch das Co-Präsidium im Verein Expo 2027 gibt er per sofort ab. Neben dem medialen Druck habe wohl die offene Aussprache mit dem Parteiausschuss zu Schlegels Rücktritt geführt, sagt Wahlkampfleiter Sven Bradke, auch Vizepräsident der Kantonalpartei.

Im Verlauf des Gesprächs seien sämtliche Vorwürfe, die in der «Weltwoche» erhoben worden waren, «schonungslos diskutiert worden», hielt die FDP gestern abend in einem Communiqué fest. Gleichzeitig seien mögliche Konsequenzen «ohne Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten» erörtert worden.

Das Umfeld schützen

Die FDP hält Schlegels Entscheid für richtig – ein «schmerzhafter, aber konsequenter Schnitt». Mit seinem Rücktritt erhalte er die Möglichkeit, «sich und sein Umfeld in angemessener Weise zu schützen».

FDP spricht von Kulturwechsel

Im Rückzug manifestiere sich ein Kulturwechsel, den der Freisinn in den vergangenen Jahren vollzogen und verinnerlicht habe. Die Werte und Ideale der Partei – «allen voran die Eigenverantwortung jedes einzelnen» – würden in der FDP höher gewichtet als die persönlichen Interessen verdienter Mitglieder. Schlegel ermögliche dem Freisinn, «politisch den Blick weiterhin nach vorne richten zu können, statt sich mit Vorwürfen und Altlasten abmühen zu müssen».

Der Grabser Unternehmer erklärte sich gestern abend ebenfalls noch persönlich. Das Milizsystem sei auf Menschen angewiesen, die sich aktiv für die Öffentlichkeit einsetzten.

Schlegel: Hohen Preis bezahlt

Unternehmertum biete immer Risiken – «für Fehler darf man aber keinen so hohen Preis bezahlen müssen wie ich in den letzten zwei Tagen», hält Schlegel fest. Sonst werde es kaum mehr ein Unternehmer wagen, ein öffentliches Amt zu übernehmen.

Schlegel betont, dass er den Entscheid für die Rücktritte und eine «politische Pause» nach sachlichem, nüchternem Überlegen gefällt habe. Er werde sich weiterhin engagiert für die Landesausstellung 2027 in der Ostschweiz einsetzen.